Karl Bronke ist ab heute Pensionär

Bremen verabschiedet "Mr. Sozialpolitik"

35 Jahre lang hat Karl Bronke die bremische Sozialpolitik geprägt. Das ist jetzt vorbei: Ab heute ist "Mr. Sozialpolitik" im Ruhestand. In der Sozialbehörde kennengelernt hat er alle wichtigen Politiker.
01.04.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Bremen verabschiedet
Von Wigbert Gerling
Bremen verabschiedet "Mr. Sozialpolitik"

Eine Koryphäe der Sozialbehörde: Karl Bronke verabschiedet sich in den Ruhestand.

Christina Kuhaupt

„Karl, sag’ mal, wie das laufen soll...“ Bronke, der in 35 Jahren die bremische Sozialpolitik maßgeblich geprägt hat, wurde in all den Jahren oft gefragt und konnte oft antworten. Dienstlich ist das mit Ablauf des Monats März vorbei. Der promovierte Jurist, der in seinen Studienzeiten an der Bremer Universität unter anderem den heutigen Innensenator Ulrich Mäurer als Tutor hatte, geht in den Ruhestand – ab dem heutigen Freitag heute ist er nicht mehr Beschäftigter der Sozialbehörde im Tivoli-Hochhaus am Bahnhofsplatz. In den Jahrzehnten zuvor hat er fünf Bürgermeister erlebt: Hans Koschnick, Klaus Wedemeier, Henning Scherf, Jens Böhrnsen und Carsten Sieling.

Karl Bronke galt als „Mr. Sozialpolitik“ und hat zum Beispiel maßgeblich mitgewirkt, in Bremen eine Altenhilfe aufzubauen. Er gestaltete die Psychiatriereform, war auf Bundesebene an der Entwicklung der Regelsätze in der Sozialhilfe beteiligt, setzte sich dienstlich für die Selbstbestimmung von Behinderten ein. Als er jüngst seinen Ausstand feierte, wählte er dafür die Räume der Werkstatt Bremen im „Kwadrat“ an der Wilhelm-Kaisen-Brücke.

Bei Willi Lemke Skifahren gelernt

Er ist fraglos ein bremisches Urgestein der Verwaltung – und er hat auch familiär bremische Wurzeln, obwohl er 1952 in Bremervörde geboren wurde: Seine Mutter stammt aus der Hansestadt. Nach dem Abitur kam dann auch Karl Bronke nach Bremen, um an der Uni Jura zu studieren. Dort traf er in seinem Studiengang nicht nur auf den Tutor Mäurer, sondern auch auf Matthias Stauch, heute Staatsrat für Justiz, oder auf Henning Lühr, heute Staatsrat im Finanzressort. Und in seiner Freizeit wurde er von einem Lehrer mit dem Skifahren vertraut gemacht, der später unter anderem Werder-Manager und Senator wurde: Willi Lemke.

Bronke schloss sein Jura-Studium ab und fing an der Schwelle zu den 80er Jahren gleich in der bremischen Behörde als Sozial- und Ausländerreferent an. „Das hat sich dann thematisch eigentlich so durchgezogen,“ bilanziert er. Die Promotion kam dann erst später, als er bereits berufliche Erfahrung gesammelt hatte. Zu seinen Schwerpunkten im Amt wurde unter anderem auch die Neuordnung der sozialen Dienste, die mehr auf die Stadtteile ausgerichtet wurden.

Nun ist Schluss. Die Verabschiedung im „Kwadrat“ war auch eine Versammlung von Sozialsenatoren. Anja Stahmann, Henning Scherf, Ingelore Rosenkötter, Karin Röpke – ehemalige Amtschefs gaben sich die Klinke in die Hand, um Bronke „Tschüss“ zu sagen. Ehemalige und heutige Mitarbeiter versicherten, er sei ein guter, kompetenter Chef gewesen, wenn auch nicht immer einfach. Im Amt kursiert der Satz: „Bronke ist wie der Nil, er fließt ruhig dahin, tritt aber zwei Mal im Jahr über die Ufer – dann kann es furchtbar werden.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+