Sorge vor Lungenkrankheit

Bremen wappnet sich gegen das Coronavirus

Nachdem das Coronavirus nun auch erstmals in den USA aufgetreten ist, wappnen sich die Bundesländer auf mögliche Krankheitsfälle. Wie sich Bremen vorbereitet.
22.01.2020, 22:03
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Bremen wappnet sich gegen das Coronavirus
Von Sabine Doll
Bremen wappnet sich gegen das Coronavirus

Dieses undatierte Handout des amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) zeigt einen Coronavirus unter dem Mikroskop.

picture alliance/Center for Disease Control/epa/dpa

Nicht nur in China und anderen asiatischen Ländern sorgt das Coronavirus für erhöhte Wachsamkeit. Seit der neue Erreger, der zu einer potenziell lebensgefährlichen Lungenkrankheit führen kann, nun auch in den USA angekommen ist, sind die Behörden in Deutschland alarmiert.

Zwar stufen die Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin das Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung derzeit als „gering“ ein, wie es auf der Internetseite des Instituts heißt – dennoch sind in den Bundesländern und damit auch in Bremen erste Vorbereitungen für ein Auftreten der Infektion angelaufen.

Siemens-Hochhaus - Behörden-Serie

Referatsleiter Martin Götz ist in der Bremer Gesundheitsbehörde unter anderem für Infektionsschutz zuständig.

Foto: Christina Kuhaupt

„Wir wissen noch nicht sehr viel über das Virus, zum Beispiel wie bösartig und ansteckend es tatsächlich bei einer Übertragung von Mensch zu Mensch ist. Für den Fall, dass es sich aber weiter ausbreiten und auch bei uns ankommen sollte, sind wir gerüstet. Seit dem Ausbruch von Sars vor einigen Jahren sind die Alarmpläne für Epidemien in allen Bundesländern aufgeforstet und erweitert worden“, sagt Martin Götz, zuständiger Referatsleiter für Infektionsschutz im Bremer Gesundheitsressort.

Am Dienstag seien die Krankenhäuser im Land vom Gesundheitsamt informiert worden, was in solch einem Fall zu beachten sei. Patienten, die mit entsprechenden Symptomen in eine Klinik kämen, würden unter anderem gefragt, ob sie sich in einem der betroffenen Ländern aufgehalten haben oder Kontakt mit Erkrankten hatten. „Neben der primären Behandlung der Beschwerden müssen sie außerdem bis zu einem Labornachweis isoliert werden.

Lesen Sie auch

Diese Vorkehrungen müssen die Kliniken treffen und ihr Personal vorbereiten“, berichtet Götz. Ärzte und Pflegekräfte etwa dürften die Zimmer nur in Schutzkleidung betreten, um selbst vor einer Tröpfchen-Übertragung geschützt zu sein und eine Weiterverbreitung zu verhindern. Bestätige die Laboruntersuchung den Verdacht, werde der Patient mit einem Spezialtransport in ein Krankenhaus verlegt, das auf solche Infektionen vorbereitet sei. „In unserem Fall wäre dies das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg“, so der Referatsleiter.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Coronavirus etwa über Reisende aus den betroffenen Gebieten nach Bremen gelangt, hält der Infektionsschutz-Experte für eher gering: „Bremen hat keine direkte Flugverbindung nach und von Fernost, wie es etwa in Düsseldorf, Frankfurt oder Hamburg der Fall ist. Grundsätzlich kann es natürlich sein, dass ein Erkrankter unentdeckt weiterreist. Für übereiligen Aktionismus, indem etwa bei allen Fluggästen aus den betroffenen Ländern Fieber gemessen oder ein Abstrich genommen wird, gibt es nach Einschätzung der Fachleute derzeit keine Veranlassung. Das RKI hat bislang auch keine Reisewarnung ausgesprochen.“

Lesen Sie auch

Bremen spielt in dem aktuellen Geschehen eine besondere Rolle: Das kleinste Bundesland hat turnusmäßig den Vorsitz der Arbeitsgruppe „Infektionsschutz“ der Gesundheitsministerkonferenz. Konkret bedeutet das: Müssten in allen Ländern bestimmte Maßnahmen zum Schutz vor einer Ausbreitung umgesetzt werden, liegt die Koordination in Bremer Hand. „Zurzeit sind wir täglich mehrmals in Mailkontakt mit dem Robert-Koch-Institut, innerhalb kürzester Zeit könnten entsprechende Maßnahmen angeordnet werden“, betont Götz.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+