Immer weniger Bestattungen Bremen will Friedhöfe schließen

Bremen. Bremen hat zu viele Friedhöfe und wird über kurz oder lang welche aufgeben. So unmissverständlich hat es jetzt die Bauverwaltung formuliert. Denn die Zahl der Bestattungen sinkt, und statt Särgen werden immer mehr Urnen der Erde übergeben.
12.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremen will Friedhöfe schließen
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Bremen hat zu viele Friedhöfe und wird über kurz oder lang welche aufgeben. So unmissverständlich hat es jetzt die Bauverwaltung formuliert. Zwei Gründe führen zu diesem Schritt: Zum einen ist die Zahl der Bestattungen insgesamt auf den städtischen Friedhöfen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Zum anderen sind es mittlerweile hauptsächlich Urnen, in denen die menschlichen Überreste der Erde übergeben werden. Sie verbrauchen deutlich weniger Platz als Särge.

14 städtische Friedhöfe gibt es in Bremen, nicht gezählt dabei die vielen Gottesäcker der Kirchen. Der größte liegt in Osterholz mit 76 Hektar, der kleinste in Gröpelingen mit noch nicht einmal einem Hektar. Zusammengenommen ergibt das eine Fläche von rund 222 Hektar. Das sind die Gräber und viel mehr noch das Grün drumherum. Anlagen, die gepflegt werden müssen, und das kostet: rund 7,4 Millionen Euro im Jahr. Das meiste davon übernimmt der Gebührenzahler, den Rest, rund 1,6 Millionen Euro, die öffentliche Hand. Weil die Stadt sparen muss und einfach nicht mehr den Bedarf für so viel Friedhofsfläche sieht, wird gerade an einem Plan gearbeitet, der beides umfasst: Friedhöfe verkleinern oder sie gleich ganz schließen.

"Wir sind bei den Friedhöfen deutlich zu üppig ausgestattet", sagt Georg Musiol, Abteilungsleiter beim Bausenator. Die Stadt bringe Geld auf für etwas, was in diesem Umfang gar nicht mehr gebraucht würde. Auch könne man nicht endlos die Gebühren erhöhen, das sei den Pächtern der Gräber, die immer weniger würden, nicht zuzumuten. Musiol macht klar, dass aus seiner Sicht Friedhöfe geschlossen werden müssen, das sei alternativlos. Er sagt aber nicht, welche. Noch nicht, dafür sei es zu früh.

Es gibt Standorte, da ist die Zahl der Beerdigungen in den Jahren von 2000 bis 2010 um ein Drittel und mehr eingebrochen, in Hemelingen zum Beispiel oder in Huchting. Woanders gibt es mittlerweile so wenige Bestattungen, in Gröpelingen etwa, "dass wir uns fragen müssen, ob wir dafür einen ganzen Friedhof vorhalten wollen", so Musiol.

Der zweite Punkt ist die Form der Beerdigung. Mit den Jahrzehnten hat sich der Trend total umgekehrt, weg von der Erd- und hin zur Feuerbestattung. In Bremen liegt das Verhältnis heute bei 80 zu 20 Prozent. Wenn man weiß, dass ein Grab mit Sarg auf dem Friedhof zwei Quadratmeter benötigt und für sechs Urnen lediglich ein Quadratmeter zu Buche schlägt, liegt auf der Hand, dass weniger Fläche gebraucht wird.

Es gibt Menschen, die lassen sich außerhalb von Bremen in sogenannten Friedwäldern beerdigen oder auf hoher See. Und hinzu kommt schließlich eine grundlegend veränderte Kultur des Totengedenkens. Ein Urnengrab, und gerne auch anonym, so passiert es immer häufiger, weiß Uwe Lampe, der beim Bausenator für die Friedhöfe zuständig ist. "Die Familien atomisieren; wo die Eltern leben, leben die Kinder nicht mehr, und dann macht man sich schon Gedanken, wer später das Grab pflegt."

Früher gab es niemanden, der das je gedacht hätte, auch nicht, dass Bremen eher schrumpft als wächst. Es gab Friedhofspläne, die waren auf eine Zahl von 800000 Einwohnern und mehr ausgelegt. In Huckelriede sollte der Friedhof deswegen sogar um ein Drittel erweitert werden, und an der Lesum, erzählen Musiol und Lampe, hatte man eigens ein großes Gelände aufgeschüttet, um es später als Begräbnisstätte zu nutzen. Alles Pläne aus der Vergangenheit, die heute längst Makulatur sind.

Osterholz allein, sagen die beiden Behördenvertreter, böte auf seinem Friedhof ausreichend Platz, um den gesamten Bedarf an städtischen Begräbnisflächen abzudecken. "Mehr als genug", sagt Musiol, "es blieben immer noch große Flächen übrig." Aber das ist nur ein Gedankenspiel, denn der Abteilungsleiter weiß natürlich, dass es politisch nicht durchsetzbar wäre, in Bremen einen Zentralfriedhof zu schaffen, einen wie den Friedhof Ohlsdorf in Hamburg oder den Zentralfriedhof in Wien. Musiol: "Bei uns hat sich das historisch ganz anders entwickelt." Wenn nun überlegt wird, in Bremen einen oder zwei oder drei Friedhöfe zu schließen, soll das sehr behutsam geschehen. "Es würde damit anfangen, dass keine neuen Bestattungen mehr zugelassen werden", erklärt Musiol. Und dann müsse man eben warten, bis auch die letzte Grabfrist abgelaufen ist. Erst danach würden die Flächen frei, für was auch immer.

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