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Bremische Bürgerschaft
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Zu Besuch auf der Bürgerschafts-Baustelle

Nina Willborn 21.09.2019 0 Kommentare

Das Eingangsfoyer ist noch einigermaßen wiederzuerkennen. Der Boden ist abgedeckt, der Treppenteppich entfernt.
Das Eingangsfoyer ist noch einigermaßen wiederzuerkennen. Der Boden ist abgedeckt, der Treppenteppich entfernt. (Karsten Klama)

Ob er eigentlich sein Büro vermisse, wird Frank Imhoff (CDU) gefragt. Der Präsident der Bürgerschaft guckt sich um in seinem Büro in der ersten Etage der Bürgerschaft, in dem im Moment nichts, aber auch gar nichts darauf hinweist, dass hier mal so etwas wie ein Büro, geschweige denn das des Präsidenten des Bremer Parlaments gewesen sein könnte. Angesichts der komplett mit schwarzer Folie verkleideten Wände, selbst die Fensterfront ist weitgehend darunter verschwunden, muss er dann lachen und sagt: „Also gerade vermisse ich es nicht. Sonst stünde ich ja auch auf der dunklen Seite der Macht.“

Seit zwei Monaten wird gearbeitet

Für den Bürgerschaftspräsidenten ist es der erste Besuch auf der Baustelle, zu der sein Haus seit Mitte Juli mutiert ist. Seit gut zwei Monaten sind die Handwerker zugange, und was sie bisher getan haben, war eher zerstörerischer Natur. Vor dem Haupteingang stehen große Container mit zerbrochenen Glasscheiben, im Haus selbst liegen an vielen Stellen säuberlich zusammengerollte Kabel und wie Puzzleteile nebeneinander aufgereihte Heizkörper, und aus einem der Fenster zum Dom hin fliegt in schöner Regelmäßigkeit das, was mal Estrich und Decken waren. Dutzende gut verschlossene Säcke stehen herum, gefüllt mit Schutt und, den Hinweisen zufolge „Mineralfaserresten“, also Asbest – das oder vielmehr dessen Entfernung aus den Fenstereinrahmungen übrigens auch der Grund für die Verdunklungsaktion in Imhoffs und einigen anderen Büros ist: Hier wird in sogenannten schwarzen Bereichen und mit Luftschleuse gearbeitet, um zu verhindern, dass sich der giftige Staub verteilt.

„Mich hat hier bislang nichts geschockt“, sagt Imhoff ungefähr auf der Hälfte des Rundgangs im Foyer vor dem Festsaal,  „im Gegenteil. Ich freue mich eher darüber, wie weit wir sind.“ Jörg Meyer, Projektleiter bei Immobilien Bremen, die während der Sanierung Hausherrin ist, war angesichts der allgemeinen Abbruchstimmung schon anders zumute. „Als Architekt ist einem schon zum Weinen, wenn man die Arbeit anderer zerstören muss“, sagt er. Imhoff dagegen blickt schon mal voraus in den Winter 2020, dann sollen im Bau von Wassili Luckhardt wieder Parlamentarier und ihre Besucher ein- und ausgehen. „Jetzt ist viel schwarz abgedunkelt“, sagt Imhoff, „aber nach der Nacht kommt auch wieder der Tag.“

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Laut Anna Campe, ebenfalls Architektin und Bauleiterin des Projekts, liegen die Arbeiten bislang innerhalb des Budgets, sowohl was Zeit als auch die Kosten angeht. Ursprünglich waren im Haushalt 2018/2019 mal fünf Millionen Euro vorgesehen, die sich aber noch während der ersten Planungen auf die derzeit anvisierten rund zehn Millionen Euro verdoppelten. Erneuert wird die komplette Brandschutztechnik des Hauses aus dem Jahr 1966. Gleichzeitig wird die Bürgerschaft auch medientechnisch und in Fragen der Digitalisierung ins 21. Jahrhundert gehoben; so soll künftig zum Beispiel überall im Haus das WLAN stabil genug dafür sein, auch mal etwas umfangreichere Dokumente zu senden und zu empfangen – bislang ging das zum Beispiel ausgerechnet im Präsidentenbüro nicht. Das Erdgeschoss bekommt eine neue Verglasung, die künftig möglichen Wurfgeschossen standhalten soll.

Arbeiten entblößen alte Baufehler

Ob es tatsächlich am Ende bei den zehn Millionen bleibt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. „Wir sind im Moment dabei, unsere Planungen zu überprüfen“, sagt Meyer. Während des laufenden Bürgerschaftsbetriebs konnten die Planer nur schätzen, was wo wie viel Aufwand bedeuten würde. Erst jetzt, wo Decken und Böden entfernt sind, sehen sie, wie es wirklich aussieht. Wo überall zum Beispiel in den vergangenen rund 50 Jahren mal Kabel entlanggezogen wurden, und auch, wo im Laufe der Jahre schlicht Murks gemacht wurde. So wie bei der Wand in der Herrentoilette im ersten Stock, die rund 50 Zentimeter unterhalb der Decke endet und damit kürzer ist, als sie eigentlich sein sollte. Brandschutztechnisch nicht zu verantworten, wie Campe erklärt. „Bei den Anforderungen für den Brandschutz hat sich in den vergangenen Jahren wahnsinnig viel geändert“, sagt sie. „Auf richtig große Probleme sind wir bislang aber auch noch nicht gestoßen. Aber wir sind auch noch am Anfang.“

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Insgesamt werden in den kommenden Monaten bis zu 28 Firmen der verschiedenen Gewerke in der Bürgerschaft arbeiten, koordiniert von zehn Ingenieurbüros. Der einzige Bereich, in dem sie kaum zu tun haben werden, ist der Plenarsaal. Innen wird laut Meyer nur eine Technik installiert, die die Kommunikation zwischen Präsidium, Verwaltung und Rednern während der Sitzungen erleichtert. Und das rund 20 mal 25 Meter große Glasdach der Lichtdecke über den Köpfen von Besuchern und Politikern muss abgedichtet werden, das hat sich während der Arbeiten schon herausgestellt.

„Die Innovationen liegen im Verborgenen“, sagt Architekt Meyer. „Wenn alles fertig ist, darf man wegen der Denkmalschutzbestimmungen nicht sehen, was hier passiert ist.“


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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