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Zwei Bremer Manufakturen unter einem Dach

Katja Nonnenkamp 21.06.2015 0 Kommentare

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Die Geschäftsführer Jürgen Betz (l.) und Wigmar Bressel haben ein Faible für schöne Uhren und Silberware.

Was haben edles Silberbesteck und mechanische Uhren gemeinsam? Sie sind seit Ende vergangenen Jahres in der Bremer Neustadt unter einem Dach zu Hause. Koch & Bergfeld fertigt seit 1829 Silberwaren in jeglicher Form. Den Namen Borgward verbindet man hingegen mit Oldtimern, seit Sonnabend werden aber auch offiziell Uhren unter dieser Marke in Bremen hergestellt. Damit wird eine fast vergessene Tradition wieder aufgegriffen.

1939 hat der Automobilfabrikant und Ingenieur Carl F. W. Borgward die Marke in Bremen gegründet. Größter Verkaufserfolg in der Mittelklasse war das 1954 vorgestellte Coupé „Isabella“. Jeder, der einen Borgward besaß und 100.000 Kilometer unfallfrei fuhr, bekam nicht nur eine Urkunde und Plakette, sondern auch eine rein mechanische Uhr. „Aber das wurden dann ziemlich schnell sehr viele Autofahrer, sodass Borgward nur noch die Plaketten aushändigte“, erzählt Jürgen Betz, Geschäftsführer der Borgward Zeitmanufaktur. Der gelernte Werkzeugmacher und Maschinenbautechniker ist sechs Jahre Produktionsleiter der ältesten Zifferblattfabrik in Deutschland gewesen – und er fährt auch selbst einen Borgward. Einen restaurierten Hansa 1100 Goliath Kombi, wie er erzählt: „Ich habe früh begonnen, zur Marke Borgward zu recherchieren, denn es gab die Autos ja seit 1963 nicht mehr.“ Dabei habe er festgestellt, dass in der Warengruppe „Uhren, Schmuck und Brillen“ das Warennutzungsrecht für die Marke Borgward ausgelaufen sei. Das kam dem Uhrenproduzenten sehr gelegen: 2002 hat er sich die Marke schützen lassen. „Es hat weitere acht Jahre gedauert, bis der Vertrieb der Uhren unter dem Namen Borgward beginnen konnte“, erzählt er. Produziert wurde und wird im südbadischen Efringen-Kirchen. Die Nähe zur Schweiz ist bei hochwertigen Uhren ein großer Standortvorteil. Warum aber nun auch Bremen?

Hier kommt die Silbermanufaktur Koch & Bergfeld ins Spiel. „Verbindungen dieser beiden Bremer Marken gab es schon Anfang der 1940er Jahre, denn Borgward saß damals in der Duckwitzstraße, also ganz in der Nähe zu Koch & Bergfeld und ließ im Kirchweg die Stoßstangen verchromen“, erzählt Wigmar Bressel. Zusammen mit Klaus Neubauer ist er Geschäftsführer von Koch & Bergfeld. Die Kaufleute Bressel und Neubauer hatten schon längere Zeit Interesse, weitere Manufakturen auf dem großzügigen, historischen Firmengelände am Kirchweg in der Bremer Neustadt unterzubringen. „Manufakturen sind in Deutschland wieder sehr im Kommen“, sagt Bressel. „Und da passen die Borgward-Uhren ausgezeichnet in das arrangierte Konzept“, glaubt er

Der Plan einer Zusammenarbeit ist im Bremer Lloydcafé entstanden. Mit von der Partie war der Bremer Borgward-Experte Peter Kurze sowie der Enkel des Firmen-Patriarchen Carl F.W. Borgward, Eric Borgward. „Und dann fiel der Entschluss sehr schnell“, sagt Betz.

„Am Donnerstag wurden die Räumlichkeiten im Torhaus im Kirchweg besichtigt, und Freitagnachmittag hatten wir den Mietvertrag unter Dach und Fach“, ergänzt Bressel. „Mir hat die Kombination des historischen Ambientes mit dem Handwerklichen sehr gefallen“, meint Betz. Und dass auf den historischen Maschinen der Silberwarenmanufaktur auch Ziffernblätter der Borgward Armbanduhren gepresst werden könnten, sei zusätzlich besonders.

Der Großteil der Borgward-Uhren-Produktion wird hauptsächlich im Südbadischen bleiben. „Hier in Bremen wird die Produktion der Deluxe-Serie stattfinden“, sagt Betz. „Quasi die kleinste Uhrenmanufaktur in Deutschland.“

Genau wie bei der Silbermanufaktur will er für Laien Einblicke in die Produktion ermöglichen. In Seminaren können Teilnehmer eine Borgward-Uhr zusammenbauen. In den Kursen wird ein Uhrwerk unter professioneller Anleitung vollständig in seine Einzelteile zerlegt, eigenhändig veredelt wieder zusammengesetzt. „Die Kunden dürfen auch das Zifferblatt bedrucken und tragen anschließend ein sehr individuelles Schmuckstück“, erzählt Betz.

Mit Koch & Bergfeld hat die Uhren-Produktion einen Vermieter gefunden, der ebenfalls eine bewegte Geschichte hinter sich hat. 1989 wurde das Unternehmen durch Gottfried Koch, den Ur-Ur-Enkel und Namensvetter des Gründers, an Villeroy & Boch verkauft. Im Jahr 1997 ist in einem sogenannten Management-Buy-out der Betrieb der Besteckwerke an den Werksleiter Hartmut Soostmeyer abgegeben worden. Zwei Jahre nach dessen Tod, 2006, verkaufte dessen Familie die Manufaktur an die Kaufleute Bressel und Neubauer. „Bis zum Jahr 2007 haben wir dann noch mit Villeroy & Boch über den Gesamterwerb, inklusive der Fabrik aus der Gründerzeit im Kirchweg, verhandelt, bis wir endlich den Zuschlag hatten“, erzählt Bressel. Zusammen mit Neubauer leitet er das Unternehmen und bietet Gästen regelmäßig Führungen durch die Manufaktur an.

Bressel ist froh, mit Borgward Zeitmanufaktur einen kompetenten und der Tradition verpflichteten Partner gefunden zu haben. Seine Suche geht jedoch weiter: „Ich kann mir auch Lebensmittelmanufakturen auf unserem Gelände vorstellen, warum nicht eine Kaffeerösterei, das würde auch wieder zu Bremen passen.“


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...
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