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Politische Gespräche im Bremer Nachtleben
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Wahlkampf auf der Diskomeile

Kristina Bellach 02.07.2017 0 Kommentare

Sarah Ryglewski - Roter Tisch - Bürgersprechstunde auf der Diskomeile
Als die Warteschlange vor der Diskothek La Viva den SPD-Tisch erreicht, ergeben sich ein paar Gespräche. Oft mit der Frage: „Gibt's hier was zu trinken?“. (Christina Kuhaupt)

Mitten im prallen Nachtleben steht ein kleiner Tisch mit einem Schild der SPD. „Sarah Ryglewski“, steht dort in dicken Buchstaben, „Ihre Bundestagsabgeordnete für Bremen – Bürgersprechstunde heute bei Ihnen im Stadtteil.“ Heute, das ist die Nacht zu Sonntag zwischen Mitternacht und zwei Uhr. Der Ort: die Diskomeile zu bester Partyzeit.

„Warum nicht? Es müssen nicht immer politische Veranstaltungen sein. Da kommen die Leute hin, die sich sowieso interessieren“, begründet die SPD-Politikerin Ort und Zeit. Sie wolle die Menschen, in diesem Fall die jungen Menschen, dort abholen wo sie sind. Am Breitenweg zum Beispiel. „Es ist ein Ausprobieren“, sagt sie und ist optimistisch, dass die Idee funktioniert. Diskussionen über die Diskomeile gebe es schließlich genug, also auch potenzielle Gesprächsthemen.

Allerdings fehlt noch ein wichtiges Erkennungsmerkmal für den SPD-Tisch: die rote Tischdecke. Hilke Lüschen, Mitarbeiterin der stellvertretenden SPD-Landesvorsitzenden, flitzt schnell nach Hause, um sie zu holen. Erste Gespräche zum Warmwerden bahnen sich aber auch ohne Tischdecke an. Allerdings weniger politisch als beabsichtigt. „Habt ihr Lust, euch in den Ferien etwas dazuzuverdienen?“, fragt ein Mann. Ein Verkaufsjob soll es sein, den er anzubieten hat. Sarah Ryglewski winkt ab: „Danke, ich bin beruflich gut ausgelastet.“

Sarah Ryglewski - Roter Tisch - Bürgersprechstunde auf der Diskomeile
Diskussion in der Nacht: Sarah Ryglewski im Gespräch mit einem jungen Partygast. (Christina Kuhaupt)

Traurig über den Brexit

Zwei junge Frauen kommen vorbei, sie suchen jemanden, der ihr Bier öffnen kann. Leider sind die Flaschenöffner als Werbegeschenk auch zu Hause geblieben. Hilfe kommt von einem Passanten, Terence Minon-Males. Er hebelt nicht nur die Kronkorken von den Flaschen und erntet dafür ein strahlendes Lächeln. Mit ihm ergibt sich auch das erste politische Gespräch.

Wie sie Politikerin wurde, will Terence Minon-Males wissen. Lange Gespräche mit ihren Eltern über politische Themen und die Jugend in Köln seien der Grundstein für ihre Karriere gewesen, sagt die 34-Jährige. „Der Kampf gegen rechts war damals das Schlüsselerlebnis für mich.“

Ihr Politikstudium, das Engagement bei den Jusos und im SPD-Ortsverein, der stellvertretende SPD-Landesvorsitz, der Sitz in der Bürgerschaft und seit 2015 im Bundestag seien aus diesem Interesse gefolgt. Und was sie vom Brexit hält, möchte der Brite wissen. „Das war, als ob ein Familienmitglied wegzieht“, sagt Sarah Ryglewski. Der Brexit habe aber auch gezeigt, dass „Mehrheitsentscheidungen nicht unbedingt das Allgemeinwohl treffen“.

Abgeordnete setzt auf unaufdringliche Präsenz

Kaum wendet sich Terence Minon-Males ab, wird es wieder still. Die Politikerin und ihre Helfer stehen etwas verloren am Tisch, während die Nachtschwärmer an ihnen vorbeiziehen. Ein nettes Lächeln junger Männer fliegt den beiden Frauen zu, sonst passiert erst einmal nichts am SPD-Tisch. Irgendwie tue es ihm leid, sagt der Brite und beobachtet die Szene aus der Ferne. „Der Wille ist da, aber die müssten aktiver auf die Leute zugehen. Mehr Tische, mehr warme Getränke, Cola und Bier für alle.“

Sarah Ryglewski schüttelt den Kopf: „Keinen Alkohol. Die haben schon genug gehabt.“ Mehr Offensive vielleicht? Auch das möchte die Politikerin nicht. Kein wildes Flyer-in-die-Hand-drücken, sondern unaufdringliche Präsenz, so will es die Bundestagsabgeordnete. Aber die Idee mit der Cola, die sei gut. Schnell wird Cola geholt – und Milch für den Kaffee. Die fehlt auch. Die Warteschlange vor dem La Viva erreicht den SPD-Tisch. „Hey, was geht?“, erkundigt sich ein junger Mann.

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„Bürgersprechstunde“, erwidern die Genossen. „Was, ihr macht hier ein Kaffeekränzchen? Habt Ihr auch Alkohol?“ Sarah Ryglewski erklärt Sinn und Zweck der Aktion. Der junge Mann lächelt: „Die Leute sind doch hackendicht, die verstehen eh nichts und haben morgen alles wieder vergessen.“ Das sei nur eine Seite der Geschichte, erwidert die Abgeordnete. Würden nur vier oder fünf Leute erreicht, hätte die Aktion schon etwas gebracht, ist sie überzeugt.

Diskussion auf der Diskomeile

„Es ist schlecht ausgeleuchtet hier“, sagt Sarah Ryglewski und zeigt auf die Innenhöfe zwischen den Gebäuden. Vielleicht sei das ein Thema. Oder der Verkehr am Breitenweg – inzwischen sind mehrere Fahrzeuge mit weit überhöhter Geschwindigkeit vorbeigerast. Oder die Müllentsorgung.

Dann trifft SPD auf SPD. Wie schon kurz vor Mitternacht, als die Bürgerschaftsfraktion den Breitenweg ebenfalls als Wahlkampfbühne ausprobierte. Ganz unabhängig voneinander, versteht sich. Dieses Mal kommt die SPD in Person von Danielle Cikryt, der stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden aus Huchting, auf dem Weg ins Nachtleben vorbei. „Bürgersprechstunde vor dem La Viva? Kann man auch machen. Und wie läuft’s?“ erkundigt sie sich. „Man fällt auf“, sagt Sarah Ryglewski.

Ein junger Mann bleibt stehen. Er verschluckt sich vor Erstaunen fast an seinem Burger, als er versteht, dass der Tisch kein Getränkestand ist. Wie sie am Freitag bei der Ehe für alle gestimmt hat, will er von Sarah Ryglewski wissen. „Mit Ja.“ Eine kurze Diskussion beginnt. Das ist es, was die SPD-Bundestagsabgeordnete auf der Diskomeile gesucht hat. Allerdings bekommt sie auch das: „Ich bin viel zu betrunken, um das hier weiterzuführen“, sagt der junge Mann und geht.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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