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Freiwilligen-Agentur Bremen
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Wo Bremer etwas bewegen

Kornelia Hattermann 22.08.2019 1 Kommentar

Lena Blum leitet die Freiwilligen-Agentur, Andreas Rheinländer die Jugendfreiwilligendienste unter dem Dach des Sozialen Friedensdienstes.
Lena Blum leitet die Freiwilligen-Agentur, Andreas Rheinländer die Jugendfreiwilligendienste unter dem Dach des Sozialen Friedensdienstes. (Christina Kuhaupt)

Ich möchte gerne irgendwie helfen, habe Zeit und Lust, weiß aber nicht so recht, wo und wie ich aktiv werden könnte. Wer sich mit solchen Gedanken trägt, ist bei der Freiwilligen-Agentur in Bremen an der richtigen Stelle. „Jeder ist willkommen, jeder findet eine Aufgabe“, betont Frank Mayer, der mehrere Projekte betreut, und Lena Blum nickt. Die neue Geschäftsführerin der Freiwilligen-Agentur sieht ihre Aufgabe darin, jedes freiwillige Engagement zu unterstützen und immer wieder Freiwillige für bestehende Programme und neue Projekte zu begeistern.

Lena Blum wohnt mit Mann und zwei Kindern „hier um die Ecke“, erzählt sie beim Gespräch am Dammweg, wo die Freiwilligen-Agentur und der Jugendfreiwilligendienst unter dem gemeinsamen Dach des Sozialen Friedensdienstes (SFD) seit 20 Jahren ihren Sitz haben. Die 39-Jährige hat Kulturwissenschaften studiert und zuletzt in Hamburg für eine Bürgerstiftung gearbeitet. Seit zehn Jahren beschäftigt sie sich mit bürgerschaftlichem Engagement, war Projektleiterin für Patenschaften, hat Organisationsberatung für Initiativen gemacht.

Seit dem Frühjahr hat sich die neue Geschäftsführerin mit ihrer Vorgängerin Birgit Pfeiffer eingearbeitet, sie bezeichnet die Agentur als „Zentrum für Freiwilligenarbeit. Eine Anlaufstelle, ein Ort, wo sich Menschen zusammentun, etwas bewegen“. Für den SFD arbeitet ein Team mit 19, überwiegend in Teilzeit Beschäftigten und 50 Freiwilligen, die bei Büroorganisation oder Kommunikation helfen. In dem verwinkelten Gebäude am Dammweg 18-20 gibt es neben vielen kleinen Büros auch zwei Seminarräume, in denen Treffen, Beratung und Fortbildung angeboten werden.

Ein wichtiger Aspekt der Freiwilligenarbeit liege auch darin, neue Menschen und neue Perspektiven kennenzulernen, ergänzt Benjamin Moldenhauer, der für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim SFD zuständig ist. Und das passiert andauernd, Fremde finden zusammen, ganz unspektakulär bei der Freiwilligen-Agentur, wie Frank Mayer am Beispiel eines früheren Rechnungsprüfers und einer Gruppe kurdischer junger Frauen erzählt. Der eine suchte eine Aufgabe, die anderen Hilfe bei den Finanzen ihres Vereins. Und trotz aller Unterschiedlichkeit „hat das überraschend gut gepasst“.

Neben den vielen individuellen Engagements haben sich stadtweit bekannte Programme etabliert. Das älteste und erfolgreichste ist „Lesezeit“, das 2005 von einer Handvoll Ehrenamtlicher initiiert wurde, nachdem das Ergebnis der Pisa-Studie für Bremen im Lesen so schlecht ausgefallen war. „Da muss man doch etwas machen!“ Die Grundschulen seien erstmal skeptisch gewesen, doch aus 20 Freiwilligen seien innerhalb von zwei Jahren 150 geworden.

Mittlerweile gehen 400 Frauen und Männer für ein bis eineinhalb Stunden pro Woche in eine Grundschule, um mit einem Kind das Lesen zu üben. 56 von 76 Schulen seien dabei. Das Lesezeit-Programm umfasse heute ein Team von acht Regionalkoordinatoren und Ansprechpartnern vor Ort, erklärt Frank Mayer. „Das funktioniert routiniert“, freut sich Lena Blum. Gleiches gilt für „Doppeldenker“, der Hilfe in Mathematik.

Einen „massiven Effekt“ sieht Lena Blum auch durch die erfolgreichen Patenschaftsprojekte „Balu und Du“ oder „Mit Kids“. Der gewaltsame Tod des zweijährigen Kevin im Jahr 2006 wühlte auch die Beschäftigten der Freiwilligen-Agentur auf. Was können wir noch tun, um Kinder im Grundschulalter zu schützen? Aus diesen Überlegungen entstand „Balu und Du“, bei dem sich junge Menschen über ein Jahr lang um ein Grundschulkind kümmern. Das jüngste Programm in diesem Bereich in Kooperation mit der Ehlerding-Stiftung sind die „Mit Kids – Aktivpatenschaften“, bei denen Patinnen und Paten Kinder zwischen zwei und neun Jahren für zwei Jahre begleiten, die aufgrund einer belasteten Familiensituation oder einer fehlenden Bezugsperson besondere Zuwendung brauchen. „Bei Balu und du gibt es mehr Anfragen als Freiwillige“, sagt Frank Mayer.

Viel Engagement hat es seit 2015 insbesondere für Geflüchtete gegeben, die Ankommenspatenschaften laufen weiter, jetzt folgt auch Engagement von Geflüchteten: Das Programm „Mit Bremern“ vernetzt Geflüchtete mit Vereinen und Organisationen und möchte sie so ins freiwillige Engagement bringen, an elf Einsatzstellen sind sie bereits aktiv. Als Vermittler für den „Day of Caring“, bei dem Beschäftigte eines Unternehmens einen Tag lang in Gruppen gemeinsam etwas für Einrichtungen tun, tritt die Freiwilligen-Agentur ebenfalls auf. In diesem Bereich habe es schon einmal mehr Engagement gegeben, sagt Andreas Rheinländer, der Geschäftsführer der Jugendfreiwilligendienste im SFD.

Der für Werken und Physik an Grundschulen ausgebildete Lehrer hat selbst beim 1972 gegründeten SFD seinen Zivildienst gemacht und arbeitet dort seit 1987. Andreas Rheinländer hat beobachtet, dass die erste Generation der Zivis jetzt wieder da ist, als freiwillig Engagierte. Vor 48 Jahren war der Soziale Friedensdienst gegründet worden, um Kriegsdienstverweigerern einen friedenspolitischen Ersatzdienst zu vermitteln. Mit dem Wegfall der Wehrpflicht wandte sich der SFD den Freiwilligendiensten zu und vermittelt Jugendliche ins Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr (FSJ), ins FSJ Kultur oder Politik und in Bundesfreiwilligendienste, auch über 27-Jährige. Mit 250 Stellen decke man eine große Bandbreite an Arbeitsfeldern ab, betont Andreas Rheinländer, der den Jugendfreiwilligendienst als einen Baustein der ehrenamtlichen Arbeit sieht.

Wer wo Hilfe braucht und sucht, das können Interessierte auch online in der Engagementbörse (www.freiwilligen-agentur-bremen.de) sehen, in der die Suche nach Tätigkeitsfeld oder Stadtbezirk gefiltert werden kann. Einmal im Jahr organisiert die Freiwilligen-Agentur die Freiwilligenbörse Aktivoli, die wieder am 15. März 2020  im Rathaus stattfinden soll. Und wer lieber einen direkten Ansprechpartner hat, kann auch in der Stadtbibliothek am Wall vorbeischauen, wo täglich Engagement-Botschafterinnen und Botschafter anzutreffen sind.

Der Soziale Friedensdienst versteht sich darüberhinaus auch als politischer Akteur, der sich in die öffentliche Debatte einmischen und die Unabhängigkeit bürgerschaftlichen Engagements verteidigen will. Das ist für Lena Blum und Andreas Rheinländer der Grundpfeiler ihrer Arbeit.

Weitere Informationen

Die Freiwilligen-Agentur Bremen, Telefon 34 20 80, info@freiwilligen-agentur-bremen.de, und Jugendfreiwilligendienste im SFD, Telefon 16 86 70-0, info@sfd-bremen.de, ist im Dammweg 18-20 zu finden. Die Engagementbotschafter in der Stadtbibliothek, Am Wall 201, sind montags bis freitags von 16 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 13 Uhr, auf der Ebene 2A (Dom-Flügel), vor Ort.


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Leserkommentare
Bunker-F76 am 20.10.2019 11:04
Ich habe in diesem Artikel ganze achtmal des Wort Rechtsextrem(ismus) registriert.
Linksextrem(ismus) kein einziges mal.
Dabei sollte ...
Opferanode am 20.10.2019 10:48
"Endlich mal ein Angebot, wo Bremen offenbar einen Spitzenplatz hält, und interessierte Menschen die Qual der Wahl haben."
Das kann ja wohl ...
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