Kundgebung vor der Glocke Ukrainer und Weißrussen demonstrieren gemeinsam in Bremen

Ukrainer und Exil-Weißrussen in Bremen eint die Sorge, dass ihre Länder demnächst von Russland einverleibt werden – am Samstag fanden sie erstmals zu einer Kundgebung zusammen.
19.02.2022, 18:18
Lesedauer: 2 Min
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Ukrainer und Weißrussen demonstrieren gemeinsam in Bremen
Von Joerg Helge Wagner

Das Wetter ist nicht auf ihrer Seite und die Technik auch nicht: Die Kundgebung von rund 60 Ukrainern, Weißrussen und einigen deutschen Unterstützern vor dem Konzerthaus Glocke muss ohne Mikrofon auskommen. Die drei Rednerinnen – Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff musste erkrankt absagen – lassen sich dennoch nicht entmutigen. Mit bebender Stimme erinnert Solomiya Przybyla an den Ursprung der Ukraine-Krise vor genau acht Jahren: Rund 100 Tote habe das gewaltsame Vorgehen des damaligen Präsidenten Wiktor Janukowytsch gegen die Demonstranten auf dem Maidan-Platz in Kiew gefordert – und die wollten nichts anderes als eine EU-Perspektive für ihr Land.

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"Die Reaktionen waren damals Besorgnis im Westen und der Einmarsch russischer Truppen auf der Krim und in der Ost-Ukraine", erinnert die Vorsitzende des Vereins Herz für die Ukraine. Vor fünf Jahren habe Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Auftritt mit Kindern gesagt, Russland habe keine Grenzen. "Das gilt aus seiner Sicht auch für Belarus, und deshalb demonstrieren wir hier gemeinsam." Przybyla hatte die Kundgebung zusammen mit Iryna Shyla, Sprecherin des Bremer Solidaritätskomitees Belarus, organisiert.

Die Weißrussen demonstrieren auch gegen die Menschenrechtsverletzungen ihres diktatorischen Präsidenten Alexander Lukaschenko, der in der Ukraine-Krise Putins engster Verbündeter ist. "Wo Russland seine sogenannten Friedensinitiativen umgesetzt hat, fließt Blut, herrscht Armut", warnt Przybyla. Und sie appelliert an die westlichen Demokratien: "Lasst uns im Kampf gegen die Diktatoren nicht allein!"

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"Die Integrität der Ukraine ist nicht verhandelbar", betonte die Grünen-Politikerin Helga Trüpel als Vorsitzende der Europa-Union Bremen. "Wir treten ein für die Unverletzbarkeit der Grenzen." Dafür müssten die westlichen Demokratien geschlossen handeln: "Es darf keinen deutschen Sonderweg geben!" Ausdrücklich wandte sich Trüpel gegen einen Kontinent mit westlichen und russischen Einflusszonen: "Es darf keine Politik des 'Heim ins Reich' durch Putin geben. Belarus und die Ukraine haben das Recht auf Selbstbestimmung."

Applaus gab es dafür auch von den anwesenden Bürgerschaftsabgeordneten, die fast alle Fraktionen vertraten: Susanne Grobien (CDU), Antje Grotheer (SPD), Henrike Müller (Grüne) und Thore Schäck (FDP). Unterstützt wurde die Veranstaltung auch von dem Bremer Politikwissenschaftler und Parteienforscher Lothar Probst.

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