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Behörde kündigt endgültige Schließung an
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Ende des Brill-Tunnels: Beton statt Disco

Michael Brandt 15.04.2010 0 Kommentare

Die Tunneleingänge sind heute noch sichtbar und nur provisorisch abgesperrt. Nach dem Aus für die Disco-Pläne soll der B
Die Tunneleingänge sind heute noch sichtbar und nur provisorisch abgesperrt. Nach dem Aus für die Disco-Pläne soll der B (Frank Thomas Koch)

Bremen. Beton statt Musik im Untergrund. Die Pläne, im provisorisch geschlossenen Brill-Tunnel eine Disco einzurichten, sind vom Tisch. Laut Investor Sven Seling sind die Ablehnung des Beirats und die hohen Auflagen der Stadt letztlich schuld an dieser Entscheidung. Das Bauressort kündigt an, dass der Tunnel jetzt endgültig geschlossen werden soll. Bislang sind die Tunneleingänge lediglich mit Spanplatten verbarrikadiert worden.

Sven Seling, der in Bremen mehrere gastronomische Betriebe führt, hat den Widerstand gegen das Projekt als zu groß empfunden. Seit Anfang 2009 wird darüber nachgedacht, den Hohlraum unter der zentralen Innenstadt-Kreuzung für Tanz zu nutzen. Anfangs war auch noch die Rede davon, hier möglicherweise den legendären Beat-Club wieder aufleben zu lassen. Doch im November machte der Beirat Mitte klar, dass die Skepsis der Kommunalpolitiker überwiegt.

Dennoch hatte der Gastronom Seling jetzt von der Bremer Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFB) einen Vertragsentwurf zugeschickt bekommen -offenbar mit hohen Ansprüchen, die Seling sofort an Rückzug denken ließen. Es habe sich um eine derartige Vielzahl von Punkten gehandelt, dass ihm eine Einigung unwahrscheinlich erschien. Dabei ging es unter anderem um die Frage der Parkplätze und die Gestaltung der Disco-Eingänge. Baulich, ist Sven Seling überzeugt, hätte sich das Vorhaben trotz einiger Schwierigkeiten realisieren lassen.

Bereits im Herbst hatte die Baubehörde den Brilltunnel mit Spanplatten vernageln lassen. Grund waren die wenigen Passanten, die den Tunnel noch nutzten, und gleichzeitig die hohen Betriebskosten für die dortigen Rolltreppen. Jetzt soll der unterirdische Durchgang 'so schnell wie möglich' dauerhaft verschlossen werden. Wie dies genau umgesetzt werden soll, ist laut Michael Ortmanns, Sprecher des grünen Bausenators Reinhard Loske, noch unklar. Allerdings kündigt er an, dass das Ressort vor der Sommerpause ein Konzept zur Umgestaltung der Brill-Kreuzung vorlegen wird. Wie berichtet, sollen dabei unter anderem die Ampelphasen für die Fußgänger und Radfahrer verlängert werden.

Müll in den Eingängen

Die grüne Baupolitikerin Karin Krusche pocht nun darauf, dass die 'schrecklichen Treppen', die heute noch bis zu den Tunnel-Absperrungen hinunterführen, unverzüglich verschwinden. Grund: Die Abgänge werden von Passanten offenbar dazu genutzt, dort einfach ihren Müll loszuwerden. So kann es ihrer Meinung nach keine Lösung sein, die Spanplatten durch Beton oder Stein zu ersetzen, die Abgänge müssten eingeebnet werden. Und auch die 'hässliche Lüftungsanlage' sollte nach Ansicht der Bürgerschaftsabgeordneten schon sehr bald abmontiert werden. Dies müsse dann ein erster Schritt für ein neues Konzept für die Brill-Kreuzung sein, fordert sie.

Wie berichtet, arbeiten Stadtplaner seit vergangenem Herbst an einem Plan, wie die Innenstadt und das Stephani-Quartier enger verbunden werden können. Dabei geht es um die Neugestaltung der sogenannten AOK-Kreuzung (Bürgermeister-Smidt-Straße/Am Wall) samt Abriss der dortigen Hochstraße, um eine verbesserte Verbindung der Schlachte-Teilstücke und der Langenstraße und schließlich zentral um die Brillkreuzung. Hier sollten die Radfahrer eigentlich schon im Frühjahr rot hervorgehobene Fahrstreifen und eigene Ampeln bekommen. Der Projektstart sei aber aufgrund der Winters verschoben worden, heißt es.

Experiment endet nach 42 Jahren

Mit der endgültigen Versiegelung des Brill-Tunnels endet ein Experiment der Stadtentwicklung nach knapp 42 Jahren. Die Fußgänger-Unterführung war im Oktober 1968 eröffnet worden und hat damals Menschenströme angelockt. Die ersten Beurteilungen waren euphorisch. Das Bild von damals unterschied sich jedoch deutlich von dem, was Passanten in den vergangenen Jahren vor Augen hatten. Einst befanden sich hier sieben Kioske, Imbisse, Telefonhäuschen, Zugänge zu Kaufhäusern und eine 60 Meter lange Schaufensterfront. Doch schon 20 Jahre später wandelte sich die Realität, der Tunnel wurde zum Revier für Taschendiebe, es gab Überfälle und die Unterführung wurde zum gemiedenen Angst-Ort. Das endgültige Ende zeichnete sich bereits ab, als 1999 die Sparkasse am Brill ihren Tunneleingang schloss. Zuletzt hatte allein der Kiefert-Imbiss an dieser Stelle ausgeharrt und Bratwürste für eilige Esser angeboten.

Sven Seling - Chef der Gaststätten Paddy's Pit, Loft und Red Rock - reagiert trotz der Planungs-Pleite mit der Brill-Disco nicht verstimmt. Er will weiterhin in Bremen neue Projekte angehen. 'Wir wollen wieder etwas Neues machen.' Drei mögliche Projekte, sagt er, befinden sich derzeit 'in der Pipeline'.


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Leserkommentare
kkahle am 21.10.2019 15:04
Achtung, Achtung!
Der kleine Jan hat sich im Internet verlaufen und sucht jetzt seine Mutti.
Wer ihm begegnet, möge ihm den Weg nach ...
suziwolf am 21.10.2019 15:04
Weit weg ... @Jubi ... ist Erdogan.

Nicht nur geografisch, sondern auch
,Ihrer Vorfreude entsprechend‘ 🙀 !

Und, wenn ...
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