Kassen stellen Formulare bereit

Wie sich Kontaktpersonen impfen lassen können

Tausende Bremer sind Kontaktpersonen von Pflegedürftigen, die nicht in Heimen leben. Sie können bevorzugt geimpft werden. Laut der Ersatzkassen haben viele davon bislang keinen Gebrauch gemacht.
07.05.2021, 12:40
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Wie sich Kontaktpersonen impfen lassen können
Von Sabine Doll
Wie sich Kontaktpersonen impfen lassen können

Kontaktpersonen, etwa von Pflegebedürftigen, können sich bevorzugt impfen lassen.

Patrick Pleul/dpa

Wenn Hans-Michael Mühlenfeld enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen impfen wollte, hat er bislang auf ein Formular des Landes Hessen zurückgegriffen. „Bescheinigung zur Impfung gegen das Coronavirus Sars-Cov-2“ ist diese überschrieben. Dort tragen die zu impfenden Kontaktpersonen und die Pflegebedürftigen ihre Daten ein und unterschreiben das Formular. Neben einem Nachweis über den Pflegegrad von der Pflegekasse dient es als Bestätigung für die Arztpraxis und die Kontaktpersonen.

„Im Gegensatz zu anderen Bundesländern wie Hessen oder auch Nordrhein-Westfalen gab es ein solches Formular in Bremen bislang nicht. Deshalb muss man vermutlich davon ausgehen, dass viele Menschen, die Kontaktpersonen sind, keinen Gebrauch davon gemacht haben oder dies nicht konnten - weil eine offizielle Sprachregelung fehlte“, sagt der Vorsitzende des Bremer Hausärzteverbands, dem etwa 250 Mitglieder angehören. Mühlenfeld hat das Formular aus Hessen seinen Bremer Kolleginnen und Kollegen über den Verband weitergeleitet.

Lesen Sie auch

Jeweils zwei Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Menschen, die nicht in einer Einrichtung leben und den Prioritätsgruppen 2 und 3 angehören, können bevorzugt gegen Covid-19 geimpft werden. Das sieht die Corona-Impfverordnung des Bundes vor. In Bremen dürfte dies Tausende Menschen betreffen. In anderen Bundesländern haben die Behörden die Dokumente zum Internet-Download bereitgestellt, oder die Kontaktpersonen können sich direkt im Online-Impfportal für einen Termin anmelden.

In den Bremer Impfzentren können sich Kontaktpersonen nicht anmelden. Ein Grund dafür ist, dass das kleinste Bundesland Einladungen für die Impfung in den Zentren verschickt. „Dazu kommt, dass die Kontaktpersonen noch nicht an der Reihe waren, weil es nicht genug Impfstoff gab“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. „Deshalb gab es auch keinen offiziellen Aufruf.“ Seit die niedergelassenen Ärzte nach Ostern in das Impfen eingestiegen sind, konnten sich Kontaktpersonen dort melden und nachfragen, wie sie ihren Anspruch nachweisen, um sich impfen zu lassen.

Lesen Sie auch

Der Verband der Ersatzkassen (VDEK) in Bremen – dazu gehören TK, Barmer, DAK, KKH, HKK und HEK – hat jetzt gemeinsam mit den Betriebskrankenkassen und den Innungskrankenkassen entsprechende Formulare für den Kontaktpersonen-Nachweis zur Verfügung gestellt. Sie können von den Internetseiten der Kassen heruntergeladen werden – unabhängig davon, ob die Betroffenen dort versichert sind, wie VDEK-Sprecherin Birgit Tillmann betont. „Das Angebot soll dazu beitragen, dass sich mehr Menschen, die Anspruch darauf haben, einfacher und schneller bei ihren Hausärztinnen und Hausärzten impfen lassen können.“ Jeweils zwei Kontaktpersonen können demnach benannt werden.

Das Formular muss laut Tillmann heruntergeladen, ausgedruckt und ausgefüllt sowie nach Möglichkeit von der pflegebedürftigen Person unterzeichnet werden. Zum Impftermin in der Arztpraxis sollte auch eine Kopie des Pflegegrad-Nachweises der pflegebedürftigen Person mitgebracht werden. Dies könne ein Bescheid der Pflegekasse sein. „Wenn die pflegebedürftige Person jünger als 60 Jahre alt ist, sollte in allen Fällen ein ärztliches Zeugnis über eine Diagnose der Prioritätsgruppe 2 oder 3 mitgebracht werden“, teilt der VDEK mit. Dieses sei über den Hausarzt erhältlich. Auf der Internetseite www.vdek.com/LVen/BRE.html hat der Verband eine Liste der Krankenkassen veröffentlicht, die die Bescheinigung zum Download anbieten.

Die Impfungen von engen Kontaktpersonen sollen laut Fuhrmann auch weiterhin ausschließlich über die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte laufen. „Auf der Internetseite der Gesundheitsbehörde wird es ebenfalls einen Verweis auf ein Formular geben, das von der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen zur Verfügung gestellt wird“, kündigt der Sprecher an.

Lesen Sie auch

Info

Zur Sache

Was für Kontaktpersonen gilt

Bei den Formularen ist zwischen Kontaktpersonen von
Pflegebedürftigen sowie Risikopatienten der Priorität 2 oder der Priorität 3 zu unterscheiden, wie der Verband der Ersatzkassen (VDEK) auf Basis der Impfverordnung des Bundes mitteilt. Zur Priorität 2 gehören demnach Pflegebedürftige über 70 Jahre oder Menschen mit bestimmten schweren Vorerkrankungen wie Krebs, Organtransplantierte, Menschen mit einer schweren chronischen Lungenerkrankung, Trisomie 21 oder Demenz. Die Priorität 3 umfasst Pflegebedürftige über 60 Jahre oder Menschen mit medizinischer Diagnose mit moderat erhöhtem Risiko, Herzerkrankungen, Diabetes, Autoimmunerkrankungen sowie Rheuma.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+