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"Verbrecher sind in Autos unterwegs"

Sabine Doll 12.10.2018 8 Kommentare

Kelle raus und rechts ranfahren: Die Polizei Bremen will die Verkehrsüberwachung und Fahrzeugkontrollen deutlich stärker ausweiten.
Kelle raus und rechts ranfahren: Die Polizei Bremen will die Verkehrsüberwachung und Fahrzeugkontrollen deutlich stärker ausweiten. (Christina Kuhaupt)

Wann ist Ihnen zuletzt ein extrem und verdächtig lautes Auto mit aufheulendem Motor begegnet?

Rainer Zottmann: Ich höre das oft. Immer wenn ich durch den Hemelinger Tunnel nach Hause fahre, erlebe ich Autofahrer, die den Motor aufheulen lassen und mit lautem Krach durch den Tunnel fahren. Das kommt aber auch an anderen Stellen in der Stadt vor, etwa an der Schlachte auf der Bürgermeister-Smidt-Brücke oder der Discomeile.

Kommt Ihnen dann die Forderung der Grünen nach einer Sonderkommission „Autoposer“ nicht gerade recht? Diese Soko nach Hamburger Vorbild könnte gezielt gegen Autofahrer vorgehen, die ihre Fahrzeuge illegal manipulieren und oft auch viel zu schnell unterwegs sind.

Das klingt zunächst einmal logisch. Allerdings ist die Lage in Bremen anders: Wir haben keine klar umrissene und große Autoposer-Szene, die mit Städten wie Hamburg, Berlin oder Köln vergleichbar ist. Keine Frage: Es gibt diese Fahrer, und das ärgert Anwohner extrem, wenn die den Motor richtig aufdrehen. Es handelt sich aber immer noch um Einzelfälle.

Das heißt, alles kein Problem?

Natürlich reagieren wir auf die Beschwerden. Das Phänomen Posing – vor allem gekoppelt mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit – ist von uns ganz klar erkannt. Und wir werden noch stärker als bisher dagegen vorgehen. Aber: Wir brauchen dafür keine eigene Soko Autoposer, die täglich auf den Straßen unterwegs ist. Diesen personellen Aufwand können wir angesichts der Einzelfälle nicht betreiben.

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Wie sieht Ihr Konzept gegen Autoposer denn aus?

Bei der Verkehrspolizei gibt bereits 13 Spezialisten, die technisch so geschult sind, dass sie illegale Manipulationen an Fahrzeugen erkennen. Sie sind genauso gut qualifiziert wie die Soko-Kollegen in Hamburg. Einzelne Spezialisten dieses Teams sind bei Schwerpunktkontrollen gegen Raser und Poser vor Ort. Außerdem werden immer wieder auch externe Spezialisten, wie Techniker von der Dekra, hinzugezogen. Diese Kontrollen werden wir jetzt ausweiten. Neu ist außerdem: Polizeibeamte im Streifendienst werden so qualifiziert und sensibilisiert, dass sie bei jeder Art von Schwerpunktkontrollen – also wegen Drogen, Alkohol oder Geschwindigkeit – Lautstärke und mögliche technische Manipulationen am Fahrzeug gezielt in den Blick nehmen.

Und dann? Womit müssen die Fahrer rechnen, wenn sie unter Verdacht stehen, dass sie mit illegalen Manipulationen beim Sound nachgeholfen haben?

Dann bekommen sie eine Mängelkarte und müssen ihr Fahrzeug bei einem Sachverständigen zur Überprüfung vorstellen.

…und haben bis dahin Zeit, unzulässige technische Veränderungen auszubauen. Warum geht die Polizei nicht den Weg wie Hamburg? Dort werden beim begründeten Verdacht die Fahrzeuge vorübergehend stillgelegt und vor Ort und Stelle zum Gutachter abgeschleppt.

Angesichts der Tatsache, dass wir es mit Einzelfällen zu tun haben, wäre der Aufwand nicht gerechtfertigt. Wir müssen unsere Ressourcen klug verteilen, auf Schwerpunkte, die einen deutlich höheren Personalbedarf erfordern. Derzeit haben wir es mit einer gefährlichen Entwicklung auf den Straßen zu tun, gegen die wir jetzt stärker als bisher vorgehen werden.

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Worum handelt es sich bei dieser gefährlichen Entwicklung auf den Bremer Straßen?

Überall dort, wo es möglich ist, wird deutlich zu schnell gefahren. Es wird mit 70, 80 oder auch mehr als 100 Stundenkilometern durch die Stadt gerast. Immer wieder. Im Juli ist bei einer Kontrolle an der Kurfürstenallee ein Fahrer mit 141 Stundenkilometern aus dem Verkehr gezogen worden, im Mai war ebenfalls dort ein Fahrer mit Tempo 138 unterwegs. Das müssen wir verhindern. Und im Übrigen ist es oft so, dass diese Raser auch lautstark mit ihren manchmal manipulierten Fahrzeugen unterwegs sind. Die erwischen wir mit den Kontrollen ebenfalls, weil sich die beiden Gruppen oft überlappen. Unser Schwerpunkt ist, das Sicherheitsrisiko für Fußgänger, Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer zu reduzieren.

Es wird also mehr Polizei-Kontrollen gegen Raser und damit auch gegen Poser geben?

Ja, wir müssen und wir werden mehr kontrollieren. Auf jeden Fall wird es mehr sogenannte Anhaltekontrollen geben, bei denen eben auch technische Überprüfungen möglich sind. Es gab 2017 so viele Verkehrsunfälle wie noch nie. Und die diesjährige Entwicklung scheint nicht besser zu werden.

Was ist der Grund dafür, dass die Zahl der Unfälle so deutlich zugenommen hat?

Da kommen die Themen Geschwindigkeit und Ablenkung zusammen. Die Zahl der Autos in der Stadt steigt, auch durch die Baustellen etwa auf der A1. Darunter sind viele Autofahrer, die Schleichwege durch die Stadt suchen, sich nicht auskennen und auf dem Handy tippen, um sich durch die Stadt navigieren zu lassen. Dazu kommen die vielen Fahrer, die am Steuer mit dem Handy telefonieren, Nachrichten schreiben. Diese Verstöße nehmen übrigens deutlich zu. Genauso wie Verstöße gegen die Gurtpflicht. Wir stellen bei unseren Kontrollen sehr viel Beifang fest: Da wird Auto gefahren ohne Fahrerlaubnis und Zulassung. Und es gibt noch einen anderen auffälligen Beifang bei diesen Kontrollen, der ebenfalls eine gefährliche Entwicklung zeigt, gegen die wir mit Verkehrskontrollen und -überwachung verstärkt vorgehen werden.

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Welcher ist das?

Drogen oder Alkohol am Steuer, das alles hat deutlich zugenommen und gefährdet die Sicherheit auf den Straßen. Wir finden auch immer wieder andere Straftäter, die etwa Drogen im Auto transportieren, da gibt es Einbruchswerkzeuge im Kofferraum. Auch Waffen werden immer wieder gefunden. Verbrecher in Bremen sind in Autos unterwegs, nur die Straßendealer am Bahnhof sind noch zu Fuß unterwegs.

Raser sind nicht nur in Bremen ein größer werdendes Problem. Gibt es eine Erklärung dafür?

Mein Eindruck ist, dass es negative gesellschaftliche Entwicklungen gibt, die sich genauso auf den Straßen widerspiegeln: Die Grundaggressivität im Verkehr hat zugenommen, und parallel dazu werden Regeln immer weniger akzeptiert. Es wird über Rot gefahren, der Fahrer vor dem eigenen Auto bedrängt, dicht aufgefahren, damit ein anderes Auto nicht mehr dazwischen kommt. Und wenn es in der Stadt so richtig voll ist, hat man zunehmend den Eindruck, dass manche Fahrer am liebsten aussteigen würden, um den anderen zu verprügeln. Geduld und Rücksicht auf Schwächere, die man auch und gerade im Straßenverkehr braucht, ist nicht mehr da. Das Motto „Ich zuerst!“ ist symptomatisch für die Entwicklung der Verkehrsmoral. Das können und werden wir nicht tolerieren, weil damit andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden und im schlimmsten Fall ums Leben kommen.

Wer sind die Raser?

Im Grunde kommen sie aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten. Die Hauptgruppe sind aber junge Männer. Und sehr oft kennen wir diese jungen Männer schon aus anderen polizeilich relevanten Zusammenhängen. In der Regel sind sie in sehr großen und teuren Fahrzeugen unterwegs. Angesichts des bereits erwähnten Beifangs, der bei Kontrollen regelmäßig gemacht wird, zeigt uns das: Verkehrsüberwachung ist ein sehr gutes Instrument, um mehrere Bereiche, die sich oft überlappen, abzudecken – vom Autoposing bis zur Clankriminalität. Nochmal: Verbrecher sind in Autos unterwegs. Deswegen müssen wir alles tun, um ihnen die Fahrerlaubnis und/oder das benutzte Auto wegzunehmen.

Die Fragen stellte Sabine Doll.

Zur Person

Rainer Zottmann ist Leiter der Direktion Einsatz bei der Polizei Bremen. Der Polizeidirektor ist damit zuständig für alle uniformierten Polizeibeamten, die auf den Bremer Straßen im Einsatz sind.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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