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Wie ein Star-Koch den Weg an die Jacobs-University fand

Elena Matera 06.08.2019 0 Kommentare

In Indien ist Anil Kumar ein Star-Koch. Nun kocht er unter anderem für seinen Sohn – als Küchenchef der Jacobs-University.
In Indien ist Anil Kumar ein Star-Koch. Nun kocht er unter anderem für seinen Sohn – als Küchenchef der Jacobs-University. (Christian Kosak)

Es ist drei Uhr nachts in einem Hotel nahe des Flughafens in Neu-Delhi. Anil Kumar ist nervös, denn die Zeit drängt. Er soll im Flugzeug für den indischen Ministerpräsidenten Atal Bihari Vajpayee kochen. Und dieser möchte auf seinem Flug in die USA unbedingt „Egg Roast“ zum Frühstück haben, ein indisches Gericht mit gekochten Eiern.

Im Flugzeug sind allerdings nur Eier aus dem Tetrapack erlaubt. Kumar weiß: Wenn der indische Ministerpräsident etwas verlangt, dann bekommt er es auch. Also muss er eine Lösung finden. Um sechs Uhr morgens öffnet das Frühstücksbuffett des Hotels und Kumar hat eine Idee. Zusammen mit seinen Assistenten geht er zu dem Korb mit den gekochten Eiern.

Sie schauen sich kurz um und stecken sich mehrere Eier in die Hosentaschen. Das „Egg Roast“ ist gerettet und der indische Ministerpräsident glücklich. Das alles ist Ende der 90er-Jahre passiert. Noch heute kann sich Anil Kumar an diese Situation erinnern. „Wer kann schon sagen, dass er für den indischen Ministerpräsidenten Eier geklaut hat?“, sagt er.

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Kumar sitzt in der Hauptkantine der Jacobs-University in Bremen-Nord. Seit Januar ist er dort Küchenleiter. Für den Job ist er mit seiner Frau nach Vegesack gezogen. Nun führt Kumar ein neues Leben in Bremen. In Indien und im arabischen Raum war er ein bekannter TV-Koch. Er hatte verschiedene Fernsehshows mit weit mehr als 1000 Sendungen.

Kumar hat in seinem Leben Politiker bekocht, aber auch Prominente – darunter etwa Paris Hilton oder Eddie Murphy. Im vergangenen Jahr lebte er noch in Dubai, leitete ein nobles Restaurant. Nun eben die Kantine der Privatuniversität. Dubai vermisst er nicht. „Die Stadt wurde mitten in der Wüste gebaut – mir ist das zu künstlich“, sagt er. In Bremen spüre er die Kultur, das Historische, das Leben. „Ich liebe es hier“, sagt Kumar. Er strahlt.

Die Familie ist enger zusammen

Sein Sohn war der Grund für den Ortswechsel. Er studiert im zweiten Jahr Computer Science an der Jacobs-University und ist begeistert von der Hansestadt. „Ich habe viel erlebt, bin viel gereist. Wir wollten als Familie wieder enger beisammen sein“, sagt Kumar. Durch einen guten Freund habe er die Stelle als Küchenleiter in der Jacobs-University bekommen. „Das war nicht geplant“, sagt Kumar, „es war eher ein glücklicher Zufall.“

Aufgewachsen ist Kumar im südlichen Indien. Erst arbeitete er in Hotels, später auf Kreuzfahrtschiffen. Dort musste er mehr als 3000 Passagiere sieben Mal am Tag bekochen. Als junger Mann wollte Kumar die Welt sehen. Er hat in sechs Ländern gearbeitet und ist auch sonst viel gereist. Für seine Kochkünste und seine TV-Shows wurde er gefeiert.

Nun kocht der 50-Jährige für die gut 1400 Studierenden der Jacobs-University und damit auch für seinen Sohn. „Das ist eine ganz neue Herausforderung“, sagt Kumar. „Das sind junge, hungrige Menschen. Die brauchen gutes, gesundes Essen zum Lernen.“ Es sei wie mit dem ehemaligen indischen Ministerpräsidenten. „Man sagt nicht nein, man möchte die Menschen glücklich machen.“ Der Großteil der Studierenden kommt aus dem Ausland. „Ihre Mütter sind nicht hier. Deshalb koche ich dann für sie“, sagt er. „Dann fühlen sie sich wohl.“

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Kumar liebt das internationale Flair. Gemeinsam mit Frank Gleitsmann, dem Leiter der Kantine, probieren sie neue Gerichte aus. „Die Studenten legen immer mehr Wert auf veganes Essen. Sie wollen glutenfrei, fettfrei oder Halal essen. All das bieten wir ihnen hier“, sagt Gleitsmann. Die Kantine lege auch viel Wert auf regionale Bio-Produkte und darauf, dass der Abfall weiter reduziert wird. „Wir probieren da viel gemeinsam aus“, sagt Gleitsmann. „Alles ist im Wandel. Wir sprechen mit den Studenten, gehen auf ihre Wünsche ein.“

Als Kumar das erste Mal durch das Lager der Kantinenküche gegangen ist, konnte er seinen Augen kaum glauben. „Es gibt eine ganze Olivenöl-Galerie. Hier findest du Gewürze aus aller Welt“, sagt er. Die Universität sei besser ausgestattet als so manches Fünf-Sterne-Restaurant. Ob kreolische, indische, sizilanische oder ungarische Küche – Kumar liebt es, die Augen der Studenten zu öffnen, sie für Neues zu begeistern.

"Wenn man für jemanden kocht, bricht man schnell das Eis" - Kumar

Seine Heimat vermisst Kumar nur manchmal. „Ich kann dort ja Urlaub machen“, sagt er. Von Bremen ist er bisher vollkommen fasziniert. „Hier kann man Blaubeeren, Himbeeren, Johannisbeeren pflücken“, sagt er. „In Dubai kostet eine Schale Beeren sehr viel Geld.“ Er ist auch begeistert von den Apfel-, Pflaumen-, und Kirschbäumen. „Es ist so grün und friedlich hier. Ich kann mir momentan keinen besseren Ort zum Leben vorstellen.“ Sein neues Lieblingsgericht: Grünkohl mit Pinkel nach Bremer Art.

Anschluss hat Kumar nach eigenen Angaben schnell gefunden. „Wenn man für jemanden kocht, bricht man schnell das Eis“, sagt er. Für seine Nachbarn koche er regelmäßig Reispudding. Er selbst bekomme Säcke voll mit Äpfeln geschenkt. Daraus mache er dann Cider, den er wieder mit allen Nachbarn teile. „Essen erleichtert das Freunde finden“, sagt Kumar. Nach nur wenigen Monaten ist er bereits fest im Nachbarschaftsleben integriert. „Es ist sehr schwer, Menschen glücklich zu machen“, sagt er. Doch Kumar hat seinen Weg gefunden: „Ich koche für sie.“


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Leserkommentare
K_ter_Lysator am 22.10.2019 09:14
Das die Verkehrssituation in Findorff (und auch andere Stadtteile) den Status "sub-optimal" nicht erreicht ist kein vom Freimarkt abhängiges Problem. ...
Wesersteel am 22.10.2019 09:04
Deutschland soll Soldaten/innen laut AKK nach Syrien schicken UND hier sitzen die jungen Syrer im trocknen - was verkehrte Welt !

Man ...
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