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Unheimliches Waffenarsenal
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Waffen und Drogen in Bremer Staatsanwaltschaft

Christian Platz (Fotos) und Sebastian Krüger (Text) 26.01.2019 0 Kommentare

Ein makaberes Wimmelbild aus Hieb-, Stich- und Schusswaffen. Im unauffälligen Spazierstock auf der linken Seite ist eine Klinge versteckt.
Ein makaberes Wimmelbild aus Hieb-, Stich- und Schusswaffen. Im unauffälligen Spazierstock auf der linken Seite ist eine Klinge versteckt. (Christian Platz)

Zwischen Sturmgewehr und Revolver hängt ein unscheinbarer Spazierstock an der Wand. Frank Passade, Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, nimmt ihn herunter und zieht am Metallgriff eine versteckte Klinge aus dem hölzernen Schaft. „Die 08/15-Asservate liegen eher bei der Polizei“, sagt er. Im Keller der Staatsanwaltschaft lagern neben Drogen vor allem Waffen – genügend, um eine kleine Armee auszurüsten.

Das kriminelle Kabinett beherbergt ein gleichermaßen beeindruckendes wie unheimliches Arsenal. Passade zeigt einen Schlagstock. Es ist kein gewöhnlicher. In der metallenen Leiste ist ein Elektroschocker eingebaut. Aus dem Loch an der Spitze kommt auf Knopfdruck Pfefferspray. Direkt daneben hängt ein Morgenstern. Die mit spitzen Dornen versetzte Metallkugel liegt schwer in der Hand. Drum herum: Messer, Knüppel, Pistolen. Oben eine Armbrust, links ein Maschinengewehr vom Typ MG 42.

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Nicht alle Waffen wurden bei Gewaltverbrechen verwendet, sagt er. Einige seien zufällig bei Durchsuchungen aufgefallen. Die Schusswaffen sind nicht mehr einsatzbereit, sie werden aus Sicherheitsgründen sofort unbrauchbar gemacht. Das heißt jedoch nicht, dass sich in den Räumen keine gefährlichen Gegenstände mehr verbergen. Plötzlich rutscht ein Säbel von der Wand und bohrt sich wenige Zentimeter neben Passades Fuß in den Boden.

Was auf den ersten Blick chaotisch aussieht, ist penibel geordnet und beschriftet.
Was auf den ersten Blick chaotisch aussieht, ist penibel geordnet und beschriftet. (Christian Platz)

Schnapsflaschen, Bolzenschneider oder Schildkrötenpanzer

Entgegen dem Namen handelt es sich bei der Asservatenkammer nicht um eine einzelne Kammer, sondern um mehrere Räume und verwinkelte Flure. Im Hauptraum stehen vollgepackte Regale. Was auf den ersten Blick chaotisch aussieht, ist penibel sortiert. Ob Schnapsflasche, Bolzenschneider oder Schildkrötenpanzer – Andreas Schulz wacht über die Asservate. Seit 1988 hat der Justizamtsinspektor den Überblick im Keller. „Bisher ist hier noch nie etwas weggekommen“, sagt er zufrieden.

Auf die Frage, welches Objekt ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist, antwortet Schulz ohne nachdenken zu müssen: „Die Kiste.“ Passade nickt. „Sehr traurig“, fügt er hinzu. Zwischen Schwertern und einem Gewehr Marke Eigenbau steht sie. Unscheinbar wirkt die Aluminiumkiste, leicht zu übersehen inmitten der Waffensammlung. Ein Bremer hatte darin die Leichen seiner beiden Kinder in einem Kanal versenkt. Schulz klappt den Deckel auf. Die schweren Pflastersteine, die der Täter als Gewicht benutzt hatte, liegen noch darin.

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Im hinteren Bereich der ohnehin schon gut gesicherten Asservatenkammer liegt der Hochsicherheitsraum. Schulz öffnet die Tür und drückt auf den Lichtschalter. Unter der Decke führt ein Waffenregal um den halben Raum herum. Zu Dutzenden sind dort Gewehre aufgereiht. Das lackierte Holz glänzt im grellen Licht. Aus dem Regal in der Mitte des Raumes riecht es stark nach Marihuana. „Wir haben die ganze Palette an Betäubungsmitteln“, sagt Passade – alles, was auf dem Markt ist. Ein- bis zweimal im Jahr entsorgt die Staatsanwaltschaft den angehäuften Vorrat. Unter Begleitung des SEK werden die Drogen in der Müllverbrennungsanlage vernichtet.

Ein kleiner Ausschnitt aus der Waffensammlung im Hochsicherheitsraum.
Ein kleiner Ausschnitt aus der Waffensammlung im Hochsicherheitsraum. (Christian Platz)

Legale Asservate werden versteigert

Ebenfalls zweimal im Jahr versteigert die Staatsanwaltschaft einen Teil der herrenlosen Asservate – solche, deren Besitz und Verkauf rechtens sind. An einer Werkbank zerstört Schulz beschlagnahmte Gegenstände, die nicht wieder in Umlauf gelangen dürfen. Illegale Imitate etwa. „Wer sich im Urlaub eine gefälschte Uhr kauft, begeht keine Straftat“, sagt er. Illegal hingegen ist es, Imitate in Deutschland weiterzuverkaufen. Daher würde sich die Staatsanwaltschaft strafbar machen, würde sie gefälschte Armbanduhren versteigern.

… landet sie unter Schulz' Hammer.
… landet sie unter Schulz' Hammer. (Christian Platz)

Was nicht unter den Hammer des Auktionators kommen soll, landet vorher unter Schulz' Hammer. Er spannt eine Uhr in den Schraubstock und lässt das Werkzeug runterdonnern. Das Glas zerspringt, das Ziffernblatt ist hin. Auch Festplatten zerstört er, etwa wenn sich darauf Kinderpornografie befindet. Er zersägt sie, schlägt drauf – Hauptsache, der Inhalt geht unwiederbringlich verloren. Hinter der Werkbank steht ein Sicherheitsschrank mit eingebauter Lüftung. Darin: übel riechende Buttersäure und leicht entflammbare Substanzen.

Vorm Eingang zur Asservatenkammer steht bereits ein Rollwagen mit neuen Kisten und Kartons, deren Inhalt Schulz ordnen und katalogisieren muss. Er stöhnt. „Wenn ich etwas weggearbeitet habe, kommt gleich der nächste Schwung.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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