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DHL schließt Standort in Bremen

Maren Beneke 20.07.2016 8 Kommentare

Ein Paketzusteller der DHL. 
Ein Paketzusteller der DHL.  (dpa)

Die schlechten Nachrichten kamen wenig überraschend. Und trotzdem war es ein Schock, dass es nun endgültig vorbei ist. Der Bremer Standort der DHL Home Delivery GmbH wird zum Ende des Jahres geschlossen. Daran hat die Geschäftsführung der Post-Tochter bei einer Beschäftigtenversammlung am Mittwochmittag keinen Zweifel gelassen. Gut 350 Angestellte verlieren ihren Arbeitsplatz in einer Firma, für die viele von ihnen 15 Jahre und mehr tätig waren.

„Ich mache mir große Sorgen“, sagt Thomas Warner, der als Gewerkschaftssekretär bei Verdi in Bremen den Fachbereich Postdienste verantwortet. Nicht nur, weil seinen Angaben zufolge zwei Drittel der DHL-Home-Delivery-Angestellten schon ältere Arbeitnehmer sind, sondern auch, weil gut 25 Prozent der Gesamtbelegschaft in Teilzeit beschäftigt ist.

DHL Home Delivery hat seinen Bremer Standort im Güterverkehrszentrum (GVZ). Von hier aus wird genau ein Kunde betreut: Amazon. Seit Ende 2013 ist das Unternehmen als Versender für den Konzern tätig. Davor hatten die Mitarbeiter lange Jahre die Waren von Eduscho und später Tchibo auf den Weg gebracht, bevor dieser Auftrag vor etwas mehr als zwei Jahren an das Bremer Unternehmen BLG Logistics verloren ging.

„Für die anderen Mitarbeiter wird es schwer, sehr schwer“

Damit auch größere, sperrige Teile spätestens am nächsten Tag bei den Amazon-Kunden ankommen, werden diese in den großen Hallen im GVZ von den DHL-Angestellten kommissioniert, verpackt und zum entsprechenden Paketzentrum geschickt. Diese Arbeiten werden nach Verdi-Angaben von 330 bis 340 der Beschäftigten erledigt. Dazu kämen noch einmal neun Zusteller, um die sich der Gewerkschaftssekretär allerdings weniger sorgt. Schon in der Vergangenheit hätten viele Home-Delivery-Zusteller zu anderen Töchtern der Post wechseln können. „Für die anderen Mitarbeiter wird es schwer, sehr schwer“, sagt Warner.

Dass am Standort nun 350 Stellen wegfallen, dafür ist DHL genau genommen selbst verantwortlich: Die Post-Tochter hatte den Vertrag mit Amazon nach Gewerkschaftsangaben vor einigen Monaten gekündigt. DHL sah sich nicht mehr imstande, das Geschäft zu den bisherigen Konditionen kostendeckend zu betreiben. „Es konnte keine wirtschaftlich vertretbare Grundlage für eine Verlängerung der Zusammenarbeit am Standort erreicht werden“, sagt eine DHL-Sprecherin, die bestätigte, dass das Aus für Bremen zum Ende des Jahres kommt. Amazon ist bekannt dafür, wo möglich, die Kosten zu drücken. So denkt der Konzern seit Längerem darüber nach, wie er unabhängiger von der Post werden kann, und testet seit einiger Zeit über ein Verteilzentrum in München die eigene Zustellung von Paketen.

Bei DHL Home Delivery in Bremen hatte es offenbar noch Hoffnung auf ein Einlenken gegeben. Denn Warner kritisiert nun, dass man lediglich auf Verhandlungen mit Amazon gesetzt habe, statt die Möglichkeit der Verlagerung von Arbeiten anderer Standorte nach Bremen zu versuchen. Für die Post ist das nach eigenen Angaben nicht darstellbar: „Bestehende Kunden aus anderen Standorten der DHL Home Delivery nach Bremen abzuziehen, würde an diesen Standorten Arbeitsplatzabbau bedeuten, was für uns keine Option darstellt“, sagt die Sprecherin.

Erste Kündigungen seit Mittwoch beim Betriebsrat

Der Vertrag mit dem Handelskonzern läuft bereits zum 31. Oktober aus. In den darauffolgenden beiden Monaten wird es im Bremer Güterverkehrszentrum nur noch darum gehen, alte Warenbestände wegzuschaffen, Regale abzubauen – das Geschäft abzuwickeln.

Die ersten Kündigungen liegen laut Gewerkschaft seit Mittwoch beim Betriebsrat. Dieser war am Nachmittag nicht mehr zu erreichen. Weil viele Angestellte eben schon viele Jahre für DHL arbeiten, sind ihre Kündigungsfristen entsprechend lang. Betriebsrat und Arbeitgeber verhandeln nun darüber, wie es mit den Mitarbeitern weitergeht. Laut DHL und Gewerkschaft können die Beschäftigten an Standorte in Greven, Braunschweig und Staufenberg wechseln. In Greven gebe es dauerhafte Perspektiven, sagt Warner. Dort sei ein Vertrag mit dem dortigen Kunden, einem Teleshopping-Versand, gerade erst verlängert worden. Aber ein Großteil der Mitarbeiter wird wohl eher nicht in Hessen, Südostniedersachsen oder Nordrhein-Westfallen arbeiten wollen. Warner fordert daher: „Wir erwarten von einem Konzern wie DHL, dass den Arbeitnehmern alle möglichen Arbeitsplätze des Konzerns wie zum Beispiel bei der Deutschen Post AG in der Region Bremen/Oldenburg angeboten werden.“ Nach Angaben der Post-Sprecherin ist bereits ein Interessensausgleich verabschiedet worden, in dem Betriebsrat und Arbeitgeber vereinbart haben, den betroffenen Mitarbeitern Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten im Konzern in der Region anzubieten.

In einem sogenannten Einigunsstellenverfahren geht es nun darum, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite einen Sozialplan erarbeiten. Dieser könnte etwa Regelungen zu einer Umzugsvergütung oder Entschädigungszahlen beinhalten. Der erste Verhandlungstermin ist für den 5. August angesetzt.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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