Vom Amtsleiter bis zum Vorstandsvorsitzenden Bremen sucht Chefs

Bremen. Geschäftsführer, Vorstände, Abteilungsleiter, und das auch gerne weiblich - Bremen sucht neues Personal für diverse Spitzenpositionen im öffentlichen Dienst und bei Bremischen Gesellschaften. Ausschreibungen laufen, werden vorbereitet oder sind gerade beendet.
03.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Elke Hoesmann

Bremen. Geschäftsführer, Vorstände, Abteilungsleiter, und das auch gerne weiblich - Bremen sucht neues Personal für diverse Spitzenpositionen im öffentlichen Dienst und bei Bremischen Gesellschaften. Ausschreibungen laufen, werden vorbereitet oder sind gerade beendet. Sogar professionelle Personalberater hat Bremen eingeschaltet, um Top-Jobs wiederzubesetzen - etwa den von Georg Drechsler (früher BSAG-Vorstand) oder von Ex-Gewoba-Chef Volker Riebel. Auf neue Frauen in diesen Führungspositionen setzt Bremens Gleichstellungsbeauftragte Ulrike Hauffe.

Überraschend hatte Volker Riebel im Dezember seinen Wechsel zu einem Unternehmen mit Sitz in Wien angekündigt. Seit gut einem Monat sucht das Bauressort nun per Headhunter nach einem oder einer neuen Gewoba-Vorstandsvorsitzenden; zum Gehalt gibt das Ressort keine Auskunft. Die Wohnungsbaugesellschaft ist zu rund 75 Prozent in städtischem Besitz; derzeit führt Vorstandsmitglied Manfred Sydow die Geschäfte.

Während die Gewoba-Mitarbeiter wohl noch etwas länger auf ihre neue Führungsspitze warten müssen, könnte es bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) vielleicht schneller gehen: Es gebe bereits "konkrete Kandidatinnen und Kandidaten" für die Nachfolge von Georg Drechsler, heißt es im Bauressort. Drechsler war aus gesundheitlichen Gründen zum Jahreswechsel ausgeschieden. Sein Job als Vorstandsvorsitzender wurde nach BSAG-Angaben mit rund 140000 Euro dotiert, außerdem gab es Zulagen und einen Dienstwagen.

Hauffe für Frau an der BSAG-Spitze

Ulrike Hauffe sitzt im BSAG-Aufsichtsrat und würde gerne eine Frau als Drechsler-Nachfolgerin sehen. Die Berliner Verkehrsbetriebe hätten es vorgemacht und jetzt eine Chefin, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte. Allerdings müsse gezielt nach Frauen gesucht werden, weil diese häufig ein "zurückhaltendes Bewerbungsverhalten" zeigten. Die öffentliche Verwaltung und die Bremischen Gesellschaften berücksichtigten das auch, lobt Hauffe. Bremen habe bereits Erfolge bei der Besetzung von Spitzenpositionen mit Frauen vorzuweisen. Seitdem das Landesgleichstellungsgesetz für die Bremischen Gesellschaften gilt, müssten auch diese dafür sorgen, dass Frauen gleichberechtigten Anteil an Führungspositionen erlangen. Bei der BSAG seien inzwischen 20 Prozent der leitenden Jobs mit Frauen besetzt, so Hauffe.

Speziell für Ingenieure sind zwei leitende Stellen beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV) ausgeschrieben worden. "Frauen dafür zu finden, ist in diesem Bereich schwieriger, es sind relativ wenige", sagt Ressortsprecher Michael Ortmanns. Gesucht wird der Leiter des Amtes und sein Stellvertreter. Wie berichtet, war der frühere ASV-Leiter Jürgen Mitz im vergangenen Jahr gestorben. Sein Stellvertreter hatte die Aufgabe übernommen, ging aber inzwischen in den Ruhestand. Die Bewerbungsfrist für die leitende ASV-Position (Grundgehalt: über 6000 Euro im Monat) endete im Januar; jetzt gebe es 15 bis 20 Kandidaten, so Ortmanns. Die Stelle solle schnell besetzt werden, bei der Stellvertreter-Position sei man bereits im Mitbestimmungsverfahren. Bis Ende März will das Ressort zudem die Nachfolge des Abteilungsleiters Verkehr in der Senatsbehörde geregelt haben. Dann scheidet Amtsinhaber Thomas Wunderlich aus Altersgründen aus; er bekommt über 6500 Euro brutto.

Gesucht wird auch ein neuer Amtsleiter für den Kataster-Dienstleister Geoinformation. "Die Ausschreibung erfolgt", sagt Ortmanns. Der ehemalige Geschäftsführer des früheren Eigenbetriebs war bereits im Februar 2010 nach Hause geschickt worden; als Interimsleiter fungiert Ernst Dautert. Seit gut einem Monat ist Geoinformation wieder eine Landesbehörde - mit einem Schuldenberg von insgesamt 2,5 Millionen Euro.

Dass die personellen Vakanzen teilweise so lange dauern, liege nicht daran, dass Bremen sparen wolle, beteuert Michael Ortmanns. Vielmehr erfordere die hohe Verantwortung, die die neuen Stelleninhaber zu tragen hätten, besondere Sorgfalt. "Wir müssen uns die Bewerber sehr genau ansehen."

Mindestens eine Einsparung gibt es aber doch: Wenn Claus Kleyboldt, einer von fünf Geschäftsführern der WFB Wirtschaftsförderung, Ende September in den Ruhestand geht, wird sein Posten nicht wiederbesetzt. Wirtschaftsressort-Sprecher Holger Bruns verweist auf einen entsprechenden Senatsbeschluss. Kleyboldts Aufgaben im Geschäftsbereich Messen und Veranstaltungen sollen von WFB-Geschäftsführer Hans Peter Schneider mit übernommen werden.

Dennoch: Einen Spitzen-Job hat auch das Wirtschaftsressort demnächst im Angebot: Die Behörde muss sich um die Nachfolge für Bremenports-Geschäftsführer Stefan Woltering kümmern. Der wechselt Ende August in die Offshore-Windindustrie. Wer auf ihn folgt, der hat unter anderem den Bau des geplanten Offshore-Terminals umzusetzen.

Eine weitere Spitzenpersonalie steht seit Längerem bei Immobilien Bremen (IB) zur Entscheidung an: Im November war Falko Spieker, der neben Oliver Bongartz die Geschäfte von IB geführt hatte, abgelöst worden. Seitdem arbeitet Bongartz alleine an der Spitze der Anstalt des öffentlichen Rechts. In den Aufsichtsgremien sei noch nicht darüber entschieden worden, inwieweit es eine Nachfolge für Spieker gebe, sagt ein IB-Sprecher auf Nachfrage.

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