INSM-Bildungsmonitor 2019

Bremen verbessert sich - Niedersachsen lässt nach

Bremen hat beim Bildungsmonitor 2019 die rote Laterne abgegeben. Das Bundesland belegt laut der Studie Platz 14. Niedersachsen rangiert auf Rang neun.
15.08.2019, 10:32
Lesedauer: 4 Min
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Bremen verbessert sich - Niedersachsen lässt nach
Von Lisa-Maria Röhling
Bremen verbessert sich - Niedersachsen lässt nach

Bremen hat sich beim Bildungsmonitor 2019 verbessert.

Marijan Murat /dpa

Bremen ist nicht mehr Letzter: Laut dem Bildungsmonitor der wirtschaftsnahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hat sich das kleinste Bundesland im Länderranking um zwei Plätze verbessert. Der letzte Platz geht an Berlin. Niedersachsen verschlechterte sich und fiel von Platz acht auf Platz neun. Durchgeführt wurde die Studie basierend auf Daten aus den Jahren 2017 und 2018 vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), bei dem die Bremer Schul-, Hochschul- und Ausbildungslandschaft untersucht wurden. Bremer Hochschulen schnitten zwar sehr gut ab, in der Schul- und Unterrichtsqualität bleibt Bremen aus Sicht der Autoren mangelhaft. Während die Entwicklung in der Politik positiv aufgenommen wurde, warnten Oppositionspolitiker vor zu großer Euphorie.

Die Platzierungen des Bildungsmonitors gehen auf ein umfangreiches Punktesystem zurück, bei dem für insgesamt 93 Indikatoren entsprechende Bewertungen abgegeben werden. Dabei wird eine Bandbreite von Daten einbezogen: Die Bildungsausgaben pro Bundesland oder das Lehrer-Schüler-Verhältnis werden genauso berücksichtigt wie die Zahl der Schulabbrecher oder die Ausgestaltung der Hochschullandschaft. Basierend auf diesen Erkenntnissen vereint der Spitzenreiter Sachsen 68 Punkte auf sich, Bayern auf dem zweiten Platz bekommt 61,2 Punkte und der drittplatzierte Thüringen 56,9 Punkte. Niedersachsen bekommt 48,3 Punkte, Bremen 44, Berlin 43. „Die Schlusslichter setzen die falschen Prioritäten, experimentieren herum, kümmern sich nicht genug um die Schwächsten“, sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr in Berlin deren Bildungspolitik.

Denn trotz der geringen Verbesserungen bleibt die Bremen Situation angespannt: In den Kategorien, die sich rund um Schulen und Unterricht drehen, bleibt das kleinste Bundesland Schlusslicht. Die Bildungsausgaben pro Schüler seien verhältnismäßig gering, sagen die Autoren. Die Bremer Viertklässler waren laut dem Studienabschnitt zur Schulqualität in Deutsch und Mathe im Bezugsjahr 2016 besonders schlecht. Zu einem ähnlichen Ergebnis war im vergangenen Jahr der IQB-Bildungstrend gekommen.

Unter dem Aspekt Bildungsarmut fassen die Autoren die schlechten Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler in Lesen, Naturwissenschaften und Mathe sowie die hohe Schulabbrecherquote (2017: 8,3 Prozent) zusammen. Allerdings bemängeln die Macher einen bundesweiten Anstieg der Abbrecherquoten: Binnen eines Jahres sei sie von 5,7 auf 6,3 Prozent gestiegen. „Dieser Fehlentwicklung dürfen die zuständigen Politiker in Bund und Ländern nicht tatenlos zusehen.“

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Unterdurchschnittliche Englischkenntnisse

Zuletzt seien die Englischkenntnisse der Bremer Kinder und Jugendlichen sogar „unterdurchschnittlich“, lautet das Ergebnis der Studie. Auch der Anteil der Grundschüler, die 2017 eine Fremdsprache erlernten, sei mit 42 Prozent in Bremen wesentlich geringer als im Bundesschnitt (65,7 Prozent).

Den Ausgleich dieser schlechten Ergebnisse schafft Bremen nach Angaben der Autoren durch die Hochschulen: Die Drittmitteleinnahmen durch die Professoren sind demnach sehr hoch, überdurchschnittlich viele Akademiker werden, gemessen am Bedarf von Wirtschaft und Wissenschaft, in Bremen ausgebildet. Außerdem sei das gesamte Ausbildungsstellenangebot in der Hansestadt sehr hoch. Die Hochschulen in Bremen sind außerdem bei Studienanfängern aus anderen Bundesländern beliebt. Zuletzt war in 2017 der Anteil an Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern und Technikern (auch MINT-Fächer genannt) unter dem wissenschaftlichen Personal hoch: Mit 47,6 Prozent liegt Bremen weit über dem Bundesschnitt von 34,6 Prozent. Deswegen geht Bremen aus diesen Kategorien (Hochschule/MINT und Forschungsorientierung) sogar in der Gesamtwertung als Spitzenreiter hervor.

Im Bildungsressort werden die Ergebnisse skeptisch bewertet. „Der Schwerpunkt liegt darin, bildungsökonomische Ziele des Bildungssystems zu betrachten“, sagte Behördensprecherin Annette Kemp. Zudem zeigten die aus 2017 stammenden Daten weder die Aufstockung des Haushaltes und des Personals noch die Einführung des Qualitätsinstituts nach Hamburger Vorbild im vergangenen Jahr. „Dadurch wird sich die Situation verbessern“, so Kemp. „Wir sind aber noch lange nicht am Ziel, und von Aufschwung können wir noch nicht wirklich reden.“ Zudem zeige die Studie, dass Bremen 2017 in der Lehrer-Schüler-Relation über dem Bundesdurchschnitt und vor den anderen Stadtstaaten lag.

Pro-Kopf-Ausgaben sollen angehoben werden

Laut dem bildungspolitischen Sprecher der Grünen, Christopher Hupe, untermauern die Ergebnisse den bisher eingeschlagenen Ergebnisse der Bildungspolitik. „Wichtiger als Tabellenplatzierungen aber sind konkrete Verbesserungen bei Bildungschancen und Bildungserfolgen.“ Die Pro-Kopf-Ausgaben sollen deshalb auf das Niveau der anderen Stadtstaaten angehoben werden, die Sprachförderung gestärkt, die Vertretungsreserve solle aufgestockt werden. „All diese Maßnahmen können aber erst auf Dauer ihre Wirkung entfalten“, sagte Hupe.

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Miriam Strunge (Linke) zeigte sich zwar erfreut über das gute Abschneiden der Bremer Hochschulen, kritisierte aber die Arbeit der Autoren: „Der INSM-Bildungsmonitor ist methodisch hochgradig fragwürdig.“ Thomas vom Bruch, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, warnte vor frühzeitiger Entspannung in Bezug auf die Studie: „Ohne die hervorragenden Ergebnisse im Bereich Hochschule und Forschung sähe es düsterer für Bremen aus.“ Besonders die Erkenntnisse zu den Themen Schulqualität, Bildungsarmut und -ausgaben seien besorgniserregend. „Der genaue Blick auf die Schulbildung in Bremen zeichnet daher nach wie vor ein katastrophales Bild.“

Ähnlich bewertete auch FDP-Fraktionsvize Hauke Hilz die Lage: „Der Schein trügt. Die Ergebnisse in der Schulbildung sind weiter katastrophal.“ Die passenden Rahmenbedingungen für ein leistungsfähiges Bildungssystem gebe es seit Jahren nicht.

AfD-Fraktionschef Thomas Jürgewitz bemängelte das schlechte Abschneiden beim Thema Schulqualität. „Das wird sich unter einer rot-grün-roten Regierung nach unserer Einschätzung nicht ändern.“

+++Dieser Text wurde um 21.47 Uhr aktualisiert+++

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