Über 600 Fachkräfte bis 2020 gesucht Bremen wirbt um Erzieher

Kitas bundesweit suchen händeringend Personal. Um neue Erzieher zu finden, startet Bremens Bildungssenatorin eine Kampagne. Doch nicht alle Kita-Träger unterstützen dies.
25.04.2018, 19:53
Lesedauer: 3 Min
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Bremen wirbt um Erzieher
Von Sara Sundermann

Kita-Fachkräfte sind begehrt: Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) will nun mit einer Imagekampagne für den Erzieherberuf werben, um in Zeiten des Fachkräftemangels mehr Personal zu gewinnen. Erzieherinnen und Erzieher werden in Krippen, Kindergärten und auch für die Nachmittagsbetreuung an Ganztagsschulen gesucht.

Der Personalbedarf ist groß: Für den weiteren Kita-Ausbau bis 2020 werden laut Bildungsbehörde voraussichtlich 600 bis 750 zusätzliche Kräfte gebraucht. Im laufenden Kita-Jahr sollen laut Bildungsbehörde rund 2000 Plätze hinzukommen, im Kita-Jahr 2018/19 sind rund 1600 zusätzliche Plätze geplant. 150 City-Light-Poster, Plakate und Social-Media-Marketing sollen Teil der Imagekampagne sein.

"Abenteuer, Kreativität und leuchtende Kinderaugen" – das alles mache den Beruf von Erziehern so spannend, heißt es auf der Webseite zur Kampagne. Die Plakate zeigen fröhliche Kinder auf dem Spielplatz, im Sitzkreis oder mit Blume und appellieren an die Betrachter: "Komm ins Team!". Erzieherinnen und Erzieher seien gefragt, "und der Beruf hat sich verändert", sagte Bildungssenatorin Bogedan.

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"Wir haben moderne Einrichtungen, und Kita-Beschäftigte sollen heute Lernbegleiter sein." Sie warb mit Wolfgang Bahlmann, Geschäftsführer von Kita Bremen, für die Imagekampagne, die von der Wirtschaftsförderung Bremen gestaltet wurde und rund 41.000 Euro kostet.

Geworben wird vor allem für die Ausbildung zum Erzieher – dass man damit kaum fertig ausgebildete Fachkräfte aus anderen Bundesländern nach Bremen locken könne, räumte Bogedan ein. Mehr Fachkräfte zu finden, ist für den städtischen Träger Kita Bremen sehr wichtig. Schließlich gab es schon im vergangenen Jahr massive Probleme durch fehlendes Personal. Einige Kitas konnten im Winter zur Grippezeit nur noch eingeschränkte Betreuung anbieten.

Bahlmann empfahl einen aktualisierten Blick auf den Beruf des Erziehers: Immer noch würden Eltern ihren Kindern mit Blick auf die Arbeit in einer Kita vermitteln: "Davon kannst du doch nicht leben." Dabei habe sich das Erziehergehalt nach Tarifverhandlungen in den vergangenen Jahren um 25 Prozent erhöht. Früher habe es zudem oft befristete halbe Stellen für Kita-Beschäftigte gegeben. "Das hat sich komplett verändert, wir haben heute fast nur noch Vollzeitstellen und überhaupt keine Befristung mehr."

Vier Jahre unbezahlt Fachschule

Die Imagekampagne soll nicht allein dastehen, sondern sich in andere Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung einfügen, betonte die Senatorin. Sie verwies darauf, dass in Bremen Ausbildungskapazität erhöht und eine Teilzeitausbildung aufgestockt worden sei. Und die sogenannte praxisintegrierte Ausbildung werde zum 1. August auf den Weg gebracht.

Für diese bezahlte Ausbildung fehlte es auch nicht an Bewerbern. Bislang gibt es 50 Plätze, auf die sich mehr als 170 Interessenten bewarben. Normalerweise aber wird der größte Teil der insgesamt fünfjährigen Erzieherausbildung nicht bezahlt: Angehende Erzieher besuchen in der Regel vier Jahre lang unbezahlt eine Fachschule.

Daran schließt sich ein Anerkennungsjahr an, das zwar vergütet wird, aber nicht mit dem vollen Erziehergehalt. Hinzu kommt statt Gehalt teilweise sogar noch Schulgeld. Die staatlichen Erzieherschulen, an der die Mehrheit der angehenden Erzieher ausgebildet wird, sind in Bremen zwar kostenlos, wie Bogedan betonte. Doch zwei private Erzieherschulen in Bremen erheben weiterhin Schulgeld.

Entlastungskräfte sollen unterstützen

Die freien Träger von Kitas und die evangelische Kirche, die ebenfalls viele Kitas betreibt, beteiligten sich nicht an der Werbekampagne der Senatorin. Arnold Knigge von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege übte Kritik: "Es reicht nicht, Plakate zu kleben, wir müssen den Beruf attraktiver machen", forderte er. Die wichtigsten Schritte seien eine Verkürzung der Ausbildung und staatliche Zuschüsse für die noch kostenpflichtigen privaten Erzieherschulen.

"Fünf Jahre Ausbildung sind zu lang, die Interessenten müssen eine hohe Leidensfähigkeit beweisen, um vier Jahre ohne Bezahlung durchzustehen." Die notwendigen Kenntnisse könnten – ähnlich wie bei Altenpflegern – auch in drei Jahren vermittelt werden, glaubt er. "Eine Werbekampagne allein reicht nicht aus, wir brauchen eine vergütete Erzieher-Ausbildung", sagt auch Carsten Schlepper vom Landesverband evangelischer Kitas. Aktuell sind beim kommunalen Träger Kita Bremen 70 Stellen unbesetzt, in den Kitas der evangelischen Kirche sind es 25 bis 30 Stellen. Bei den freien Trägern wird der Personalbedarf in Kitas bis 2020 auf rund 120 Fachkräfte geschätzt.

Fürs Erste sollen nun kurzfristig sogenannte Entlastungskräfte Bremer Kitas unterstützen, die vor besonders großen Herausforderungen stehen. Das könnten Tanzpädagogen, Bürokräfte oder Vorlese-Helfer sein, erläuterte die Senatorin. Sie sollen auf 450-Euro-Basis beschäftigt werden. Bahlmann zufolge wurden bei Kita Bremen 39 Entlastungskräfte gefunden, die 29 Einrichtungen unterstützen und in den kommenden Wochen ihre Arbeit aufnehmen sollen.

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