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Bremer Modeunternehmen ist pleite
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Stunde Null für Zero

Stefan Lakeband und Maren Beneke 01.04.2016 3 Kommentare

Die Geschäfte gehen zunächst ganz normal weiter, doch für viele Mitarbeiter des Modeherstellers Zero dürfte der Freitag ein Schock gewesen sein – an diesem Tag haben sie erfahren, dass das Unternehmen mit Hauptsitz in der Bremer Überseestadt Insolvenz angemeldet hat.

Der Fabrikverkauf von Zero in Bremen-Habenhausen. Den Modefirmen macht zu schaffen, dass immer mehr Kunden ihre Kleidung im Internet bestellen.
Der Fabrikverkauf von Zero in Bremen-Habenhausen. Den Modefirmen macht zu schaffen, dass immer mehr Kunden ihre Kleidung im Internet bestellen. (Karsten Klama)

Zero ist vor allem für Frauenmode bekannt. Das Unternehmen wurde 1967 gegründet, es entwirft, produziert und verkauft Kleidung. Etwa 120 Filialen betreibt die Kette, zwei davon in Bremen im Weser-Park und in Habenhausen, sowie 290 Shops in Kaufhäusern. Experten der Bremer Rechtsanwaltskanzleien Willmerköster und Schultze & Braun wurden als Insolvenzverwalter bestellt. Nach ihren Angaben sind die Löhne und Gehälter der gut 1000 Mitarbeiter bis Ende Mai gesichert. Allein in der Hansestadt arbeiten 255 Menschen für Zero.

„Seit diesem Freitag laufen die internen Gespräche“, sagte ein Sprecher von Willmerköster dem WESER-KURIER. „Es geht gerade erst los.“ Sowohl bei der Geschäftsführung als auch bei den Mitarbeiter und den Insolvenzverwaltern bestehe viel Gesprächsbedarf. Zuletzt lag der Jahresumsatz nach Unternehmensangaben bei etwa 100 Millionen Euro. Die zuständige Gewerkschaft Verdi war am Freitagnachmittag nicht mehr für eine Stellungnahme erreichbar.

Kunden kaufen online

Die Schieflage des Bremer Modeunternehmens begründen die Insolvenzverwalter mit „gravierenden Veränderungen innerhalb der Modebranche“. Diese habe zu hohem Wettbewerbsdruck geführt – und zu Umsatzrückgängen im mittleren Marktsegment, zu dem Zero sich zählt. „So drängen zahlreiche internationale Modekonzerne auf den deutschen Modemarkt, gleichzeitig ist der Preisdruck durch Fashion-Discounter gestiegen“, heißt es in einer Mitteilung. Darüber hinaus habe sich das Konsumverhalten der Kunden in den vergangenen Jahren stark verändert. Statt im stationären Handel werde immer mehr online gekauft.

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Diese Entwicklung hat auch Nathalie Rübsteck beobachtet, die Geschäftsführerin vom Handelsverband Nordwest. „Gerade Mode aus dem mittleren Preissegment funktioniert sehr stark über das Internet“, sagt sie. Im unteren Marktsegment, zu dem Rübsteck Ketten wie Primark, H&M oder C&A zählt, lohne sich Online-Handel dagegen eher nicht. Vielen Kunden sei der Aufwand zu hoch. Auch bei den höherklassigen Marken wird der Handelsexpertin zufolge eher der Gang ins Geschäft angestrebt: „Die Kunden legen Wert auf individuelle Beratung, dabei kommt es ihnen dann nicht auf jeden Euro an.“ Den Unternehmen aus dem mittleren Preissegment macht nach Einschätzung von Rübsteck zusätzlich zu schaffen, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Marken auf dem deutschen Markt in Konkurrenz zueinander getreten sind.

Modebranche unter Druck

Peter Schöler, bei der Handelskammer Bremen als Vize-Präses für den Bereich Einzelhandel zuständig, spricht indes von einer „Entweder-Oder-Gesellschaft“, die sich in den vergangenen Jahren etabliert habe: „Die Leute kaufen Kleidung ganz billig ein, damit sie weiter konsumieren können. Oder sie kaufen Qualität.“ Zero liege mit seiner Positionierung dazwischen. „Um in diesem Wettbewerb bestehen zu können, braucht man ein klares Profil.“

Zero ist nicht das erste Unternehmen, das den hohen Druck am Markt schmerzhaft zu spüren bekommt. Erst in der vergangenen Woche hat der Modekonzern Steilmann einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Er ist unter anderem an den deutschlandweit mehr als 170 Adler-Bekleidungsmärkte beteiligt. Die Pleite kam für viele Experten nicht sonderlich überraschend: Vor gerade einmal fünf Monaten war der Steilmann-Konzern an die Börse gegangen – allerdings mit einem holprigen Start. Auch bei vielen anderen bekannten Modemarken liefen die Geschäfte zuletzt schlechter als erwartet. Die Traditionsmarke Gerry Weber kündigte im Februar an, jede zehnte von circa 7000 Stellen zu streichen. Auch Hugo Boss und Tom Tailer aus Hamburg haben ähnliche Probleme.

Mitarbeiter bangen um Jobs

„Wir haben verschiedene Ansätze vorangetrieben, um die Firmengruppe in einem schwierigen Branchenumfeld neu auszurichten“, teilte Reinhard Fischer mit, der geschäftsführende Gesellschafter der ­Zero-Gruppe. Das habe aber nicht geholfen. „Nach einem erneut negativen Geschäftsergebnis im Jahr 2015 und einem schwachen Geschäftsverlauf im ersten Quartal 2016 mussten wir letztlich erkennen, dass wir nicht mehr in der Lage sind, die nötigen Mittel zur umfangreichen Sicherung der Gruppe aufzubringen.“

In den kommenden Wochen soll der Betrieb in den Geschäften ganz normal weitergehen, versichern die Insolvenzverwalter. Doch die Mitarbeiter müssen seit Freitag um ihre Jobs bangen.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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