Bis zu 39 Grad erwartet

Bremen vor neuem Temperaturrekord

Die Hitze hat Bremen fest in der Hand. Am Donnerstag könnte der fast 27 Jahre alte Temperaturrekord gebrochen werden. In Bremen und Niedersachsen werden Temperaturen von bis zu 39 Grad erwartet.
24.07.2019, 21:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Nina Willborn und Unseren Regional-Redaktionen
Bremen vor neuem Temperaturrekord

In diesen heißen Tagen tut eine Abkühlung in der Weser doppelt gut.

Frank Thomas Koch

Rund 36 Grad waren es am Mittwoch in Bremen. Und es wird noch heißer. Für ganz Deutschland gilt in diesen Tagen die Hitzewarnstufe 2, die „extreme Wärmebelastung“ anzeigt. Hoch „Yvonne“ hängt laut Marco Manitta, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD), „wie eine Glocke über Europa, festgesaugt zwischen zwei Tiefdruckgebieten über Westrussland und dem nahen Ostatlantik“. Die Folge: Auch in Bremen und Niedersachsen könnte dieser Donnerstag mit vorhergesagten 34 bis 39 Grad, die sich noch ein paar Grad heißer anfühlen, der bislang wärmste Tag des Jahres werden – vielleicht sogar überhaupt.

Die Rekordtemperatur für Bremen liegt bislang bei 37,6 Grad Celsius, gemessen am 9. August 1992. Erst zum Anfang kommender Woche ist tagsüber mit einer Abkühlung auf weniger als 30 Grad zu rechnen. Im Moment werden laut Experten des DWD nur an den Küsten von Nord- und Ostsee und in den Bergen oberhalb von 1000 Metern Temperaturen von weniger als 30 Grad gemessen. Besonders heiß ist es derzeit im Westen und Südwesten, wo schon am Mittwoch in vielen Orten Werte von mehr als 39 Grad und in Saarbrücken-Burbach sogar 40 Grad gemessen wurden. Den deutschen Hitzerekord hält bislang Kitzingen in Unterfranken mit 40,3 Grad (5. Juli 2015).

Die zweite große Hitzewelle des Jahres bringt auch in Norddeutschland in den Nächten bei Werten um die 20 Grad vor allem in den Städten kaum Abkühlung – entsprechend belastend ist die Wetterlage für die Gesundheit vor allem älterer Menschen und von Kleinkindern. Mediziner sowie Polizei und Feuerwehr raten allerdings auch allen anderen zur Vorsicht bei körperlich anstrengenden Arbeiten. Die Bremer Polizei achtet in diesen Tagen besonders auf Kinder und Tiere in geparkten Autos. „Es hilft nur wenig, die Fensterscheiben einen Spalt zu öffnen“, sagt Sprecher Nils Matthiesen. „Der Innenraum eines Autos erhitzt sich in diesen Tagen sehr schnell.“

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Die Einsatzkräfte schauen ebenfalls verstärkt auf Schwimmer in der Weser. Matthiesen: „Ausschließlich ausgewiesene und durch die DLRG überwachte Orte sind zum Baden freigegeben.“ In allen anderen Bereichen machten Strömungen und Schiffsverkehr Baden und Schwimmen lebensgefährlich. Zusätzliches Risiko in Gewässern sind die sich bei Hitze schnell ausbreitenden Blaualgen. In Bremen wurden sie bereits für den Unisee gemeldet, er ist aber bislang wie die anderen Badegewässer noch freigegeben. Der Otterstedter See im Kreis Verden ist wegen der giftigen Bakterien gesperrt. Das Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz warnt insgesamt vor „vermehrtem Blaualgenaufkommen“.

Die anhaltende Hitze sorgt auch dafür, dass die Böden in und um Bremen immer mehr austrocknen. Wärmebedingt ausrücken musste die Bremer Feuerwehr allerdings bisher nicht, wie Sprecher Harald Meyer sagt. „Das ist aber auch der Vorteil einer Stadt. Sobald hier ein Grashalm brennt, werden wir alarmiert.“ Im Bürgerpark sind „Bewässerungstrupps“ unterwegs, um vor allem die Jungbäume vor dem Vertrocknen zu bewahren. Im Stadtgebiet werden die Freiwilligen Feuerwehren wie schon im vergangenen Jahr Gießtouren fahren. Im Landkreis Verden sind laut Michael Müller, Revierförster in Diensthop, als Folge des vergangenen Jahres viele Gewässer trockengefallen. Pflanzen hätten zu wenig Kraft, Wasser aus tieferen Schichten nach oben zu holen. Deshalb hätten etliche Laubbäume bereits jetzt trockene Blätter. Vor zu üppigem Wasserverbrauch im eigenen Garten warnt allerdings das Bremer Umweltressort. „Die Bewässerung sollte auf ein absolut notwendiges Maß beschränkt werden“, heißt es in einer Mitteilung. Auch die Stadtwerke Delmenhorst (SWD) appellieren an ihre Kunden, sorgsam mit Wasser umzugehen. Gratis-Trinkwasser für die Beschäftigten gibt es derzeit in vielen Betrieben, um die Arbeitsbelastung durch Hitze zu mildern.

In einigen Behörden, darunter auch im Bauressort, dürfen Mitarbeiter nach Absprache „Minusstunden“ machen, auch im Lilienthaler Rathaus sind aufgrund grundsätzlich flexibel geregelter Arbeitszeiten Kurzschichten möglich. Polizei und die Bremer Straßenbahn AG lockern die Vorschriften bei der Dienstkleidung und erlauben sogar T-Shirts beziehungsweise Bermuda-Shorts.

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