Wetter: Nebel, 11 bis 16 °C
Schifffahrt
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Vom Industriehafen in das Bremer Stahlwerk

Jonas Mielke 02.02.2019 0 Kommentare

Der Nachschub für das Stahlwerk: Hier kommt die Kohle an, mit der die Hochöfen befeuert werden. Drei Tage brauchen die Hafenarbeiter, um die Ladung des Schiffs zu löschen.
Der Nachschub für das Stahlwerk: Hier kommt die Kohle an, mit der die Hochöfen befeuert werden. Drei Tage brauchen die Hafenarbeiter, um die Ladung des Schiffs zu löschen. (Vasil Dinev)

Tief im Laderaum des Schiffes kratzt eine Kettenraupe die gefrorene Kohle frei. Aus der Distanz wirkt sie wie ein Spielzeugauto in einer Mondlandschaft. Das Dröhnen des Motors verrät, wieviel Kraft die Maschine das kostet. Ein polnisches Transportschiff hat die 33 000 Tonnen Kohle aus Russland nach Bremen verschifft, der Hafen von Murmansk liegt nördlich des Polarkreises. Dank des warmen Golfstroms ist der russische Hafen auch im Winter eisfrei, die Fracht ist es nicht.

Drei Tage werden die Hafenarbeiter im Terminal 1 von Weserport im Industriehafen brauchen, um die Kohle auszuladen. Mit einem Portalkran wird sie aus dem Schiff auf den Verladeplatz gehievt, ein Radlader füllt die Kohle in Eisenbahnwaggons, von dort geht es über die Schiene direkt zum ebenfalls im Bremer Westen gelegenen Stahlwerk von Arcelor-Mittal.

Fotostrecke: Exklusive Einblicke in den Neustädter Hafen

Das Terminal 1 ist die Drehscheibe für die Rohstoffe und Waren des Stahlwerks, seine Verbindung zur Welt. Hier kommen Kohle, Koks und Erze an, die die Hochöfen befeuern. Von hier wird der Stahl in die ganze Welt verschifft, dünnes Blech für Autokarosserien genauso wie dicker Stahl für Pipeline-Rohre.

Doch die größten Schiffe schaffen es nicht bis in die Stadthäfen, in den Bremer Industriehafen können nur mittelgroße Schiffe der Panmax-Klasse mit bis zu zehneinhalb Metern Tiefgang einlaufen. Man könnte meinen, der Stadthafen sei kaum noch wirtschaftlich: Je höher die Stückzahlen, desto niedriger die Kosten. So funktioniert der globale Logistik-Markt auf dem Wasser.

Eine dieser Schaufeln fasst etwa eine Lkw-Ladung Schüttgut.
Eine dieser Schaufeln fasst etwa eine Lkw-Ladung Schüttgut. (Vasil Dinev)

Häfen als Kraftzentren der Bremer Wirtschaft

Die Bedeutung der stadtbremischen Häfen ist aber immer noch groß, das Land investiert in ihren Ausbau. Im November 2017 wurde eine neue Kaje im Industriehafen eröffnet. Damals investierte das Land Bremen siebeneinhalb Millionen Euro in den Umbau der Anlegestelle. Sie wurde drei Meter landeinwärts verlegt, die Unterwasserböschung wurde abgetragen. Seitdem passen zwei Schiffe durch das Hafenbecken. Die Häfen seien „Kraftzentren unserer Wirtschaft“, sagte Wirtschafts- und Häfensenator Martin Günthner (SPD) damals. Immerhin hänge jeder fünfte Arbeitsplatz im Land Bremen von den Häfen ab.

Die 125 Arbeiter in den Terminals sind 365 Tage im Jahr im Einsatz, rund um die Uhr. Egal, ob eisiger Wind und Regen die Wartungsarbeiten auf den Kränen erschweren oder die Sonne im Sommer erbarmungslos in die Kabinen der Kranführer brennt.

Mehr zum Thema
Vom Industrie- bis zum Neustädter Hafen: Bremer Verkehrsbehörde hält nichts von Hafenfähre
Vom Industrie- bis zum Neustädter Hafen
Bremer Verkehrsbehörde hält nichts von Hafenfähre

Der SPD-Vorschlag einer Fähre zwischen Industrie- und Neustädter Häfen fällt in der Bewertung der ...

 mehr »

Zwei der Kranführer sind Uwe Nienstedt und Nikolai Kasdorf. Ihr Arbeitsplatz liegt in etwa 20 Metern Höhe, sie sitzen am Tor zur Hütte. Nienstedt, 60 Jahre alt, entlädt die Kohle, die von der Raupe im Schiffsbauch frei gekratzt wurde. Kasdorf belädt an der gleichen Kaje, ein paar Hundert Meter weiter, ein Schiff mit Blech, das bei Arcelor-Mittal produziert wurde. Das Ziel der Ware: Immingham, England.

Ein Kran hebt einen sogenannten Coil. Das Blech wurde in Bremen gewalzt.
Ein Kran hebt einen sogenannten Coil. Das Blech wurde in Bremen gewalzt. (Vasil Dinev)

Rekord im Simulator

Kasdorf bedient den neuen Mobilkran im Hafen. Seit dem vergangenen September ist der Kran im Einsatz, 125 Tonnen kann er tragen. Kasdorfs Arbeit ist eine Sache von Zentimetern: Präzise muss er den aufgerollten Stahl, die sogenannten Coils, auf das Schiff bugsieren, während gleichzeitig die Last und der Wind an seinem Kran rütteln. Kasdorf erzählt, dass er beim Simulatortraining, bevor der Kran kam, den Rekord gebrochen hat. „Schneller als die, die den Kran entwickelt haben“, sagt er. Kasdorf ist Hafenlogistiker, er hat vor zehn Jahren hier im Industriehafen gelernt, mittlerweile ist er 26 Jahre alt. Sein Chef, Heiner Delicat, sagt, sein Unternehmen sei das einzige in Bremen, in dem dieser Beruf noch ausgebildet werde.

Funken sprühen im Stahlwerk: Im Konverter, einem riesigen Tiegel, treffen Roheisen und Schrott aufeinander. Zuvor wurde das glühende Roheisen mit einer automatischen Eisenbahn vom Hochofen zum Stahlwerk gefahren.
Wolfram Weiss, Hochofenleiter bei ArcelorMittal.
Begleitet vom Wummern des Ofrens rollen die glühenden Stahlböcke über das Förderband des Warmwalzwerks.
Fotostrecke: So sieht es im Bremer Stahlwerk aus

Delicat, 55 Jahre alt, Betriebswirt, ist seit 2005 Geschäftsführer beim Hafenbetreiber Weserport, der zur Rhenus-Gruppe gehört. Er hat Respekt vor der Arbeit seiner Angestellten. „Wir sind hier nicht beim Uhrmacher, sondern im Hafen“, sagt er.

Delicat macht sich keine Sorgen um die Zukunft des Weserports. No-Deal-Brexit? Kriege man hin, sagt Delicat. Die Schiffe aus England würden dann halt behandelt wie Schiffe aus Ägypten, damit habe man Erfahrung. Ausstieg aus der Kohleverstromung? Kein Problem für den Weserport, sagt Delicat. Das Stahlwerk wird weiter mit Kohle die Hochöfen befeuern, und es wird weiter Stahl produzieren. Und beides muss transportiert werden.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 16 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Nebel.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
alanya_fuchs am 23.10.2019 07:35
Raten Sie mal, wieviele Geschäftspartner, Ein- und Verkäufer sich beim 6-Tagerennen treffen.
suziwolf am 23.10.2019 07:11
„Heiopei“ 😃und
„Zwangsmassnahmen“ ... 😒

Hallo, @rakase, Sie haben eine gute und widersprüchliche Zusammenfassung geliefert ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige