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Was Chefs von Sportlern lernen können
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„Niederlagen sind wichtig“

Stefan Lakeband 14.11.2016 0 Kommentare

Ultraläufer Norman Bücher
"Nach 700 Kilometern in zwei Wochen zwickt es im Oberschenkel": Ultraläufer Norman Bücher unterwegs in der Atacama-Wüste in Chile. (Christian Frumolt)

Herr Bücher, was ist einfacher: einen Marathon laufen oder ein Unternehmen führen?

Norman Bücher: Ein Unternehmen führen ist manchmal auf jeden Fall anspruchsvoller als einen Marathon zu laufen. Das hängt aber natürlich auch immer von den persönlichen Zielen ab. Laufe ich den Marathon auf Geschwindigkeit und mit einer Wunschzeit oder doch eher gemütlich? Genauso ist es ein Unterschied, ob ich einen Konzern führe oder einen kleinen Mittelständler.

Ohne Training geht es in beiden Fällen aber nicht.

Wenn ich mich auf einen Ultralauf vorbereite, laufe ich pro Woche 120 bis 180 Kilometer. Wenn ich von einer Expedition zurückkomme, gönne ich mir eine Erholungsphase und laufe nur 50 bis 70 Kilometer in der Woche. Genauso muss auch ein Unternehmer seinen Job trainieren. Wer ein Unternehmen und Mitarbeiter führt, braucht gewisse Eigenschaften, die auch ein Ultraläufer benötigt.

Welche sind das?

Das fängt mit der Vision an: Worum geht es mir eigentlich? Was ist die Botschaft, die ich als Unternehmer vermitteln möchte? Auch das eigene Motiv muss man hinterfragen. Im Grunde geht es um Durchhaltevermögen, eine klare Zielsetzung, Ausdauer.

Wie setzt man sich ein gutes Ziel?

Man braucht eine Identifikation. Selbst wenn es vom Unternehmen vorgeschrieben wird, brauche ich einen persönlichen Bezug. Dadurch wird man motiviert. Außerdem muss die Mischung stimmen. Man braucht große Ziele, aber auch kleinere. Gewissermaßen Etappen auf dem Weg zum Ziel.

Und was machen Sie, wenn es nicht klappt?

Niederlagen sind wichtig. Den Umgang mit Rückschlägen muss man aber lernen. Wenn man einen Marathon läuft, läuft nicht immer alles nach Plan. Genauso, wenn man in ein unternehmerisches Projekt eingespannt ist. Es kommt Gegenwind auf. Davon darf man sich aber nicht entmutigen lassen. Man muss die Niederlage analysieren: Was ist schief gegangen und warum? Wer im Team arbeitet, darf die Niederlagen auch nicht totschweigen. Trotzdem sollte man sich nicht zu lange mit dem Rückschlag aufhalten.

Ultraläufer Norman Bücher
Ultraläufer Norman Bücher (Christian Frumolt)

Was war Ihre letzte Niederlage?

Ich war vor zwei Wochen im Iran und wollte die Kavir-Wüste zu Fuß von Nord nach Süd durchqueren. Nach nicht einmal 20 Kilometern haben mich aber zwei Polizisten angehalten und mir verboten, weiterzulaufen. Angeblich aus Sicherheitsgründen. Die Reise war vorbei, ich bin gescheitert. Jetzt hake ich diese Niederlage aber ab und konzentriere mich auf meine Projekte in 2017. Nach vorne schauen und neue Ziele setzen – das ist wichtig.

Müssen Manager, die Ihre Ratschläge beherzigen wollen, selbst sportlich sein?

Überhaupt nicht. Ich will niemanden zum Laufen motivieren. Mir geht es um etwas ganz anderes: Ich will die Parallelen zwischen Extremsport und Business aufzeigen.

Als Ultraläufer sind Sie oft über Tage alleine unterwegs. Sollten auch Chefs Einzelkämpfer sein?

Wenn ich durch die Wüste oder den Dschungel laufe, dann sieht es so aus, als sei ich alleine, ein einsamer Wolf. Hinter mir steht aber ein ganzes Team: Eine Agentur organisiert meine Vorträge, jemand kümmert sich um Social Media. Vor Ort sind dann oft ein Fotograf und ein Kameramann. So eine Expedition ist eine Unternehmung. Es geht nicht nur darum, von A nach B zu laufen.

Wird Ihnen nicht langweilig, wenn Sie tagelang vor sich hinlaufen?

Für mich ist es gewonnene Zeit. In zwei Wochen Wüste habe ich sehr viel Muße über mich und meine Projekte nachzudenken. Diese Zeit habe ich im Alltag eher selten.

Also ist das Entspannung für Sie?

Vom Kopf her auf jeden Fall. Du hast nicht die Reizüberflutung des Alltags mit Familie, Job, Finanzen. Wenn ich unterwegs bin, besteht mein Fokus aus Laufen, Essen und Schlafen. Die Welt könnte untergehen, ich würde es in der Wüste nicht merken. Meine Strapazen sind dann eher körperlicher Natur. Nach 700 Kilometern in zwei Wochen zwickt es im Oberschenkel oder die Wade tut weh.

Sie waren früher Unternehmensberater. Warum haben Sie überhaupt damit aufgehört?

Das war ein Prozess über mehrere Jahre. Es gab den Betriebswirt Norman Bücher und den Abenteurer und Läufer. Dann hat mir mein Bauchgefühl gesagt, dass die Leidenschaft ganz klar beim Sport und beim Abenteuer ist. Ich habe mich dann dazu entschieden, zu kündigen und mich als Extremsportler selbstständig zu machen. Ich hatte ein klares Ziel und das habe ich umgesetzt. Dabei habe ich aber nicht nur auf meinen Verstand gehört, sondern auch auf mein Herz.

Das Interview führte Stefan Lakeband.

Norman Bücher war früher Unternehmensberater und ist heute Ultraläufer. In Australien ist er etwa in 15 Tagen 1120 Kilometer durch das Outback gelaufen. Über seine Läufe schreibt der 38-Jährige Bücher und hält Vorträge.
 
An diesem Dienstag, 15. November um 19 Uhr, spricht Norman Bücher in Bremerhaven auf Einladung der Bremer Existenzgründungsinitiative und der der Wirtschaftsjunioren Bremerhaven. Im Timeport II in der Barkhausenstraße 2 erklärt er, wie Unternehmer mit Disziplin und Ausdauer ihre Ziele besser erreichen können. Der Eintritt ist frei, Anmeldung per Mail an schmidt(at)handelskammer-bremen.de.

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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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