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Bremer Frauenaktienclub „Das Vierte K“
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Gekommen, um zu kaufen

Maren Beneke 28.01.2017 1 Kommentar

Aktuell hat der Bremer Frauenaktienclub 14 Mitglieder, die zwischen 45 und 80 Jahre alt sind. Die Frauen investieren per Mehrheitsentscheid gemeinsam in Aktien, Anleihen oder ETFs.

Frauenaktienclub
Business Talk: Die Mitglieder von „Das Vierte K“ bei einem ihrer Treffen im Restaurant Goedeken′s. (Christina Kuhaupt)

Viel Überzeugungsarbeit muss Grit Dierks-Meyer an diesem Abend nicht leisten. Roboter und Automation, das ist die Zukunft. Das wissen auch die Mitglieder des Frauenaktienclubs „Das Vierte K“. Wenige Minuten und ein paar Schlüsselbegriffe reichen Dierks-Meyer daher, um die Vorzüge eines noch relativ jungen ETFs zu umreißen.

Smarte Fabriken mit vernetzten Maschinen – Unternehmen, die sich mit dem Thema Industrie 4.0 auseinandersetzen, sind gefragt. Ein Erfolg, an dem die Frauen teilhaben wollen: Alle zeigen auf, ein Investment in den ETF – einen börsengehandelten Fonds, der die entsprechenden Unternehmen aus den Bereichen Roboter und Automation nachbildet – ist damit beschlossene Sache.

Seit 1998 gibt es den Club

Es ist Dienstagabend. In der oberen Etage des Restaurants Goedeken‘s sitzen elf Frauen rund um einen großen Tisch. Viel Platz, den sie brauchen. Denn vor sich ausgelegt haben die Damen komplizierte Charts und Kurstabellen. Dass jede von ihnen Stift, Papier und Ordner zum Abheften dabei hat, ist selbstverständlich. Aufmerksamkeit und Ordnung sind essenziell. Denn am Ende des Abends geht es um Geld, um ihr Geld.

Seit 1998 gibt es den Aktienclub „Das Vierte K“. Über eine Zeitungsannonce rief eine Bank damals Frauen dazu auf, sich zu melden, um einen Club zu gründen. „Das Vierte K“ startete mit 29 Mitgliedern. „Niemand kannte sich“, erinnert sich Dierks-Meyer. Sie ist Gründungsmitglied und Geschäftsführerin des Aktienclubs, der sich mittlerweile von dem Geldinstitut losgesagt hat. Warum sie sich damals für einen reinen Frauenclub entschieden hat?

„In gemischten Clubs dominieren die Männer – das ist einfach so“, sagt Dierks-Meyer. Benannt hat sich der Club einst nach einer Abwandlung der drei K (Kinder, Küche, Kirche), die die soziale Rolle der Frau nach konservativen Wertevorstellungen beschreibt. Die Mitglieder des Aktienclubs fügten ein weiteres K hinzu: Kapital – und legten den Konservatismus damit ad acta.

Gemeinsame Investitionen

Die Idee, die hinter Aktienclubs wie „Das Vierte K“ steht, ist immer dieselbe: Die Mitglieder wollen gemeinsam investieren. Dazu parken sie ihr Geld auf einem Gemeinschaftskonto und platzieren – je nach gemeinsam getroffener Entscheidung – entsprechend größere oder kleinere Investitionen in Aktien, Anleihen oder ETFs.

Besonders in den 1990er-Jahren wurden viele Clubs gegründet. Das war die Zeit, in der die Börse dank Papieren wie der T-Aktie auch für Privatanleger interessant wurde. Doch genau wie sich die damalige Börseneuphorie gelegt hat, ist auch die Zahl der Aktienclubs gesunken. Wie viele heute noch existieren, lässt sich nicht genau sagen.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) betreut nach eigenen Angaben circa 500 Aktienclubs, laut Schätzungen könnte es bundesweit mehrere Tausend geben. Darunter sehr große Clubs, wie etwa der „Aktien Club Coeln“, der mehrere Millionen Euro verwaltet und daher unter die Aufsicht der Bafin fällt. Oder eben kleinere Clubs wie „Das Vierte K“.

Alle vier Wochen Beratungen

Aktuell hat der Bremer Frauenaktienclub 14 Mitglieder, die nach Angaben der Geschäftsführerin zwischen 45 und 80 Jahre alt sind. Sie sind Lehrerinnen oder Sekretärinnen, auch eine Vorstandsvorsitzende war mal dabei. Ihre Namen möchten die Frauen aber nicht in der Zeitung lesen.

Alle vier Wochen kommen sie bei Goedeken’s in Horn zusammen, um dort über ihre Strategie zu beraten. Dierks-Meyer versichert, dass immer mindestens zehn Teilnehmerinnen bei diesen Treffen dabei sind – denn passive Mitglieder, die ihr Geld nur verwalten lassen, das sehen die Frauen gar nicht gern.

An diesem Dienstag gibt es zunächst einmal etwas zu feiern: Mit einem Glas Sekt wird auf den Geburtstag einer der Damen angestoßen. Es soll der letzte Alkohol gewesen sein, der an diesem Abend getrunken wird. Die elf Frauen, die sich eingefunden haben, trinken Wasser, Tee und Apfelschorle. Nichts soll sie ablenken.

Einrichtung eines E-Mail-Verteilers

Geschäftsführerin Dierks-Meyer eröffnet das Treffen. „Wir leben in einer hektischen Zeit, in der wir immer wieder handeln müssen“, sagt sie. Der Brexit, die Wahl des US-Präsidenten Donald Trump, das Referendum in Italien – auch wenn die Börsen ruhig auf diese Entscheidungen reagiert hätten, gebe es auf lange Sicht gesehen doch erhöhte Risiken.

 „Bislang war es ein Vorteil, dass wir uns nur alle vier Wochen getroffen haben“, sagt die Geschäftsführerin. Nun müsse aber darüber nachgedacht werden, ob ein E-Mail-Verteiler eingerichtet wird, auf dessen Basis Entscheidungen über den Verkauf oder Kauf von Aktien getroffen würden.

Was der Club darf und was er nicht darf, ist in einem Gesellschaftsvertrag streng geregelt. Entschieden wird immer mit einer Mehrheit. Derzeit liegt das verwaltete Vermögen von „Das Vierte K“, wie viele andere Aktienclubs eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, bei ungefähr 280 000 Euro. Wer Mitglied werden möchte, muss nicht nur eine Frau sein, sondern mit mindestens 10 000 Euro auch das nötige Geld mitbringen. Monatlich kommen dann noch einmal 50 Euro als Einlage auf dem Gemeinschaftskonto dazu.

Pro Papier eine Patin

Nach gut einer halben Stunde werden die Begriffe am Tisch technischer. Aktie für Aktie, ETF für ETF wird das Portfolio durchgegangen. Pro Papier gibt es immer eine Patin, die die jeweilige Entwicklung der vergangenen Wochen präsentiert und einen Ausblick gibt. Ein großer Autobauer hat seinen Absatz in Deutschland weiter steigern können.

In China droht eine Immobilienblase zu platzen. Ein großer Logistiker hat den Zuschlag für einen größeren Auftrag in Polen bekommen. Basierend auf Wissen wie diesem entscheiden die Frauen, ob sie halten, verkaufen oder vielleicht sogar Anteile zukaufen wollen. Derzeit hat „Das Vierte K“ mehr als 20 Papiere im Portfolio, deren Kursentwicklung permanent überwacht wird.

In den Mappen, die die Mitglieder vor sich liegen haben, sind Kursverläufe, Veröffentlichungen von Fachportalen und Experten sowie das Börsentableau aus der Zeitung abgeheftet. Jeden noch so kleinen Ausschlag an den Märkten beobachten die Frauen. „Wir wissen mehr als ein normaler Bankberater“, sagt die Geschäftsführerin. Kurzschlussentscheidungen werden trotzdem nicht getroffen. Denn abgestimmt wird erst, wenn der Aktienclub wieder zusammenkommt.

Genaue Rendite bleibt unbekannt

„Man handelt besonnen“, sagt Dierks-Meyer. „Und unterm Strich ist das Ergebnis am Ende besser.“ Zumindest bis jetzt. Als Jahresziel haben die Frauen ausgegeben, die Wertentwicklung des Dax schlagen zu wollen – 2016 lag dieser bei sieben Prozent. Nach eigenen Angaben haben sie dieses Ziel jedes Mal erreicht. Wie hoch ihre Rendite genau ausfällt, behalten die Frauen für sich.

Ein weiterer Vorteil eines Aktienclubs: Entscheidungen werden nicht allein, sondern nur mit Zustimmung einer Mehrheit getroffen. Läuft es gut, dann sind immer alle dafür verantwortlich. Geht etwas schief, gilt das genauso. Auf die Probe wurde „Das Vierte K“ in der Vergangenheit gleich mehrfach gestellt: beim Zusammenbruch des Neuen Marktes, während der Börsenturbulenzen nach den Anschlägen auf das World Trade Center sowie durch die Folgen der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und der anschließenden Finanzkrise.

 „Als wir uns nach dem 11. September das erste Mal wieder getroffen haben, waren wir uns alle einig: Das ist nicht der Zeitpunkt, um über Geld zu reden“, erinnert sich Dierks-Meyer. Stattdessen habe man damals beschlossen, einen Kulturclub zu gründen, das „Fünfte K“ war geboren. Seitdem treffen sich die Frauen zu Ausstellungsbesuchen oder Kochkursen – Anwesenheit ist keine Pflicht.

Bessere Ergebnisse durch Vertrautheit

Und erst dieser Austausch hat dazu geführt, dass die Mitglieder, natürlich erst nach Mehrheitsbeschluss, nach Jahren des Siezens zum Du übergegangen sind. Eine Vertrautheit, die dem Aktienclub noch einmal bessere Ergebnisse bringt, sind sich die Frauen sicher. „Man weiß nun: Wenn man mal keine Zeit hat, um zu den Treffen des Aktienclubs zu kommen, dann wird da trotzdem kein Blödsinn gemacht“, sagt eine Teilnehmerin.

Die Gläser auf den Tischen sind mittlerweile geleert, gut zwei Stunden haben die Frauen diskutiert und abgestimmt. Dierks-Meyer wird sich in den nächsten Tagen auf den Weg zur Bank machen, um dort die entsprechenden Order weiterzugeben. „Wir wollen unser Geld vermehren“, sagt eine der Damen. Aber nicht nur das: „Wir haben einen unheimlichen Wissensdurst. Das Wissen über Aktien verbindet uns mit der Welt.“

Männern bleibt der Zutritt zu „Das Vierte K“ auch nach knapp zwei Jahrzehnten verschlossen. Aber Frauen, die das entsprechende Startkapital mitbringen, sind jederzeit willkommen. Einen Computer müssten sie haben und bereit sein, einige Stunden pro Woche zu recherchieren. „Ohne Disziplin geht es nicht“, sagt Dierks-Meyer. „Wir haben alle eine unheimliche Disziplin, auch wenn wir fröhlich sind.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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