Planfeststellungsbeschluss für den Autobahntunnel bei Seehausen liegt vor Bremen treibt Tunnelpläne voran

Bremen. Der Planfeststellungsbeschluss für den Autobahntunnel bei Seehausen liegt vor. Damit haben die Bürger erstmals die Gelegenheit, Klage gegen das umstrittene Projekt einzureichen. Für den Bau müssen Wohnhäuser abgerissen werden.
30.06.2010, 19:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Michale Brandt

Bremen. Gestern hat die Baubehörde die entscheidende Phase für die Tunnel-Planungen bei Seehausen eingeläutet. Der Planfeststellungsbeschluss für das seit mehr als 20 Jahren umkämpfte Autobahn-Projekt liegt vor. Damit haben die Bürger erstmals die Gelegenheit, Klage einzureichen. Der Tunnel soll vom Stahlwerke-Gelände auf der einen Weserseite bis hinter die Wohnbebauung in Seehausen führen. Für den Bau müssen Wohnhäuser abgerissen werden.

Michael Ortmanns, Sprecher von Bausenator Reinhard Loske (Grüne), bestätigte am Mittwoch, dass der Planfeststellungsbeschluss unterzeichnet ist. Die Veröffentlichung soll aber seinen Angaben nach erst nach den Ferien folgen. Hintergrund: Es sei Wunsch des Senators gewesen, dass die betroffenen Bürger trotz der Ferienzeit die volle Einspruchsfrist ausschöpfen könnten. Die Frist beträgt ab der Veröffentlichung vier Wochen. Die Behörde rechnet fest mit der Klage der Anwohner.

Anwälte bereiten sich vor

Hilmer Hagens, Sprecher der örtlichen Interessengemeinschaft, bestätigt das. Die Anwälte bereiten sich seit Monaten vor. Seiner Aussage nach sind sieben Familien mit ihren Häusern direkt vom Tunnelbau betroffen, wenigstens sechs von ihnen wollen wahrscheinlich klagen. Ein Unterstützerfonds ist bereits eingerichtet worden, um mögliche finanzielle Folgen für die Kläger abzufedern. Hagens reagierte gestern dennoch überrascht auf die Nachricht, dass der Planfeststellungbeschluss unterzeichnet sei. Die Interessengemeinschaft hatte im Juni zwei Petitionen gegen den Tunnelbau bei der Bürgerschaft eingereicht. Während Hagens die Einschätzung vertritt, die Petitionen hätten aufschiebende Wirkung, sieht Ortmanns das Verfahren durch die Eingaben nicht berührt.

Der geplante Wesertunnel bei Seehausen ist Teil des 4. Bauabschnitts der A281. Insgesamt ist die Strecke 4,9 Kilometer lang. Sie soll den fertigen Autobahn-Stummel auf Oslebshauser Seite mit dem Bauabschnitt 3/2 an der Seehauser Deponie verbinden, der derzeit gebaut wird. 40000 Fahrzeuge sollen den Tunnel später nutzen. Dafür müssen sie dann allerdings Maut zahlen. Die Investitionskosten werden auf 230 Millionen Euro geschätzt.

Der umstrittene Tunnel soll in einem sogenannten Einschwimm- und Absenkverfahren (E+A-Verfahren) gebaut werden. Das heißt: Lange Betonsegmente des späteren Tunnels werden eingeschifft, vor Seehausen auf den Wesergrund gelassen und unter Wasser montiert. Die Bürger hatten von Beginn an gegen dieses Verfahren protestiert. Sie fordern, dass der Tunnel in einem herkömmlichen Bohrverfahren gebaut wird. Vorteile aus ihrer Sicht: Der Tunneleingang könnte in größerem Abstand zu den Wohnhäusern und Gärten liegen und es müssten keine Wohnhäuser weichen. An der Streitfrage - Bohrtunnel oder E+A-Verfahren - war 2006 ein Moderationsverfahren unter der Leitung des CDU-Politikers Peter Kudella gescheitert.

713 Meter lang ist der Tunnel nach dem jetzigen Planungsstand, mit Ein- und Ausfahrten sind es insgesamt knapp 1100 Meter. Bausenator Reinhard Loske hatte den Bürgern im Herbst 2007 Entgegenkommen signalisiert und den Tunnel um 140 Meter verlängert. Die Anwohner haben aber am Protest festgehalten. Sie berufen sich auf einen Flächennutzungsplan von 1993. Damals war den Bürgern ein Tunneleingang weit entfernt von der Wohnbebauung zugesagt worden.

Wie sich der weitere Zeitplan gestaltet, hängt von den Bürgern, den Gerichten und von der Frage ab, wie schnell sich ein Investor für den Tunnel findet. Dirk Brandenburger, Chef der Straßenbau-Gesellschaft Deges, hatte vor kurzem in einem Interview mit unserer Zeitung 2016 als Jahr der Fertigstellung genannt. An dieser Zielvorgabe wird momentan festgehalten. Offen ist dem Vernehmen nach, ob bei einer Klage der Anwohner die Investorensuche noch verschoben wird.

Der Tunnel ist zudem nicht der einzige Bauabschnitt der A281, gegen den die Bürger klagen. Eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zum Abschnitt 2/2 bei Kattenturm wird für den Herbst erwartet. Gegen die dortigen Planungen hatten vier Bürger im Mai 2009 Klage eingereicht.

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