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Spitzenforschung aus Bremen
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Wichtiger Schritt im Kampf gegen Hodenkrebs

Sabine Doll 14.04.2019 0 Kommentare

Forscherteam bei der Arbeit: Biologe Arlo Radtke (v.l.), Master-Studentin Francesca Grobelny und Studienleiter Gazanfer Belge im Uni-Labor.
Forscherteam bei der Arbeit: Biologe Arlo Radtke (v.l.), Master-Studentin Francesca Grobelny und Studienleiter Gazanfer Belge im Uni-Labor. (Karsten Klama)

Der Durchbruch hat sich bereits herumgesprochen. „Wir bekommen inzwischen regelmäßig Anrufe von Ärzten, die wissen wollen, wann der Test eingesetzt werden kann. Die Erwartung ist groß, und das zurecht“, sagt Gazanfer Belge. Der Humangenetiker hat mit einem kleinen Team an der Universität Bremen einen wichtigen Tumormarker für Hodenkrebs im Blut entdeckt und dessen äußerst hohe Aussagekraft in Studien belegt.

„Erstmals kann damit deutlich zuverlässiger als bisher Hodenkrebs erkannt und der Erfolg der Behandlung kontrolliert werden“, betont der wissenschaftliche Studienleiter. In den kommenden Monaten soll ein Test entwickelt werden, der ab 2020 in Laboren zum Einsatz kommt – zunächst in Deutschland, danach soll der neue Hodenkrebs-Test in Europa und später weltweit von einem Bremer Start-up-Unternehmen vermarktet werden. Bei Tumormarkern handelt es sich um messbare Substanzen, die von Krebszellen in das Blut abgeben werden und bei Patienten mit Hodenkrebs erhöht sind.

Häufigster Tumor bei Männern zwische 20 und 40 Jahren

Der Erfolg der Bremer Uni-Forscher hat in der Fachwelt für großes Aufsehen gesorgt, die Ergebnisse der Studie sind in dem in den USA herausgegebenen „Journal of Clinical Oncology“ veröffentlicht worden. Belge: „Das ist eine der bedeutendsten Wissenschaftszeitschriften der Welt. Darin publiziert zu werden, schafft man im Grunde nur einmal im Leben. Für Wissenschaftler ist das wie ein Sechser im Lotto.“

Hodenkrebs ist der häufigste Tumor bei jungen Männern zwischen 20 und 40 Jahren. Ist der Krebs erkannt, wird je nach Stadium der tumorbefallene Hoden entfernt, mit Strahlen- und Chemotherapie behandelt. Im Anschluss folgt eine langjährige Nachsorge, um ein mögliches Wiederauftreten des Tumors frühzeitig zu erkennen. Ein wichtiges Hilfsmittel für Diagnose und Beurteilung des Krankheitsverlaufs ist neben bildgebenden Verfahren wie Röntgen und Computertomografie die Bestimmung der Konzentration der Biomarker im Blut. Allerdings: „Zuverlässige Marker fehlten bislang. Sie waren lediglich bei 50 bis 60 Prozent der Hodenkrebs-Patienten erhöht, das war extrem unbefriedigend“, beschreibt Biologe Arlo Radtke.

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Erster wichtiger Schritt sei deshalb 2012 die Entdeckung des vielversprechenden Markers gewesen. In einer ersten Studie mit elf Patienten hatte Belge mit seinem Team zunächst die Wirksamkeit des Markers nachgewiesen. Für den klinischen Einsatz reichte das aber nicht aus: Mit Proben von 600 Patienten wurden Aussagekraft und Genauigkeit des Markers deshalb in einer Folgestudie untersucht. 37 urologische und onkologische Kliniken aus ganz Europa nahmen daran teil.

Die Wilhelm-Sander-Stiftung, die vor allem Projekte zur Krebsforschung unterstützt, finanzierte das Bremer Anschlussprojekt mit 170 000 Euro. „Wir haben ein eigenes patentiertes Verfahren entwickelt, um den Tumormarker bestimmen zu können“, erklärt Belge. „Die Schwierigkeit dabei war, dass es dafür geeignet sein musste, kleinste Mengen nachweisen zu können. Das war bisher eine große Lücke, die wir gefüllt haben.“

"Für den medizinischen Bereich bedeutet das eine sehr gute Erkennungsrate"

Das Ergebnis der mehrjährigen Folgestudie hat die Hoffnung der Wissenschaftler bestätigt: „Der von uns entwickelte Biomarker zeigt bei 94 Prozent der gesunden Fälle korrekt an, dass die Behandelten tatsächlich negativ auf Keimzelltumoren sind. Das ist eine extrem hohe Genauigkeit“, fasst Radtke zusammen. „Für den medizinischen Bereich bedeutet das eine sehr gute Erkennungsrate. Die Studie hat gezeigt, dass der Marker sowohl für die erste Diagnose als auch für die Erfolgskontrolle nach der Behandlung ein sicheres Instrument ist.“ Klaus-Peter Dieckmann hat die Studie auf medizinischer Seite unterstützt, der ärztliche Leiter des Hodenzentrums West an der Asklepios-Klinik Hamburg-Altona bestätigt die hohe Wirksamkeit des Tumormarkers: „Aus der Sicht des Praktikers kann ich sagen, der neue Marker ist ein wichtiges Werkzeug bei der Nachsorge von Hodenkrebs-Patienten.“

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Vom Labor soll der Tumormarker jetzt in die klinische Anwendung gebracht werden: Entwicklung, Zertifizierung und Vermarktung des Test-Kits, das Laboren künftig zur Verfügung stehen soll, übernimmt das Bremer Start-up-Unternehmen „miRdetect“. Radtke ist von der Uni in das junge Unternehmerteam gewechselt. „Der Plan ist, dass der Test ab Anfang kommenden Jahres auf dem Markt ist, das sieht sehr gut aus“, betont er.

Auch die Arbeit des Forscherteams um Humangenetiker Belge ist längst nicht beendet: Gerade ist eine neue Studie gestartet, um den Tumormarker weiterzuentwickeln. Die Deutsche Krebshilfe finanziert das zunächst auf zwei Jahre angelegte Projekt mit 183 000 Euro. Ziel sei es, den Tumormarker auch für die langfristige Nachsorge von Hodenkrebs-Patienten zu etablieren. Belge: „Er wird nicht nur für die Diagnose und die Erfolgskontrolle nach der Behandlung eingesetzt, sondern in der weiteren Verlaufskontrolle.“ Bei weit fortgeschrittenen Hodentumoren könne es nach der Krebsbehandlung im Laufe der folgenden Jahre zu einem Wiederauftreten, einem sogenannten Rezidiv, kommen.


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Leserkommentare
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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