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Lange Nacht der Industrie in Bremen
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Mensch und Maschine

Nikolai Fritzsche 13.11.2015 0 Kommentare

Es ist ein ungleiches Duell: Auf der einen Seite Hauke Dählmann, knapp 1,80 Meter groß, ihm gegenüber ein orangefarbener Roboter, der den Ingenieur bei Weitem überragt. Stärker ist die Maschine auch, das beweist der Motorblock, den sie hält. Und doch scheint der Roboter vor dem Ingenieur zurückzuschrecken. Wenn Dählmann ihm zu nahe kommt, verfällt er in Schockstarre. Entfernt Dählmann sich, setzt er sich wieder in Bewegung.

Johannes Gerweler, Thyssen-Krupp-Azubi im zweiten Lehrjahr, zeigt den Besuchern das Werkzeug Fräsmaschine.
Johannes Gerweler, Thyssen-Krupp-Azubi im zweiten Lehrjahr, zeigt den Besuchern das Werkzeug Fräsmaschine. (frank thomas koch)

Schwarz-gelbes Klebeband ist auf dem Boden der Fabrikhalle von Thyssen-Krupp System Engineering in Bremen-Farge angebracht. Zwanzig Menschen umringen Dählmann und den Roboter, beobachten ihren Tanz. Der Roboter bleibt wieder stehen, diesmal nicht, weil der Ingenieur ihm zu nahe gekommen wäre. Von den Signalleuchten, die an einem Stab angebracht sind, leuchtet nun die weiße. „Jetzt darf ich“, sagt Dählmann, und überquert die schwarz-gelbe Grenze.

Wenn der Roboter nicht bei Thyssen-Krupp stünde, sondern in einer Fabrikhalle von Ford, wo er in ein, zwei Jahren arbeiten soll, wäre jetzt der Moment gekommen, in dem Mensch und Maschine interagieren. An Dählmanns Stelle stünde ein Arbeiter, und er würde nicht nur so tun, als würde er etwas an dem Motorblock machen, sondern tatsächlich eine Schraube anbringen oder einen anderen Arbeitsschritt vollführen. Wenn das so wäre, dürfte man vermutlich auch Fotos machen. Hier ist das verboten, die sechzig Besucher mussten Handys und Kameras im Bus lassen, bevor sie sich in Gruppen auf den Weg durch die Produktionshallen machten. Für die Presse gilt überall dort, wo Prototypen in der Nähe sind, das Gleiche.

Hans-Jürgen Templin erklärt Familie Brocke, wie Thyssen-Krupp die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine vorantreibt.
Hans-Jürgen Templin erklärt Familie Brocke, wie Thyssen-Krupp die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine vorantreibt. (frank thomas koch)

„Früher haben wir Roboter in Käfige gesperrt, damit sie uns nichts tun“, hat Hans-Jürgen Templin zuvor gesagt. Er leitet die Abteilung Konstruktion und Montage, zu der Hauke Dählmann gehört. Statt eines Käfigs umringen vier handballgroße Scanner den Roboter am Boden, sie überwachen den abgeklebten Bereich. Damit die Arbeit in den Produktionshallen von Herstellern wie Ford noch schneller geht, sollen Mensch und Maschine künftig nicht mehr getrennt arbeiten, sondern parallel.

Fertigungsanlagen für Automobilhersteller sind der Schwerpunkt der Firma, Ford ist einer ihrer größten Kunden. Und einer der ältesten – nur eine Bremer Fahrzeugmarke, die es erst seit Kurzem wieder gibt, beauftragte das Unternehmen, das damals noch nach seinem Gründer Johann A. Krause hieß, noch früher. Eine Maschine aus Farge fertigte die Klappen für die Handschuhfächer der Borgward Isabella. 100 Mitarbeiter hatte die Firma damals, heute sind es allein am Bremer Standort 827. Fünf weitere Standorte hat das Unternehmen allein in Deutschland.

Die Anlagen, die in Bremen hergestellt werden, sind Produktionslinien für Motoren, Getriebe oder Achsen. Fünf bis sechs davon baut die Firma im Jahr, 20 Millionen kosten sie im Schnitt. Gerade sind zwei Anlagen ausgeliefert worden, deshalb sind die Hallen relativ leer. Trotzdem findet Vico Brocke den Rundgang „spannend und informativ“. Der 17-Jährige ist mit seinem Vater und seiner Schwester gekommen. „Ganz sicher“ will er später Ingenieur werden. „Mein Vater arbeitet bei Airbus, ich habe das im Blut.“

Lutz, Vico und Livia Brocke versuchen in der Ausbildungswerkstatt von Thyssen-Krupp, das Rätsel des Stahlwürfels zu lösen. 
Lutz, Vico und Livia Brocke versuchen in der Ausbildungswerkstatt von Thyssen-Krupp, das Rätsel des Stahlwürfels zu lösen.  (frank thomas koch)

Lutz Brocke ist nicht der einzige Fachmann unter den Besuchern, viele sind angehende Wirtschaftsingenieure. Die Fragen, die sie stellen, sind entsprechend detailliert: „Mit welchem Programm ist diese 3D-Simulation geschrieben? Wie viel Toleranz hat der Roboter bei der Taktung?“

Am Ende des Rundgangs erzählt Personalchef Horst Merten, dass die Witwe des Firmengründers immer noch neben dem Firmengelände wohnt. Die Tradition, dass die Mitarbeiter bei Siegen von Werder Bremen Bier aufs Haus bekommen, gibt es angeblich aber schon lange nicht mehr.


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
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