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Wo die Opfer rechter Straftaten in Bremen Hilfe finden

Sebastian Krüger und Jean-Pierre Fellmer 23.09.2019 4 Kommentare

Mindestens zwei Drittel der rechten Übergriffe in Bremen sind rassistisch motiviert.
Mindestens zwei Drittel der rechten Übergriffe in Bremen sind rassistisch motiviert. (Bodo Schackow /dpa)

Wer bedroht wird, beschimpft oder von rassistischer, antisemitischer und homophober Gewalt betroffen ist, kann sich an die Bremer Beratungsstelle Soliport wenden. Kürzlich hat Soliport zudem gemeinsam mit der Beratungsstelle Proaktiv gegen rechts das Meldeportal Keine-randnotiz.de online gestellt, auf dem rechte Vorfälle dokumentiert werden.

Josef Borchardt arbeitet bei Soliport und unterstützt Betroffene. Auf Wunsch begleiten Borchardt und seine Kollegen sie zu Behörden, Anwälten oder Ärzten. Als Schnittstelle sei Soliport gut vernetzt mit anderen Angeboten wie dem Rat- und Tatzentrum oder Refugio. „Wir konnten hier gut starten und schnell Kontakte knüpfen“, sagt er. Die zivilgesellschaftlichen Netzwerke in Bremen sehe er als eine Stärke.

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Die rechten Übergriffe in Bremen würden seiner Erfahrung nach den Bundestrend widerspiegeln: Mindestens zwei Drittel seien rassistisch motiviert. Immer wieder kämen Menschen nach Körperverletzungen zu Soliport. Angriffe mit Waffen seien zum Glück eher die Ausnahme, berichtet Borchardt. Viele weitere Opfer würden als politisch Andersdenkende bedroht oder attackiert, wie etwa Parteimitglieder, Gewerkschafter oder politisch aktive Jugendliche. Auch Antisemitismus und LGBT-Feindlichkeit kämen vor. LGBT steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Menschen.

Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Senatoren für Inneres, teilt auf Anfrage mit, dass der Staatsschutz der Polizei Bremen alle politisch motivierten Straftaten mit Konsequenz verfolge. Allerdings komme Alltagsrassismus deutlich häufiger vor als strafrechtlich relevante Taten, sagt Borchardt.

Borchardt betont, dass die Beratung kostenlos sei und unabhängig von Behörden geschehe. Viele Fälle von Rassismus und Diskriminierung würden außerhalb des Strafbaren liegen, für die Betroffenen aber dennoch Leid bedeuten, sagt er. Auch viele Vorfälle, die die Betroffenen als bedrohlich empfinden, würden nicht unter den strafrechtlich relevanten Tatbestand fallen. Etwa, wenn Neonazis Aufkleber in der Nähe von den Wohnungen politisch Andersdenkender anbringen. Aber auch diese Formen von Bedrohung würden beim Opfer ankommen und etwas bewirken. „Auch die kleineren Vorfälle können bei den Betroffenen monatelanges Leid verursachen.“

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Rechte Gewalt unterscheide sich von anderen Straftaten wie etwa Raub, da der Täter das Opfer als stellvertretend für eine bestimmte Gruppe auswählt, erklärt Borchardt. Diese Erkenntnis sei in vielen Gesprächen wichtig: Es helfe Opfern, wenn sie erkennen, dass der Angriff sich allgemein gegen Migranten richtete und nicht gegen sie als Individuum. Je weniger ein Opfer über die Tat weiß, desto größer sei die Verunsicherung – besonders, wenn der Geschädigte den Täter nicht gesehen hat oder sich nicht an die Details eines Angriffs erinnern kann.

Die Menschen, die das Angebot von Soliport aufsuchen, würden unterschiedlich mit den Vorfällen umgehen. Die Generation der Arbeitsmigranten, die seit den 1960er- und 1970er-Jahren in Deutschland lebt, habe ein feinfühliges, differenziertes Bild von Rassismus, sagt er. Geflüchtete, die erst seit Kurzem in Deutschland leben, würden nicht über solche Kenntnisse verfügen. Werden sie beschimpft oder angegriffen, müsse Borchardt in der Beratung anders mit ihnen umgehen als mit Opfern, die bereits zuvor einschlägige Erfahrungen machen mussten.

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Leserkommentare
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
HB-Maennchen am 23.10.2019 09:23
Da möchte man als schlichter Leser des Weser-Kuriers der jetzt wieder doch etwas deutlicher wahrnehmbaren schreibenden Stimme der Chefredakteurin ...
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