Politik plant Initiative im Bundesrat Bremen will Stress in Betrieben abbauen

Bremen. Bremen sagt dem Stress im Job den Kampf an: Weil immer mehr Menschen durch Arbeitsdruck erkranken, will die Politik die Unternehmen zur Prävention verpflichten. Gemeinsam mit drei Ländern ist eine Bundesratsinitiative geplant.
27.03.2013, 09:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremen will Stress in Betrieben abbauen
Von Sabine Doll

Bremen. Bremen sagt dem Stress im Job den Kampf an: Weil immer mehr Menschen durch Arbeitsdruck psychisch erkranken, will die Politik die Unternehmen zur Prävention verpflichten. Gemeinsam mit drei weiteren Ländern ist eine Bundesratsinitiative geplant.

25 Seiten umfasst das Behördenpapier, das die Bedingungen von Arbeitnehmern verbessern und die Zunahme psychischer Erkrankungen durch Druck und Stress am Arbeitsplatz stoppen soll. Zusammen mit Hamburg, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen plant Bremen eine Bundesratsinitiative. „Am 9. April soll der Entwurf für eine entsprechende Verordnung im Senat beschlossen werden“, bestätigte Jens Schmidt, Sprecher der Gesundheitsbehörde, auf Nachfrage.

Immer mehr Menschen erkranken aufgrund arbeitsbedingter Belastungen – Bremen nimmt dabei nach Angaben des DAK-Gesundheitsreports sogar einen Spitzenplatz ein: 2011 stiegen im kleinsten Bundesland die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent, die Zahl verdoppelte sich damit seit 2002. 16,6 Prozent aller krankheitsbedingten Ausfälle gehen auf Depressionen, Burn-out oder ähnliche Leiden zurück. Damit liegt Bremen über dem Bundesdurchschnitt.

Druck durch ständige Erreichbarkeit

Besonders unter Druck gesetzt fühlen sich Beschäftigte, wenn sie gleichzeitig an mehreren Aufgaben arbeiten müssen sowie durch Termin- und Leistungsstress, weil die Arbeit immer wieder unterbrochen wird und weil sie auch außerhalb der Arbeitszeit noch durch E-Mail und Rufbereitschaft erreichbar sind. Diese Befragungsergebnisse sind erst vor Kurzem im „Stressreport Deutschland 2012“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin veröffentlicht worden.

Genau hier will die geplante Verordnung ansetzen. In Paragraf 6 der Regelung, die dieser Zeitung vorliegt, heißt es, dass „Störungen und Unterbrechungen der Arbeit sowie die gleichzeitige Verrichtung mehrerer Arbeiten auf ein Mindestmaß reduziert werden“ sollen. Weiter: „Die Arbeitsumgebung hat der Arbeitgeber so zu gestalten, dass psychische Belastung vermieden oder so weit wie möglich verringert wird.“ Paragraf 7 erläutert: „Bei der Übertragung von Aufgaben außerhalb der Regelarbeitszeit ist zu gewährleisten, dass Rufbereitschaft und Erreichbarkeit begrenzt werden und ein angemessener Freizeitausgleich erfolgt.“

Konkret könnte das nach Einschätzung von Experten wie dem Sozialpsychologen Rolf van Dick von der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität bedeuten, dass dies in Regelungen zur Abschaltung von Smartphones, E-Mail-Servern und einer Abschaffung von Großraumbüros mündet. Van Dick hatte bereits auf einem Fachkongress in Bremen vor zwei Jahren eine stärkere Rolle der Unternehmen bei der Stressprävention gefordert: „Es bestehen keine Zweifel daran, dass bei Arbeitsabläufen, -organisation und -strukturen einiges verbessert werden muss“, betonte er gestern im Hinblick auf die geplante Bundesratsinitiative. „Viele Betriebe haben das inzwischen auch verstanden, denn die Zunahme der psychischen Erkrankungen wie Burn-out und Fehlzeiten kostet die Unternehmen sehr viel Geld.“

Bisher sei es jedoch so, dass Präventionsangebote vor allem beim Einzelnen ansetzten, der sich in Entspannungskursen, Zeitmanagement-Seminaren oder Kuren fit halten solle. „Das beseitigt die strukturellen Probleme in den Unternehmen wie Arbeitsverdichtung, Terminstress und Leistungsdruck aber nicht“, erklärte van Dick.

Die Einhaltung der geplanten Regelungen soll nicht dem Zufall überlassen werden: So sollen die Arbeitsschutzbehörden überprüfen, ob und wie gut sichdie Betriebe daran halten, wie in dem Bremer Entwurf zu lesen ist. Ebenso sollen die Unternehmen dazu verpflichtet werden, eine Gefährdungsanalyse der psychischen Belastungen an den Arbeitsplätzen vorzunehmen.

Mehr Engagement von Unternehmen fordert auch die Arbeitnehmerkammer Bremen: „Aus unserer Sicht besteht hinsichtlich der Stressvermeidung am Arbeitsplatz Handlungsbedarf, um der steigenden Zahl von psychischen Erkrankungen in der Arbeitswelt entgegenzuwirken“, sagte Hauptgeschäftsführer Ingo Schierenbeck.

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