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Karstadt und Galeria Kaufhof beteiligt
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200 Beschäftige streiken in der Bremer Innenstadt

Peter Hanuschke 07.06.2019 0 Kommentare

Verdi fordert für die Mitarbeiter im Einzelhandel pro Arbeitsstunde einen Euro mehr Lohn sowie ein tarifliches Mindesteinkommen von 2100 Euro.
Verdi fordert für die Mitarbeiter im Einzelhandel pro Arbeitsstunde einen Euro mehr Lohn sowie ein tarifliches Mindesteinkommen von 2100 Euro. (Peter Hanuschke)

"Wir wollen mehr Kohle sehen, wir wollen mehr Kohle sehen", beziehungsweise "Wir wollen Kollegen sehen, wir wollen Kollegen sehen" – mit diesen Gesangseinlagen haben sich etwa 200 Beschäftigte an diesem Freitagmittag aus dem Bremer Einzelhandel auf dem Hanseatenhof in der Innenstadt bemerkbar gemacht. Sie waren in erster Linie von Karstadt, Kaufhof, Saturn, Real und dem Esprit-Outlet. Spontan schlossen sich auch Mitarbeiterinnen von H&M dem Ausstand an. Unterstützt wurden die Bremer Streikenden unter anderem von Karstadt- und Kaufhof-Kollegen aus Hannover und Bremerhaven. Die Streikenden zogen nach der Kundgebung weiter durch die Innenstadt zum Verdi-Gewerkschaftshaus am Bahnhof.

Während der Kundgebung wurde es zum Teil emotional: "Ich arbeite seit über 48 Jahren bei Karstadt, am 1. September kann ich in Rente gehen", sagte eine Mitarbeiterin durchs Mikrofon. "Ich hatte Tränen in den Augen, als ich meinen Rentenbescheid in den Händen hielt." Deswegen nehme sie an dem Streik teil: "Ich werde keine bessere Rente mehr bekommen, aber ich kämpfe für Euch, damit ihr eine bessere Zukunft habt."

Was auf dem Rentenbescheid stehen wird, wenn sich nichts ändert, machte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Sandra Schmidt deutlich: "800 Euro Rente gibt es meistens am Ende – das ist großer Mist." Etwa 70 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel müssten beim Eintritt in die Rente aufstocken, ergänzte Verdi-Gewerkschaftssekretär Herbert Behrens. "Es darf nicht sein, dass ein Großteil der Beschäftigten nach einem langen und intensiven Arbeitsleben später in Altersarmut leben muss." 

Verdi fordert Mindesteinkommen von 2100 Euro

Verdi fordert für die Mitarbeiter im Einzelhandel pro Arbeitsstunde einen Euro mehr Lohn sowie ein tarifliches Mindesteinkommen von 2100 Euro. Gleichzeitig strebt die Gewerkschaft eine Tariflaufzeit von einem Jahr an sowie eine Allgemeinverbindlichkeit für Tarifverträge.

Dass so frühzeitig mit Warnstreiks begonnen wurde – vergangenen Freitag hatten Beschäftigte aus dem Einzelhandel in Bremen und Niedersachsen auch schon ihre Arbeit niedergelegt, habe einen Grund: "Wir wissen, dass Streik das letzte Mittel ist", so Behrens. "Aber die Arbeitgeber haben nicht einmal ein Angebot abgegeben, über das wir verhandeln können." Diese Art von Nicht-Wertschätzung mache sauer. "Dann zeigen wir eben durch diesen Streik, dass unsere Arbeit mehr Wert ist. Und wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegen, werden weitere Streiks folgen."

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„Die Arbeitgeber signalisieren in anderen Tarifgebieten, dass sie zu keinen Zugeständnissen bereit sind", so Gewerkschaftssekretärin Sandra Schmidt. "Die Kolleginnen und Kollegen sind es leid, als Bittsteller angesehen zu werden, darum wird in Bremen und in Niedersachsen nachgelegt." An die Streikenden gewandt sagte sie: "Ihr seid diejenigen, die die Gewinne der Unternehmen erwirtschaften. Macht euren Kolleginnen und Kollegen Mut, sich für höhere Löhne einzusetzen. Es geht auch um ihre Zukunft."

Karstadt soll in den Flächentarifvertrag zurückkehren

Nach Angaben der Gewerkschaft wurden unter anderem Geschäfte in Osnabrück, Hannover und Braunschweig bestreikt. Was die Karstadt-Mitarbeiter angeht, fordert Verdi, dass das Unternehmen erst recht nach der Fusion mit Kaufhof möglichst schnell in den Flächentarifvertrag zurückkehrt. Bei Karstadt gibt es bisher einen Zukunftstarifvertrag, der die Rückführung in die jeweiligen Flächentarifverträge zu 2021 festschreibe, so Verdi.

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Je nach Arbeitgeber liege man in Bremen und Niedersachsen 14 bis 30 Prozent unter dem Tarifvertrag, sagte eine Streikende. "Ich habe sieben Jahre keine Lohnerhöhung bekommen", so ein Karstadt-Mitarbeiter. "Wenn bei dem Monatseinkommen unvorhergesehene Ausgaben kommen, habe ich ein Problem. Ich kann nur hoffen, dass meine Waschmaschine oder mein Kühlschrank nicht kaputt gehen."

Die nächste Verhandlungsrunde für Bremen und Niedersachsen soll am 17. Juni stattfinden. Ein natürlicher Stichtag, zu dem vielleicht ein Ergebnis feststeht, könnte der Start der Sommerferien sein. Der ist in Bremen und Niedersachsen am Donnerstag, den 4. Juli.

++ Diese Meldung wurde um 13.27 Uhr aktualisiert. ++


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Leserkommentare
holger_sell am 20.10.2019 15:36
Kultur ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und gerade auch in Bremen ein Magnet für den Tourismus.
Außerdem ist Kulturbewusstsein ein großer ...
holger_sell am 20.10.2019 15:30
Jede Politik hat ihre Klientel.
Wollen Sie im Ernst behaupten, dass Menschen, die sich für Kultur interessieren, keine normalen Leute sind ?
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