Bremer Privatuniversität

Präsident der Jacobs University legt sein Amt nieder

Neuerungen an der Privatuniversität: Der Aufsichtsrat hat die Leitung der Jacobs University der Geschäftsführerin Andrea Herzig-Erler übertragen und dem Provost-Professor Thomas auf der Heyde.
15.12.2020, 05:00
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Präsident der Jacobs University legt sein Amt nieder
Von Patricia Brandt

Der Präsident der Jacobs University, Antonio Loprieno, wird sein Amt nach nur einem Jahr zum 31. Dezember niederlegen. Laut Mitteilung der Privatuniversität übernehmen nun Geschäftsführerin Andrea Herzig-Erler und Provost Thomas auf der Heyde die Leitung. Unterdessen hat die Jacobs Foundation angekündigt, ihre Geschäftsanteile zum Jahresende an einen Verein zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Bremen zu übertragen. In die Umstrukturierung auf dem Grohner Campus sollen noch 23 Millionen Schweizer Franken fließen.

Wie berichtet, steht die private Jacobs University in Grohn mit ihren mehr als 1550 Studierenden aus über 110 Ländern vor einer grundlegenden Neuausrichtung. Ein Konsortium aus dem Software-Konzern SAP, dem chinesischen Unternehmen Neusoft und des Deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz (DFKI) will den Campus zu einem Hochschul- und Weiterbildungskomplex im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) entwickeln. Die aktuellen Studiengänge der Uni sollen mittelfristig auslaufen.

Dank für Einsatz in unruhigen Zeiten

Der Schweizer Ägyptologe Antonio Loprieno, Jahrgang 1955, hatte seine Arbeit als Präsident der Jacobs-Uni im Dezember 2019 aufgenommen. Er folgte auf Michael Hülsmann, der der defizitären Uni zusammen mit Ex-Präsidentin Katja Windt einen harten Sparkurs verordnet hatte. In einer Begrüßungsmail an die damals 1400 Studenten und 400 Angestellten kündigte Loprieno einen Richtungswechsel an. In seinem ersten Interview sagte Loprieno unserer Zeitung: „Ich habe keine 200 Millionen Euro, hoffe jedoch, dass wir ein plausibles Modell der Jacobs-Uni entwickeln, mit dem wir mehr Geld mobilisieren können.“

Nach den Worten von Uni-Sprecher Heiko Lammers bedankte sich das Board of Governors unter dem Vorsitz von Senatorin Claudia Schilling ausdrücklich für das Wirken von Professor Loprieno in einer Phase der Transformation. „Der Aufsichtsrat dankt Professor Antonio Loprieno für seinen weitsichtigen und außerordentlichen Einsatz in diesen unruhigen Zeiten“, so Schilling. „Professor Loprieno hat die Jacobs University im Jahre 2019 an einem Scheideweg mit dem Ziel übernommen, dass eine klare und notwendige strategische Repositionierung stattfindet, welche den Boden für ein nachhaltiges Geschäftsmodell ebnet. Dafür wurden in der Amtszeit von Professor Loprieno wichtige Schritte eingeleitet.“

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Mit der Berufung von Provost Professor Thomas Auf der Heyde und von Andrea Herzig-Erler in die Geschäftsführung der 2001 gegründeten englischsprachigen Campus-Universität wurden laut Pressemitteilung der Uni dazu die notwendigen Personalentscheidungen getroffen. Beide werden ab Januar 2021 die Geschicke der Jacobs University als Doppelspitze weiterführen und den Übergang in eine neue Struktur gemeinsam gestalten. Das hat der Aufsichtsrat am Montag beschlossen.

Antonio Loprieno hatte als sechster Präsident der Grohner Uni einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben. Warum er nach einem Jahr geht, bleibt offen. Der Präsident selbst äußert sich über die Gründe seines Scheidens nicht. In einer Abschiedsbotschaft heißt es: „Das Jahr 2020 hat für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für die Studierenden zahlreiche Herausforderungen bereit gehalten – von den Herausforderungen einer Covid-19 Pandemie bis hin zur angekündigten Beendigung unserer Partnerschaft mit der Jacobs Foundation.“ Der Wissenschaftler bedankte sich bei Lehrkräften, Beschäftigten und Studierenden für Offenheit und Vertrauen. „Ohne dieses gemeinsame Verständnis und die gemeinsamen Anstrengungen wäre es nicht gelungen, unser in Europa einmaliges akademisches Angebot erfolgreich aufrecht zu erhalten und so gerade erst über 450 Neu-Studierende auf dem Campus der Jacobs University begrüßen zu können.“

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Die Geschäftsanteile der Jacobs Foundation an der Jacobs University gGmbH werden per Ende 2020 an den Verein zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Bremen übertragen. Das hat der Stiftungsrat der Jacobs Foundation ebenfalls am Montag beschlossen. Damit erfülle die Jacobs Foundation ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der Universität und der Hansestadt, heißt es bei der Foundation. Mit der Übergabe wolle die Stiftung dazu beitragen, die Zukunft der akademischen Ausbildung auf dem Grohner Campus zu sichern, so Simon Sommer, Co-CEO der Jacobs Foundation.

Privates Engagement zentrale Rolle

Der im November 2019 gestartete Transformationsprozess für die Campus-Universität in Bremen-Nord habe von Beginn an zum Ziel gehabt, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln. Die Verhandlungen zwischen Jacobs University, der Freien Hansestadt und verschiedenen Investoren sollten dazu führen, dass bis Mitte 2021 die vom Verein übernommenen Geschäftsanteile an einen neuen Mehrheitsgesellschafter übergeben werden. „Dass auch in einem neuen Geschäftsmodell privates Engagement eine zentrale Rolle spielen muss, wurde uns schnell klar“, so Lavinia Jacobs, Präsidentin des Stiftungsrates der Jacobs Foundation. „Gleichzeitig war es uns sehr wichtig, dass die Freie Hansestadt Bremen fortgesetzt Verantwortung – auch im Transformationsprozess – übernimmt.“

Laut Mitteilung wird die Foundation eine letzte Zuwendung von 23 Millionen Schweizer Franken zur Finanzierung des Transformationsprozesses zur Verfügung stellen. Damit hat die Stiftung die Jacobs University seit 2007 mit insgesamt mehr als 290 Millionen Euro unterstützt. Lavinia Jacobs erklärte: „Mit dieser letzten Zahlung verbinden wir die Zuversicht, dass es der Freien Hansestadt Bremen und der Jacobs University gelingt, den Campus in Bremen-Nord gemeinsam in eine gute und nachhaltige Zukunft zu führen.“

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