Wie der öffentliche Nahverkehr in Bremen entzerrt werden soll

Verschärfte Maskenpflicht, entzerrte Anfangszeiten von Schichten und Unterricht. Das Fahrgastaufkommen im öffentlichen Nahverkehr soll verteilt und reduziert werden, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

Foto: Frank Thomas Koch

Zu den Stoßzeiten sind die Busse der Linie 63 ins Güterverkehrszentrum häufig voll besetzt.

Damit sich im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) möglichst wenige Menschen infizieren, gilt in Bussen und Bahnen eine verschärfte Maskenpflicht. Künftig müssen OP-Masken oder Mund-Nase-Bedeckungen mit den Standards KN95/N95 oder FFP2 getragen werden. Im Kampf gegen das Ansteckungsrisiko durch das Coronavirus soll auch das Passagieraufkommen reduziert werden. Aber wie kann das gewährleistet werden? „Ich richte den dringenden Appell an alle Bremer Unternehmen, die Schichtzeiten zu entzerren“, sagt Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne).

Das heißt: Die Firmen sollen versuchen, ihre Mitarbeiter aus den Stoßzeiten heraus zu nehmen und sich auch mit Nachbarfirmen abzusprechen. Die Gesundheit der Mitarbeiter müsse im Interesse der Unternehmen an erster Stelle stehen, so Schaefer. „Denn der ÖPNV fährt bereits unter Volllast.“

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Die Senatorin will ausdrücklich keinen Bereich direkt ansprechen. Klar ist aber, dass unter anderem die Logistik-Branche im Güterverkehrszentrum (GVZ) gemeint ist. Dort beginnen die Schichten überwiegend morgens um 6 Uhr und mittags um 14 Uhr, was zu vollen Bussen führt. Ralph Sandstedt, Geschäftsführer der GVZ-Entwicklungsgesellschaft, hatte dem WESER-KURIER dazu erklärt, dass er ein Entzerren der Arbeitszeiten, um Fahrgäste zu verteilen, für kaum möglich hält.

Viele der etwa 150 Firmen im GVZ mit knapp 8000 Mitarbeitern müssten ihre Schichten an nationale Partner anpassen. Der Grünen-Politiker Ralph Saxe hatte das scharf kritisiert. Deutlich wird ein schmaler Grat zwischen wirtschaftlichen Anliegen und Infektionsschutzmaßnahmen. Auch für den Schulbereich haben das Ressort und die BSAG immer wieder angemerkt, dass die Anfangszeiten verschoben und entzerrt werden sollen. Gespräche blieben bislang erfolglos.

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Weil sich die Auslastung der verschiedenen Linien ständig ändere, ist es laut An­dreas Holling, Sprecher der Bremer Straßenbahn AG (BSAG), nahezu unmöglich, Prognosen über einen längeren Zeitraum abzugeben, wo das Angebot verbessert oder verringert werden kann. Ins GVZ seien beispielsweise statt 63 derzeit über 100 Mal am Tag Busse im Einsatz. „Hier kommen Reisebusse zum Einsatz, deren Verwendung derzeit auch für andere Linien geprüft wird“, so Holling. Im Fall einzelner stark nachgefragter Fahrten werde die BSAG künftig wenn möglich größere Straßenbahnen einsetzen.

Das Abkleben von Sitzen sei von rein symbolischer Wirkung, Verstöße dagegen nur schwer zu ahnden. Abstand halten sei auch ohne Aufkleber möglich, so der BSAG-Sprecher. „Familien und Paaren kann man das Zusammensitzen auch schwer verweigern“, sagt Holling. Den Zugang zum Fahrzeug über eine einzelne Tür zu reglementieren, sei in Bezug auf den effektiven Infektionsschutz keine Option, heißt es von der Bremer Straßenbahn AG. Das würde bedeuten, dass sich Fahrgäste an der Haltestelle in einem kleinen Bereich sammeln sowie ein- und aussteigen wollen, anstatt mit Abstand verteilt zu warten. Die Bahnen öffnen zudem an jeder Haltestelle alle Türen, um durchzulüften. 

Bei den Kontrollen der OP- und FFP2-Maskenpflicht verweisen die BSAG und das Verkehrsressort auf Polizei und Ordnungsdienst. „Wir sind täglich, punktuell und immer wieder im Nahverkehr unterwegs“, sagt Karen Stroink, Sprecherin der Innenbehörde. Eine Maskenpflicht bestehe seit Längerem, jetzt müsse nicht mehr nur das Tragen einer Maske an sich, sondern eben auch die Art des Schutzes überprüft werden. Ob die Kontrollen in der Anfangszeit intensiviert werden, konnte die Behördensprecherin noch nicht sagen. Die Gespräche und Beratungen dazu würden gerade geführt.

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