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Ausbildung
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Verpacken für Anfänger

Lisa-Maria Röhling 07.01.2019 0 Kommentare

Bildungssenatorin Claudia Bogedan und Schulleiter Robbin Hagen (2. von rechts) im Gespräch mit zwei Schülern.
Bildungssenatorin Claudia Bogedan und Schulleiter Robbin Hagen (2. von rechts) im Gespräch mit zwei Schülern. (BBS Einzelhandel und Logistik)

Bremen. Das schwarze Umreifungsband muss richtig sitzen. Ist es zu eng, schneidet die scharfe Kante in den braunen Pappkarton. Ist es zu locker, droht der Karton von der Palette zu fallen, auf die er sorgsam gestapelt wurde. „Zeig mal her“, sagt Bartosch Kobiella und fährt mit dem Finger prüfend über das Plastikband, das sein Schüler gerade um die Palette geschnürt hat. „Nicht schlecht“, sagt er. „Aber beim nächsten Mal setz weiter hier drüben an, dann bekommst du mehr Spannung rein.“ Den richtigen Spannungsgrad für diese Bänder zu finden ist nur eine der Aufgaben eines Logistikfachwirts, der in Lagerhallen dafür sorgt, dass Ware richtig sortiert, verpackt und schließlich versendet wird. Dass die richtigen Kniffe für diesen Beruf auch schon in der Ausbildung sitzen, dafür ist Kobiella zuständig: Er ist der Lagermeister des neuen Übungslagers der Berufsbildenden Schule (BBS) Einzelhandel und Logistik. Dort können die Schüler logistische Aufgaben unter realen Bedingungen kennenlernen. 

Warenannahme, Inventur oder eben Verpackungsarbeiten erwarten im Berufsleben die meisten der Schülerinnen und Schüler, die an der BBS den schulischen Anteil ihrer Ausbildung zum Fachlageristen oder zur Fachkraft für Lagerlogistik absolvieren. Allerdings, so erklärt es Kobiella, könne der praktische Anteil von vielen Betrieben nicht ausreichend gestemmt werden: Bei den meisten gebe es Schwerpunkte, beispielsweise in der Hafenlogistik, wo mit bestimmten Materialien, bestimmten Softwares oder in bestimmten Lagerhallen gearbeitet wird. Damit die Ausbildung aber trotzdem allumfassend ist, können die Schüler neben dem Unterricht im Übungslager anpacken. In einem zweiten Raum des Übungslagers sind mehrere graue Metallregale aufgereiht, in denen rote Plastikkisten dicht nebeneinander stehen. Auf jeder der Kisten steht ein Barcode, dazu gibt es eine Kurzbeschreibung des Inhaltes. Für eine Inventur kann dieser Barcode mit einem Lesegerät gescannt werden, danach wird der dort angezeigte Inhalt überprüft.

Auch das will geübt sein. „Irgendwie funktioniert das Gerät nicht“, sagt eine Schülerin, nachdem sie schon mehrfach das Lesegerät über den Barcode gehalten hat und nichts passiert. Sofort ist Kobiella zur Stelle, sagt erneut: „Zeig mal her.“ Kurz schaut er auf das Display, drückt zwei Tasten, fährt erneut über den Barcode – das Gerät piept. „Funktioniert doch“, sagt er, dann zeigt er der Schülerin, wie es richtig geht. So eine Übungssituation, erklärt Kobiella, ergebe sich in den Unternehmen selten. Dort können die Schüler zwar einem erfahrenen Kollegen über die Schulter schauen, aber wenn sie es selbst probierten, sei es immer echte Ware, die danach auch zum Kunden geliefert werden muss. 

„Wir wollen einen praxisorientierten Lernraum bieten“, sagt Schulleiter Robbin Hagen. Im Übungslager sollen Theorie und Praxis besser verzahnt werden. „Jeder lernt anders“, sagt Hagen. Gerade die Möglichkeit, Gelerntes schnell anzuwenden, helfe beispielsweise bei Lernbeeinträchtigungen oder sogar Sprachbarrieren. Zudem arbeitet die Schule eng mit verschiedenen Logistik- und Verpackungsunternehmen wie KBU Logistik und Bähr Verpackung zusammen, damit im Übungslager auch das reale Arbeitsumfeld abgebildet wird.

An einem der Regale stehen zwei Schüler und scannen einige Kisten, die denen ähneln, die ihre Mitschüler im Nebenraum sorgfältig verpacken, und üben die Warenannahme. Kobiella schaut ihnen zu. Sicher, sagt er, in der Praxis laufe so manche Situation noch mal anders ab: Jedes Unternehmen habe andere Geräte, andere Artikel, andere Materialien. „Man muss viel improvisieren“, sagt er. Aber wichtig sei, dass die Schüler in Ruhe ausprobieren können. Und das komme bei seinen Schülern sehr gut an. Besonders vor Prüfungen sei es vielen wichtig, sich noch einmal im Übungslager Tipps einzuholen. Das Schüler-Team ist mit der Warenannahme fertig, es schaut Kobiella fragend an. Er nickt zufrieden.


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