Aufruf von Bürgermeister Jens Böhrnsen Bremen steht auf gegen den Hass

Schulterschluss gegen Fremdenfeindlichkeit und für mehr Toleranz – in Bremen soll als erste große Aktion am 26. Januar auf dem Marktplatz eine Kundgebung stattfinden.
17.01.2015, 00:00
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Bremen steht auf gegen den Hass
Von Jürgen Hinrichs

Der Strauß ist bunt, den Jens Böhrnsen am Freitag bei einem ersten Treffen seiner neuen Initiative binden konnte: Gewerkschaften und Arbeitgeber, die Kirchen, andere Religionsgemeinschaften, die Hochschulen, die Beiräte, sämtliche Fraktionen der Bürgerschaft, die Wohlfahrtsverbände, der Sport mit Werder Bremen an der Spitze – alle waren dabei, als der Bürgermeister zu einem Treffen ins Rathaus eingeladen hatte, um einen Aufruf zu verabschieden. Die Überschrift: „Bremen tut was – Für eine demokratische und weltoffene Gesellschaft.“

Vor dem Hintergrund der islamfeindlichen Pegida-Bewegung und den Terroranschlägen in Paris, die so eine Haltung noch befördern könnten, wie Böhrnsen nach eigenen Worten befürchtet, sollen rechtzeitig Pflöcke eingeschlagen werden. „Wir stehen für eine weltoffene Stadt“, heißt es in dem Aufruf, „deshalb kämpfen wir entschieden gegen antisemitische, islamfeindliche und fremdenfeindliche Tendenzen und Parolen.“

Die Teilnehmer der Versammlung, so berichtet es Senatssprecher Hermann Kleen, seien sich einig gewesen, es nicht bei guten Absichten zu belassen und bei der Kundgebung am 26. Januar. „Tenor war, sich selbst zu verpflichten, dem guten Willen Taten folgen zu lassen“, sagte Kleen. Um diese Aktivitäten zu sammeln und ihnen einen beispielgebenden Charakter zu verleihen, werde im Internet eine Homepage eingerichtet.

Der Aufruf ist an einer Stelle ein klares Bekenntnis: „Bremen braucht Zuwanderung“, heißt es dort. Gerade eine so stark mit dem Welthandel verbundene Hafenstadt müsse weltoffen und tolerant bleiben. „Zuwanderung ist mehr Bereicherung als Last, sie brachte und bringt neues Wissen, frische Ideen, Arbeitskraft und wirtschaftliche Dynamik in die Stadt.“

Mit keinem Wort wird in dem Text die Pegida-Bewegung erwähnt, doch sie vor allem ist es, auf die der Aufruf zielt. Böhrnsen hatte in dieser Woche während des Neujahrsempfangs des Senats klare Worte gefunden: „In einer Gemengelage von rechter politischer Verführung, im Ausnutzen von persönlichen und sozialen Ängsten, werden Aufmärsche organisiert, die fremdenfeindliche, nazistische und antisemitische Vorurteile bedienen.“ Verurteilen wolle er die Menschen nicht, wenn sie ihre Sorgen und Ängste zum Ausdruck brächten. „Aber wir dürfen von ihnen erwarten, dass sie sich informieren, dass sie sich von Altnazis und von rechten Rattenfängern distanzieren.“

Für eine lebhafte Diskussion hatte während der Zusammenkunft am Freitag im Bremer Rathaus der Vorschlag eines Teilnehmers gesorgt, sich gemeinsam gegen den Bundesparteitag der „Alternative für Deutschland“ (AfD) zu stellen, der Ende dieses Monats in Bremen stattfinden soll. Teile der AfD hatten sich in den vergangenen Wochen der Pegida-Bewegung angenähert.

Nach Darstellung von Senatssprecher Kleen wollte sich die übergroße Mehrheit der Versammlung diesem Vorschlag jedoch nicht anschließen. Die Forderung nach Toleranz und Meinungsfreiheit, so das Argument, vertrage sich schlecht mit Aktionen gegen den Parteitag einer demokratischen Organisation. Kommentar Seite 2

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