Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Lesung und Debatte zur Frauenweihe
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

„Weiberaufstand“ in der katholischen Kirche

Matthias Holthaus 28.09.2019 1 Kommentar

Die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Christiane Florin hat am Sonnabend aus ihrem Buch
Die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Christiane Florin hat am Sonnabend aus ihrem Buch "Der Weiberaufstand – Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen" gelesen. (Frank Thomas Koch)

„Wo ein Wille ist, ist auch eine Weihe“, so beendete Christiane Florin die Lesung aus ihrem Buch „Der Weiberaufstand – Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“ am Samstagabend im Willehad-Saal der St. Johannis-Schule.

Zuvor hatte sie dem zumeist weiblichen Publikum einen Einblick in die männliche Lebenswelt der katholischen Kirche ermöglicht. „Wie eine Frau zu sein hat, definieren in der katholischen Kirche immer Männer“, sagte sie und verwies auf das 1994 von Papst Johannes Paul II. veröffentlichte Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“, in dem er erklärte, dass die Kirche keinerlei Vollmacht habe, „Frauen die Priesterweihe zu spenden“ und sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten hätten. „Die Tür ist zu“, heißt es dann auch vom aktuellen Papst Franziskus, doch diese geschlossenen Türen sind für viele Frauen nicht hinnehmbar.

Mehr zum Thema
Kommentar über die katholische Kirche: Einigkeit dringend gesucht
Kommentar über die katholische Kirche
Einigkeit dringend gesucht

Am Montag wollen die katholischen Bischöfe zu ihrer Herbstvollversammlung zusammenkommen und dort ...

 mehr »

Das zeigt auch die Initiative „Maria 2.0“, die umfassende Reformen der Kirche und vor allem die Priesterweihe für Frauen fordert. Eigentlich eine selbstverständliche Form der Gleichberechtigung. „Gleiche Rechte, gleiche Würde heißt es in der Politikwissenschaft. Gleiche Würde, daraus resultieren in der katholischen Kirche jedoch nicht die gleichen Rechte", sagte Florin.

Mit der 1968 entstandenen Frauenbewegung sei die Männlichkeit Jesu in der katholischen Kirche plötzlich wichtig geworden. Es sei also auch eine Frage der Macht und die Befürchtung, diese Macht zu verlieren. Türsteher vor Diskotheken hätten die Macht zu entscheiden, wer reinkommt und wer nicht: „Türsteherposten sind Machtposten, und Zulassungsfragen sind Machtfragen. Deshalb ist die Weihefrage eine Machtfrage", betonte Florin.

Jesus war ein Mann

1976 hatte Papst Paul VI. zur Begründung erklärt, Jesus sei ein Mann gewesen, ebenso die Teilnehmer des letzten Abendmahls. Der Priester verkörpere Jesus und somit auch seine Männlichkeit. Zudem sei die Kirche Braut und der Priester somit Bräutigam. „Es scheint also ein zentraler katholischer Glaubensinhalt zu sein, dass Frauen keine Priester werden dürfen“, sagte Florin. Dabei habe Jesus gar keine Aussagen zum Geschlecht, sondern eher zum Lebensstil getätigt. „Außerdem hat Jesus Frauen wie Menschen und gleich behandelt, was zu dieser Zeit unüblich war.“

Eine Gleichbehandlung, die für Florin in der katholischen Kirche ebenfalls fällig ist: „Kirche ist etwas Gewordenes. Dieses Nein zur Weihe von Frauen ist reformabel. Es ist ungerecht, jemanden qua Geschlecht auszuschließen“, stellte sie klar. Und auf die Debatte, was die Priesterweihe für Frauen denn solle, sollten sich Frauen gar nicht erst einlassen: „Das ist ein Recht, das uns vorenthalten wird.“

Mehr zum Thema
Kommentar über die katholische Kirche: Letzte Chance zur Erneuerung für die Kirche
Kommentar über die katholische Kirche
Letzte Chance zur Erneuerung für die Kirche

Die Kirche braucht öffentliches Ringen um eine ehrliche Erneuerung. Es ist ihre letzte Chance, ...

 mehr »

Eine Frau aus dem Publikum sagte daraufhin, sie sei nach 35 Jahren seit zwei Jahren wieder in der katholischen Kirche. „Ich bin frustriert“, betonte sie und fragte die Autorin: „Wie halten sie das aus?“ Florin: „Die Hoffnung, dass man mit argumentativen Debatten gewinnt, habe ich nicht. Weil es eine vermachtete Debatte ist. Man muss aber immer wieder die Argumente vorbringen.“

Eine andere Zuhörerin fragte: „Welche Maßnahmen empfehlen Sie zum Aufstand?“ Florin: „Ich bin keine Aktivistin und habe das Buch geschrieben, um das ganze Geschwurbel beiseite zu schieben. Das ist Diskriminierung – und Punkt.“ Ihr sei es darum gegangen, widerstandsfähig zu machen. „Ich kann nicht mehr als Erkenntnisse zutage fördern und eine Debatte starten", betonte die Autorin.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige