Ratgeber für hochsommerliche Temperaturen

So kommen Sie durch die Hitzewelle in Bremen

Die erste Hitzewelle des Jahres hat Bremen und umzu erreicht - und mit ihr Gefahren für Wald, Mensch und Tier. Wir erklären, welche Auswirkungen die hohen Temperaturen auf Arbeit, Freizeit oder Natur haben.
17.06.2021, 12:49
Lesedauer: 4 Min
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So kommen Sie durch die Hitzewelle in Bremen
Von Malte Bürger
So kommen Sie durch die Hitzewelle in Bremen

Die erste Hitzewelle des Jahres trifft Deutschland, da kann eine kühle Erfrischung nicht schaden.

Jens Büttner
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Es soll ein gewisser Napoleon Bonaparte gewesen sein, der abschätzig sagte: "Die Deutschen haben sechs Monate Winter und sechs Monate keinen Sommer." Nun mag der einstige französische Kaiser, der bis heute beliebt und streitbar zugleich geblieben ist, mit seiner Einschätzung zu seinen Lebzeiten weitgehend richtig gelegen haben. Für den Juni 2021 gilt sein strenges Urteil allerdings nicht. Denn der Sommer ist da. Noch vor dem eigentlichen kalendarischen Beginn am kommenden Montag (21. Juni). Und nicht nur das. Er macht sich tagelang mit voller Wucht im Norden Deutschlands breit.

Die Ursache dafür liegt in einem Gebiet, das in der französischen Geschichte ebenfalls nicht gänzlich unbedeutend war: Nordafrika. Die tropische Luft aus der Sahara strömt bis nach Bremen und umzu, die erste Hitzewelle des Jahres sorgt für schweißtreibende Tage und kaum lauere Nächte. Während die Sonne scheint, sind Temperaturen von bis zu 36 Grad Celsius möglich, nur schwerlich unterschreiten sie zur Schlafenszeit die 20-Grad-Marke. Mögliche Gewitter bringen also kaum die mancherorts gewünschte Abkühlung.

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Steigende Waldbrandgefahr

Die Wärme sorgt auch dafür, dass die Waldbrandgefahr steigt. Für den Landkreis Verden hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) beispielsweise bereits die zweithöchste Warnstufe ausgerufen. Und nicht nur dort ist Wachsamkeit geboten, weshalb bereits Vorkehrungen getroffen wurden. Zur Früherkennung von Waldbränden setzt das Land Niedersachsen etwa auf Flugzeug-Einsätze. Die mit einem Piloten, einem Beobachter und einem Förster bemannten Cessnas sollen ab Donnerstag einige Gebiete abfliegen und nach einer möglichen Rauchbildung Ausschau halten, sagte Thomas Friedhoff, Referent des Feuerwehrflugdienstes Niedersachsen. Allein im vergangenen Jahr seien so 23 Brände frühzeitig entdeckt worden.

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Damit erst gar keine Feuer entstehen, setzen die Brandbekämpfer auf die Mithilfe der Bevölkerung. So wird empfohlen, dass in der freien Natur nur auf ausgewiesenen Flächen gegrillt wird. Auch sollten keine Zigaretten achtlos weggeworfen oder Fahrzeuge auf trockenen Wiesen oder Feldern abgestellt werden.

Vorsorge für Tier und Mensch

Derweil macht sich der Nabu Bremen dafür stark, dass in diesen Tagen noch etwas mehr an die Tiere gedacht wird. „Die Stadtvögel leiden schnell unter Wassermangel“, sagt Geschäftsführer Sönke Hofmann, „viele kleine Wasserstellen sind bereits ausgetrocknet. Pfützen gibt es gar nicht mehr, sogar in den Gräben steht nur wenig Wasser.“ Kleine Tränken auf der Terrasse, im Garten oder auf dem Balkon können in diesem Fall eine enorme Hilfe für die Tiere sein. Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium appellierte zugleich an alle Tierhalter, bei ihren jeweiligen Lieblingen für Schatten, Kühlung und ausreichend Wasser zu sorgen. 

Doch auch für den Menschen ist während der Hitzewelle eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr elementar. Notfallmediziner raten, über den Tag verteilt jede Stunde ein Glas Wasser zu trinken, auch wenn noch kein Durst vorhanden sei. Vor allem ältere, chronisch kranke oder pflegebedürftige Menschen, Kleinkinder und Schwangere seien durch die Hitzebelastung gefährdet. Die Getränke sollten dabei eher lauwarm oder nur leicht gekühlt sein - so verlockend ein eiskalter Schluck auch sein mag. Doch je kühler die Flüssigkeit, desto weniger wird der Durst gelöscht und dafür umso mehr das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigt. Beim Essen sollte die Nahrung nicht zu schwer sein, um den Körper nicht zusätzlich zu belasten. Wer Sport treiben möchte, sollte diesen auf die Morgen- oder Abendstunden legen, um den Organismus zu schonen.

Regeln am Arbeitsplatz

Und dann gibt es da natürlich noch die Frage nach den Arbeitsbedingungen. In Zeiten der Corona-Pandemie befindet sich ein Großteil der angestellten im Homeoffice, was zumindest bei der Wahl der Kleidung ein Vorteil sein kann. Personen, die trotzdem ihr normales Arbeitsumfeld aufsuchen, haben es da nicht immer ganz so leicht. Für beide Gruppen aber gilt: Ein Recht auf Hitzefrei gibt es nicht. „Es gibt derzeit keine denkbare Außentemperatur, die so hoch wäre, dass pauschal der Arbeitnehmer die Arbeit verweigern dürfte“, sagt Arbeitsrechtsexperte Alexander Bredereck.

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Dennoch müsse der Arbeitgeber beispielsweise auf ältere, behinderte oder vorerkrankte Arbeitnehmer im Rahmen der Fürsorgepflicht anders Rücksicht nehmen als auf weniger gefährdete Arbeitnehmer. „Das macht es im Einzelfall für Arbeitnehmer sehr schwer festzustellen, wann noch eine Arbeitspflicht besteht und wann nicht“", sagt Bredereck. Wer allerdings aufgrund der Temperaturen an seinem Arbeitsplatz gesundheitliche Beeinträchtigung erleidet, sollte zum Arzt gehen. Womöglich bestehe unter den gegebenen Bedingungen eine Arbeitsunfähigkeit.

Grundsätzlich gilt, dass die Temperatur in den Arbeits- und Sozialräumen eines Unternehmens nicht über dem Wert von 26 Grad Celsius liegen sollte. Passiert dies doch, müsse der Arbeitgeber zusätzliche Maßnahmen ergreifen, wenn das Arbeiten zu einer Gesundheitsgefährdung führt. In diesen Fällen sollten etwa Getränke zur Verfügung gestellt und das Tragen von lockerer Kleidung erlaubt werden. Auch die Installation von Lüftungseinrichtungen oder Jalousien als Sonnenschutz sei vorgesehen, erklärt der Experte. Liegt die Innentemperatur sogar über 35 Grad Celsius, sollte in den Räumlichkeiten nicht mehr gearbeitet werden.

Tipps für ein kühles Zuhause

In den eigenen vier Wänden ist es besonders wichtig, für eine kühlende Atmosphäre zu sorgen. Dabei hilft zunächst einmal, verzichtbare Hitzequellen ausfindig zu machen, etwa einen zweiten Kühlschrank oder die Heizungsanlage. Sie geben meist Wärme in den Raum ab, die zur zusätzlichen Belastung werden kann, weshalb sie abgeschaltet oder im Falle der Heizung auf den Sommermodus gestellt werden sollte.

Darüber hinaus hilft ein richtiges Lüften. Am besten sorgt man für Durchzug am frühen Morgen oder späten Abend, während tagsüber die Fenster geschlossen bleiben oder allenfalls ganz kurz geöffnet werden sollten. Es wird ebenfalls empfohlen, die Luft durch einen Ventilator oder ein Klimagerät in Bewegung zu bringen. Außerdem können Pflanzen die Umgebungstemperatur durch Verdunstung kühlen, während größere Gewächse für Schatten sorgen.

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