18-Jähriger moderiert ersten digitalen Schüler-Klimagipfel

Der Oberstufenschüler Jonas Budelmann moderiert den ersten digitalen Schüler-Klimagipfel, der in den Gebäuden der Handwerkskammer Bremen live gestreamt werden wird. Viel Vorbereitungszeit hatte er dafür nicht.

Foto: Christina Kuhaupt

Der 18-jährige Jonas Budelmann hat Veranstalter und Publikum in den vergangenen Jahren überzeugt.

Besonders viel Zeit hatte Jonas Budelmann nicht, um sich auf den digitalen Schüler-Klimagipfel in der Handwerkskammer vorzubereiten. Vor zwei Wochen hat der 18-Jährige den Anruf bekommen, ob er Lust hätte, die Veranstaltung zu moderieren. Da es nicht seine erste Moderation ist, musste er nicht lange darüber nachdenken, ehe er zusagte.

„Ich bin eigentlich ein ganz normaler 18-Jähriger“, sagt Budelmann über sich selbst. Zu seinen Hobbys zählen Golf und Fitnesstraining und eine Partie Tennis zusammen mit einem Freund. „So kann ich momentan am besten den Kopf freibekommen“, sagt er. Im Jahr 2022 wird er seinen Abschluss machen. Online-Unterricht und Abiturvorbereitungen hinterlassen Spuren. „Gerade kommt noch die Klausurenphase dazu, das ist schon alles sehr stressig.“ Bei der Moderation kommen dem jungen Mann seine bisherigen Erfahrungen zugute: „Ich weiß schon, wie ich Fragen stellen muss, und kenne mich mit der Thematik aus.“

In die ihm zugedachte Rolle ist er hineingerutscht: Budelmann wurde mit 13 Jahren von seiner Deutschlehrerin angesprochen, ob er Lust hätte, einen Klimagipfel zu moderieren. „Ich wollte das ausprobieren, damals fiel die Entscheidung relativ knapp“, sagt er. Gefallen hat es Budelmann trotzdem, und seine Art hat Veranstalter und Publikum überzeugt – deshalb moderiert er den Schüler-Klimagipfel seither jährlich.

Berufe mit Zukunft

Der 18-Jährige wirkt entspannt, obwohl es seine Aufgabe ist, vor etlichen Gleichaltrigen zu sprechen – als wüsste er, dass er alles unter Kontrolle haben wird. Er macht einen routinierten Eindruck, als würde er jede Woche eine große Veranstaltung moderieren. „Ein bisschen Aufregung gehört natürlich immer dazu, ich finde das Lampenfiebergefühl aber gut“, sagt Jonas Budelmann. Vor der Herausforderung, in diesem Jahr alleine in der Handwerkskammer zu moderieren, während die Gäste und Zuschauer zugeschaltet werden, fürchtet er sich nicht. Trotzdem freue er sich, wenn die Schüler-Klimagipfel wieder in Präsenz stattfinden können.

Beim Schüler-Klimagipfel wird es auch um handwerkliche Ausbildungsberufe mit Zukunft gehen – die sogenannten Greenjobs. Ein sehr wichtiges Element der Veranstaltung, wie Budelmann meint. Die Berufe seien wichtig für unser aller Zukunft, gleichzeitig gebe es aber auch viel weniger Menschen, die eine Ausbildung machen. „Mittlerweile denken alle, sie müssten studieren“, sagt Budelmann. Was er selber nach seinem Abitur machen möchte, weiß er noch nicht genau. „Irgendetwas mit Sport wäre toll“, sagt er. Er könnte es sich aber auch vorstellen, später als Journalist zu arbeiten.

Würde er sich selbst als Klimaaktivist beschreiben? „Ich würde sagen, da gibt es Aktivere als mich.“ Er sei vor Corona regelmäßig auf Fridays-for-Future-Veranstaltungen gewesen, im Großen und Ganzen sieht er aber die Politik in der Verantwortung, Klimaschutz durchzusetzen. „Es gibt sicherlich auch Dinge, die mir bei einer strengen Klimapolitik verboten werden würden“, sagt er. An den Menschenverstand zu appellieren, reiche nicht mehr aus. Ihn ärgert es, dass Corona als größte Krise seit einer Ewigkeit betitelt wird, dabei aber der Klimawandel als dauerhaft präsente und weitreichende Krise ignoriert werde. „Ich glaube nicht, dass Corona eine größere Krise ist“, sagt Budelmann. Er schätzt aber, dass es für viele Menschen leichter sei, weil das Eingeständnis viele Verhaltensänderungen nach sich ziehen müsste. „Ich glaube viele Menschen wollen nicht verzichten, obwohl wir das müssen“, sagt er. Auch deshalb sei es wichtig, darüber nachzudenken, ob das Thema Klimaschutz ein Schulfach werden könnte. „So könnte gerade jungen Menschen ein nachhaltigerer Lebensstil nähergebracht werden“, sagt der Oberstufenschüler, „vielleicht tragen diese die Unterrichtsinhalte dann auch in die Familien.“

Zur Sache

Erster digitaler Schüler-Klimagipfel

Informationen rund um den Klimaschutz und der Dialog von Experten und Expertinnen sowie Schülerinnen und Schülern sollen den Mittelpunkt des Gipfels bilden. Übertragen wird der Stream live aus der Handwerkskammer Bremen. An diesem Dienstag findet die Onlinezusammenkunft zwischen 13 Uhr und 15 Uhr für Jugendliche ab der Klassenstufe acht statt.

Zu hören sind unter anderem Vorträge zum Thema Klimaphysik und dem Treibhauseffekt, sowie zu Szenarien des Klimawandels aus Sicht der Wissenschaft und Berichte von Auszubildenden der sogenannten Greenjobs.

Der Nachmittag soll in verschiedene Themenkomplexe untergliedert werden: Nach dem Klimaphysik-Exkurs werden die Zuhörenden über den aktuellen Anlass sowie die Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung in Kenntnis gesetzt, ehe die aktuelle Situation in Bremen besprochen wird. Zum Abschluss sollen verschiedene Lösungsansätze vorgestellt und diskutiert werden. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sollen die Möglichkeit bekommen, anonymisiert Fragen zu stellen, die der Moderator Jonas Budelmann zur Diskussion stellen wird.

Interessierte Schülerinnen und Schüler können den Livestream auf Youtube auf dem Channel @StreamForFuture verfolgen. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage.

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