Bündnis gegen Fremdenhass

"Bremen tut was" startet neu

7000 Menschen hatten sich 2015 für "Bremen tut was" auf dem Marktplatz gegen Fremdenhass versammelt. Passiert ist seit der Großveranstaltung nicht viel. Jetzt will das Bündnis neu starten.
29.02.2016, 10:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Thomas Walbröhl und Stefan Dammann
"Bremen tut was" startet neu

Am 26. Januar 2015 sah das noch so aus: Tausende beteiligten sich an "Bremen tut was" auf dem Marktplatz. Seitdem ist nicht viel passiert.

Frank Thomas Koch

7000 Menschen hatten sich 2015 für "Bremen tut was" auf dem Marktplatz gegen Fremdenhass versammelt. Passiert ist seit der Großveranstaltung nicht viel. Jetzt will das Bündnis neu starten.

Die Idee war vielversprechend und sollte nachhaltig wirken: „Bremen tut was“. 7000 Menschen hatten sich vor mehr als einem Jahr im Januar auf dem Marktplatz versammelt. Es sollte der Start sein für viele Aktionen gegen Fremdenhass, für ein friedliches Miteinander und den Dialog aller Kulturen, Religionen und Weltanschauungen. Doch passiert ist seit der Großveranstaltung im Grunde nicht viel. Aufgerüttelt durch den WESER-KURIER, will das Bündnis aus einst mehr als 50 Organisationen jetzt die Wiederbelebung starten.

Initiiert hatte das Bündnis der damalige Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) und sich nach den Anschlägen auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo in einer flammenden Rede gegen die Ausrichtung der Pegida-Bewegung ausgesprochen. Böhrnsen hatte allerdings auch Kritik einstecken müssen: Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft Bremen (CDA) hatte ihm vorgeworfen, mit der Initiative Wahlkampf zu machen. Eine Kritik, zu der der CDA-Vorsitzende Peter Rudolf noch heute steht: „Dabei ging es um den Missbrauch der Initiative als politische Wahlkampfplattform.“

Böhrnsen ist nach der Bürgerschaftswahl im Mai zurückgetreten und möchte nun mit dem Bündnis nichts mehr zu tun haben. Zu einer Wiederbelebung wollte er gegenüber dem WESER-KURIER keine Stellung beziehen. Er sei als Bürgermeister an der Initiative beteiligt gewesen, nach Ende seiner Amtszeit könne er dazu nichts mehr beitragen.

Weber: "Bremen schafft das"

Wie genau nun der Neustart aussehen soll, ist unklar. „Wir haben im Organisationsteam vereinbart, zu versuchen, das Bündnis wiederzubeleben“, bestätigt Libuse Cerna, Vorsitzende des Rates für Integration. Was wiederum den Bürgerschaftspräsidenten Christian Weber (SPD) freut: „Besonders gut ist, dass dieser Impuls dieses Mal nicht von oben, sondern aus der Mitte der Gesellschaft kommt.“ Gerade in dieser brisanten Zeit sei es wichtig, innezuhalten und die unendliche Hilfsbereitschaft der Bremer anzuerkennen.

Weber in Anlehnung an Kanzlerin Merkel: „Bremen schafft das.“ Sei Bremen noch vor einem Jahr von 5000 Flüchtlingen ausgegangen, seien inzwischen etwa 12 500 eingetroffen und gut untergekommen. „Das ist vor allem ein Verdienst der Menschen, die sich im Hintergrund unermüdlich engagieren“, so Weber. Und CDA-Chef Rudolf ergänzt: „Ohne Wahlen vor der Tür ist eine neue Initiative sicherlich Erfolg versprechender.“

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Eine Frage, die „Bremen tut was“ begleitete, stellt sich auch heute noch: Ist das Ziel, Toleranz zu fördern, nur Lippenbekenntnis ohnehin engagierter Bürger oder ein konkreter Impuls für das Engagement in Bremen? Solche Bedenken begleiten viele Initiativen, die in der Öffentlichkeit stehen, weiß der Politikwissenschaftler Lothar Probst, der das Institut für Interkulturelle und Internationale Studien an der Universität Bremen leitet. „Flagge zu zeigen ist gut, aber aus solchen Initiativen entsteht nicht automatisch ein Impuls, der auch in die Teile der Gesellschaft ausstrahlt, die skeptisch oder kritisch sind“, so Probst. In Bremen seien allerdings viele der beteiligten Organisationen durchaus in der konkreten Flüchtlings- und Integrationsarbeit engagiert. Bleibt das Henne-Ei-Problem: War das Engagement nicht auch schon vor dieser Initiative vorhanden?

Wenn sich viele zu Toleranz und Integration in der Öffentlichkeit bekennen, solle das auch Ehrenamtlichen den Rücken stärken. Auch das sei ein Ziel der Initiative, so Libuse Cerna. Aber: „Konjunkturen sind bei institutionellen Bündnissen wie diesem normal“, weiß Wissenschaftler Probst, „bei bestimmten Anlässen werden sie reaktiviert.“

Mittlerweile hat sich der Rat für Integration der Initiative angenommen und prüft, ob es bei den Organisatoren von damals noch Interesse gibt. Jetzt wolle sich das Team zunächst um eine neue Internetplattform kümmern, über die sich Akteure und Institutionen vernetzen. Angedacht seien dann maximal zwei bis drei größere Veranstaltungen, darunter wie im vergangenen Jahr ein Rockkonzert unter dem Titel „Vielfalt rockt“. Cerna. „Falls beim nächsten Treffen nur vier Personen dabei sind, hat sich das schon erledigt.

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