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Wie die DFL einen Keil zwischen Bremen und Werder treibt

Ralf Michel 18.05.2017 17 Kommentare

Polizeikosten: Bremen gegen die DFL: Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht. Gebühren in Höhe von 425.718,11 € für den E
Bremen gegen die DFL: Innensenator Ulrich Mäurer, Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald und Liga-Chef Reinhard Rauball vor dem Verwaltungsgericht.  (Frank Thomas Koch)

Schon irgendwie peinlich, so eine Situation. Vor Beginn der Verhandlung stehen Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald und Liga-Chef Reinhard Rauball plaudernd im Gerichtssaal. Da betritt Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) den Raum. Kurze Irritation. Wie reagieren? Einerseits kennt man sich und ist – zumindest Hess-Grunewald und Mäurer – miteinander vertraut.

Anderseits ist man nun Gegner vor Gericht, und das hat durchaus persönliche Züge. Denn es ist in erster Linie Bremens Innensenator, der für den Versuch steht, die Deutsche Fußball Liga (DFL) an Kosten für bestimmte Polizeieinsätze rund um die Spiele von Werder Bremen zu beteiligen. 

Ein sportlicher Tag

Mäurer ergreift die Initiative. Er geht auf die beiden zu, begrüßt sie mit Handschlag und beginnt dann ein leicht gezwungen wirkendes Gespräch. Tja, es werde wohl ein sportlicher Tag werden. Irgendwie sei es so wie bei Spielen von Werder. „Und am Ende wissen wir, wo wir stehen.“ Aber Reinhard Rauball ist für Small Talk nicht zu haben. „Sie meinen wohl: Und am Ende zahlt Werder“, gibt er schmallippig zurück.

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Eine kleine Episode nur, kurz vor Beginn der Verhandlung über die Klage der DFL gegen den Gebührenbescheid aus Bremen. Aber bezeichnend für eine Taktik, die die Fußball Liga in diesem Prozess verfolgt: Sie spielt die Werder-Bremen-Karte und versucht damit, einen Keil mitten in die Bremer Kuschelwelt zu treiben. 

Nun versteht sich natürlich auch Innensenator Mäurer in der Kunst der psychologischen Kriegsführung. Nicht von ungefähr arbeitet er bei jeder Gelegenheit am Bild der DFL als Gelddruckmaschine, die selbst Millionen scheffelt, zusätzliche Kosten für Polizeieinsätze aber auf den Steuerzahler abwälzt.

„Im Ernst, Herr Senator“

Trotzdem fällt auf, wie aggressiv die DFL den Argumentationsstrang verfolgt, dass die Bremer Landesregierung im Grunde nicht gegen den Ligaverband, sondern gegen Werder Bremen vorgeht. „Sie glauben doch nicht im Ernst, Herr Senator, dass die anderen Vereine auch nur einen Cent zahlen werden, wenn Bremen das Verfahren gewinnt“, attackiert DFL-Anwalt Wolfgang Ewer Mäurer im Gerichtssaal.

Gemeint ist damit, dass im Falle einer Niederlage vor Gericht nicht die Deutsche Fußball Liga den Gebührenbescheid aus Bremen begleichen wird, sondern die Rechnung direkt an Werder Bremen weiterleiten würde. Hubertus Hess-Grunewald greift diesen Faden auf. Er habe kein Verständnis dafür, von der eigenen Landesregierung so in eine Ecke gestellt zu werden, sagt der Werder-Präsident vor Prozessbeginn in die Mikrofone der Medien.

Befeuert wird diese Strategie von der Opposition in der Bürgerschaft. „Der Alleingang des Senators schadet Bremen und dem Sport“, sagt Wilhelm Hinners, innenpolitischer Sprecher der CDU. Und, dass es „unfair und schädlich“ sei, das Problem mit den Randalierern via Gebührenbescheid „dem Sport in die Schuhe zu schieben“.

Nachteile für den Sportstandort Bremen

Marco Lübke, sportpolitischer Sprecher der CDU, legt nach: Die Gebührenforderung gehe zu Lasten der Präventionsarbeit, aber auch zu Lasten des Sportstandortes Bremen. „Seit der Ankündigung von Ulrich Mäurer finden keine Länderspiele mehr in Bremen statt“, klagt Lübke. Was auch Kristina Vogt, Vorsitzende und innenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, kritisiert. Werder Bremen habe durch die im November 2014 erfolgte Spiel-Absage der Nationalmannschaft bereits Nachteile erfahren, sagt sie.

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Der Zorn richtet sich also nicht etwa gegen den Deutschen Fußballbund, der meinte, einen demokratischen gefassten Beschluss der Bürgerschaft mit dem Entzug des Länderspiels gegen Gibraltar sanktionieren zu müssen. Nein, der Streit wird intern in Bremen ausgetragen. Divide et impera – teile und herrsche, nannten das die alten Römer. Während in Bremen die Fetzen fliegen, kann die DFL in Frankfurt sich in aller Ruhe zurücklehnen. 

Dies kann sie, wie berichtet, nach der Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Bremen am Mittwoch nicht mehr ganz so beruhigt tun. Zwar erklärte das Gericht den ersten Gebührenbescheid in der Form, in der er verschickt wurde, für rechtswidrig. Doch grundsätzlich hatten die Richter keine Bedenken gegen den Versuch Bremens, den Fußball an den Kosten für zusätzliche Polizeikräfte zu beteiligen.

Diese Einnahmequelle lässt sich niemand entgehen

Und sollte sich diese Rechtsauffassung eines Tages vor einer höheren Instanz durchsetzen, dürfte Innensenator Ulrich Mäurer auch ganz schnell nicht mehr allein auf weiter Flur stehen. Glaubt denn im Ernst jemand daran, dass andere Bundesländer sich diese Einnahmequelle entgehen lassen, wenn sie erst einmal höchstrichterlich abgesegnet ist...? Womit es dann übrigens auch nicht mehr Werder Bremen allein träfe.

Doch vielleicht gelingt es den Protagonisten aus Bremen und Frankfurt ja auch, den Streit abseits von jahrelangen Gerichtsverfahren beizulegen. Das von Reinhard Rauball vorgeschlagene Gespräch mit Ulrich Mäurer könnte dafür ein Anfang sein. Ohne peinliche Momente, Drohungen und Imponiergehabe, aber mit Kompromissbereitschaft und dem Willen, die entstandenen Risse zu kitten – innerhalb und außerhalb von Bremen.


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Leserkommentare
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