Geriatriekonzept Bremen will medizinische Angebote für ältere Menschen verbessern

Bremens Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt hat am Mittwoch ein eigenes geriatrisches Konzept vorgestellt, um die medizinische Versorgung älterer Menschen zu verbessern.
15.08.2018, 12:16
Lesedauer: 3 Min
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Bremen will medizinische Angebote für ältere Menschen verbessern
Von Kristin Hermann

Jeder dritte Bremer wird im Jahr 2030 über 60 Jahre alt sein. Der Bedarf an medizinischer Versorgung wächst, genauso wie der Wunsch, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Um mit der demografischen Entwicklung zu gehen, hat eine Expertengruppe in den vergangenen Monaten ein eigenes Geriatriekonzept für Bremen entwickelt.

Es soll langfristig die medizinische Versorgung älterer Menschen im Bundesland verbessern und deren Lebensqualität so lange wie möglich erhalten. Die Ergebnisse haben Bremens Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) und weitere Fachleute am Mittwoch vorgestellt.

In der Geriatrie kümmern sich die Ärzte nicht nur um einzelne alterstypische Krankheiten und deren Heilung, sondern um den gesamten Menschen. Dafür werden medizinische Fachrichtungen zusammengefasst. Ziel der Altersmedizin sei, die Selbstständigkeit der Menschen zu erhalten, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden sowie die Prävention alterstypischer Erkrankungen.

Position der Hausärzte stärken

Nach Angaben der Gesundheitsbehörde haben die meisten anderen Bundesländer bereits ein eigenes Geriatriekonzept. Das Thema beschäftigt die Gesundheitsminister der Bundesländer schon länger, so auch im vergangenen Jahr, als sie auf der Gesundheitsministerkonferenz in Bremen zusammenkamen. Unter anderem will Bremen die Position der Hausärzte stärken. Sie genießen häufig das größte Vertrauen der Patienten.

„Sie haben eine Lotsenfunktion in den Stadtteilen und sollen künftig auch noch bessere Informationen zu wohnortnahen Gesundheitsangeboten vermitteln können“, so Quante-Brandt. Bei der Umsetzung müsse man die Hausärzte entsprechend begleiten. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Zahl der Ärzte in den kommenden Jahren steigen wird, sagte Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer.

„Wir müssen die Hausärzte zum Beispiel in Form von Informationsangeboten oder Qualifizierungsmaßnahmen unterstützen. Nicht jede Tätigkeit muss von einem Arzt ausgeführt werden“, sagte sie. In den Quartieren sollen zudem neben bereits bestehenden Präventionsangeboten weitere gezielte Anlaufstellen geschaffen werden. Damit wolle man in Zukunft auch Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen erreichen.

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Zusätzlich sollen sogenannte Schwerpunktpraxen die Lücke zwischen Hausärzten und den Krankenhäusern schließen. Patienten, die einer intensiven, aber keiner Krankenhausbehandlung bedürfen, könnten vorübergehend in der Schwerpunktpraxis auf Überweisung des Hausarztes versorgt werden. Hier sollen möglichst Hausärzte, Fachärzte, Pflegende, Therapeuten und soziale Dienste stärker miteinander kooperieren.

Auch der Ausbau von Interimslösungen sei denkbar. Wer tagsüber therapeutische Maßnahmen in Anspruch nehmen müsse, könne abends wieder in seinem eigenen Bett schlafen. Die Krankenhäuser nehmen in der Versorgung der geriatrischen Patienten eine wesentliche Rolle ein, wenn es darum geht, nach akuten Krankheitsereignissen Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder zu reduzieren.

Im Land Bremen gibt es bisher vier Kliniken mit einer geriatrischen Fachabteilung: die Kliniken Bremen-Ost und Bremen-Nord, das St.-Joseph-Stift und das Klinikum Reinkenheide in Bremerhaven. „Die Krankenhäuser sind vor dem Hintergrund der anstehenden demografischen Veränderungen darauf angewiesen, dass eine hochwertige geriatrische Versorgung auch in den anderen Sektoren weiter zielgerichtet ausgestaltet und ausgebaut wird“, sagte Thomas Hilmer, Chefarzt der Klinik für Geriatrie im Klinikum Bremen Ost.

Einbindung in die Landeskrankenhausplanung

Auch Kooperationen mit Krankenhäusern, die bisher keine eigene Fachabteilung hätten, seien denkbar. Wie sehr sich die Krankenhäuser auf ältere Patienten einstellen müssen, zeigt eine weitere Prognose für das Jahr 2030: 70 Prozent aller Patienten werden dann voraussichtlich älter als 80 Jahre sein. Quante-Brandt kündigte an, dass das Konzept auch in die Landeskrankenhausplanung eingebunden wird, die kommende Woche beschlossen werden soll.

„Ziel ist es, die Elemente, die darin im Ansatz beschrieben sind, auch umzusetzen“, sagte sie. Wie teuer die tatsächliche Realisierung der Maßnahmen wäre, ist bisher jedoch noch unklar. Darüber gibt es laut Behörde keine Schätzungen. „Nicht mit jeder Handlungsempfehlung sind hohe Kosten verbunden. Sofern für eine Neustrukturierung oder Leistungsausweitung Geld benötigt wird, werden die Selbstverwaltungspartner, also Kassen und Verbände, darüber verhandeln“, sagte Christina Selzer, Sprecherin der Gesundheitsbehörde, auf Nachfrage.

Dazu gehört auch der Ausbau von Beratungsangeboten. Gerade ältere Menschen, die gesundheitlich angeschlagen seien und keine Angehörigen in der Nähe haben, hätten oftmals Probleme, sich umfassend zu informieren. Während es zu Fragen mit Bezug zur Pflege die Pflegestützpunkte gebe, bestehe für Fragen außerhalb der Kranken- und Pflegekassenleistungen eine Informationslücke. Die Krankenhäuser haben dafür die Sozialdienste, aber es gebe bislang kein Gegenstück für Menschen, die sich außerhalb des Krankenhauses befinden, etwa an Pflegestützpunkten.

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