Emsland ist ein Glutofen

Bremen verfehlt neuen Temperaturhöchstwert knapp

Am Donnerstag wurden in Bremen 37,4 Grad gemessen, womit dieser Wert knapp unter dem bisherigen Rekordwert 37,6 Grad liegt. In Niedersachsen wurde dagegen wohl ein neuer Rekord mit 42,6 Grad erreicht.
25.07.2019, 21:57
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Von Nina Willborn, Sabine Doll und Elena Matera
Bremen verfehlt neuen Temperaturhöchstwert knapp

Die Sonne scheint über den Kühltürmen des Kernkraftwerks Grohnde. Wegen der steigenden Weser-Temperatur soll das Kraftwerk voraussichtlich am 26.07.2019 abgeschaltet werden. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Hauke-Christian Dittrich

In Niedersachsen ist es derzeit heißer als am Roten Meer oder auf Kuba: Mit 42,6 Grad Celsius, gemessen gegen 17 Uhr am Donnerstagnachmittag, war es in Lingen im Emsland so warm wie noch niemals zuvor in Deutschland seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1881. Dieser Wert müsse aber noch abschließend überprüft werden, betonte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Lingen, das nur knapp 130 Kilometer von Bremen entfernt liegt, hatte schon im Lauf des Tages mehrfach den erst am Mittwoch im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen aufgestellten Rekord (40,5 Grad) gebrochen. Auch Bremen stöhnt unter der Gluthitze, der Rekordwert von 37,6 Grad vom 9. August 1992 wurde mit 37,4 Grad nur knapp verfehlt. Für diesen Freitag erwarten die Meteorologen nur wenig Abkühlung, sie soll erst Ende des Wochenendes einsetzen.

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Die Hitze macht nicht nur Menschen, Tieren und Pflanzen zu schaffen. Auch die Technik geht angesichts der extrem hohen Temperaturen in die Knie: Am Donnerstagvormittag meldete das Krankenhaus Links der Weser (LDW) in Bremen Stromausfälle, bis zum späten Nachmittag musste der Betrieb per Notstromversorgung sichergestellt werden.

„Die Hitze hat dazu geführt, dass Transformatoren für die Stromversorgung heiß gelaufen und ausgefallen sind“, sagte der Sprecher des Klinikverbunds Gesundheit Nord (Geno), Rolf Schlüter, dem WESER-KURIER. Die Notstromversorgung sei automatisch angesprungen. Für einen der Transformatoren sei ein Software-Update gelaufen, die beiden anderen hätten dies nicht kompensieren können und seien deshalb überhitzt.

„Patienten waren aber zu keiner Zeit durch die Stromausfälle und die Notstromversorgung gefährdet“, sagte der Geno-Sprecher. Der Betrieb sei bis auf wenige Einschränkungen „ganz normal“ weitergelaufen. Die Klinik sagte längerfristig geplante Operationen für den Tag und Untersuchungen wie etwa Computertomografien ab. Auch von der Leitstelle der Feuerwehr Bremen, wo die Rettungswagen-Transporte in Bremen koordiniert werden, war das Krankenhaus abgemeldet.

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Rettungswagen, die über die Notrufnummer 112 informiert wurden, mussten deshalb bis zum späten Nachmittag auf andere Kliniken in Bremen ausweichen. Geburten, andere Eingriffe oder Behandlungen, die nicht verschoben werden konnten, hätten stattgefunden, sagte der Sprecher. Das Krankenhaus Links der Weser ist unter anderem Anlaufstelle für Herzinfarkt-Patienten in Bremen.

Probleme hatte auch die Bahn im Norden. Diverse Intercitys, die aus Richtung Süden nach Bremen und Hamburg rollen sollten, fielen am frühen Nachmittag komplett aus oder waren mit mehr als einer Stunde Verspätung unterwegs. Einige endeten schon in Köln oder Osnabrück: Als Ersatz für den IC 2024 beispielsweise wurden ab Köln drei Ersatzbusse eingesetzt, die die Passagiere nach Hamburg brachten. Zum Teil seien defekte Klimaanlagen der Grund für die Ausfälle gewesen, gab eine Sprecherin der Deutschen Bahn an. Auch ein Böschungsbrand in Hasbergen bei Osnabrück sorgte für Verzögerungen.

Auf der Autobahn 1 bei Bremen erreichte der Asphalt Temperaturen von rund 100 Grad, Lkw und andere schwere Fahrzeuge hinterließen Spurrillen. In Richtung Osnabrück drosselte das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) deshalb auf der Weserbrücke das Tempo auf 60 Stundenkilometer.

Am Freitag werde der Fahrstreifen ganz gesperrt, sagte Thomas Sauer vom ASV. Weil auch die Wassertemperatur der Weser steigt, soll das Kernkraftwerk Grohnde im Kreis Hameln-Pyrmont voraussichtlich am Freitagmittag abgeschaltet werden. Ab 26 Grad in der Weser dürfe zum Schutz des Ökosystems kein wärmeres Kühlwasser mehr in den Fluss eingeleitet werden, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums.

In Bremen warnt das Gesundheitsamt wegen der Ausbreitung von Blaualgen vor einem Bad im Unisee. Dort gab es ungeachtet dessen am Donnerstag einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr. Seit dem späten Nachmittag suchten fünf Taucher auf Höhe des FKK-Strandes im Wasser nach einer vermissten Person, die nach Angaben von Badegästen ertrunken sein soll. Auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz. Am Abend wurde die Suche ergebnislos eingestellt.

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