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Airbus A321 fliegt von Paris nach New York

Peter Hanuschke 13.02.2018 0 Kommentare

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Erfolgreicher Testflug von Paris nach New York: Der neue Airbus-Mittelstreckenflieger A321LR kann auch Langstrecke und eignet sich deshalb für Transatlantik-Direktverbindungen von kleineren Flughäfen aus. (FR)

Mit dem Flieger direkt nach Boston, Chicago oder New York – und das vom Bremer Airport aus. Theoretisch wären solche Transatlantikflüge künftig auch von mittelgroßen Flughäfen aus möglich. Der entsprechende Jet, der von der betriebswirtschaftlichen Seite her dafür geeignet wäre, kommt vom europäischen Flugzeugbauer Airbus. Allerdings fehlt noch die Serienzulassung: Am Dienstagnachmittag startete der modernisierte Mittelstreckenjet A321neo von Paris zu seinem ersten Test-Transatlantikflug mit Ziel New York. Der Destination entsprechend war der Flieger mit Eiffelturm und Freiheitsstatue verziert.

Bei dem Flugzeug handelt es sich um die Langstreckenversion LR (Long Range), die mit zusätzlichen Tanks für eine Reichweite von 7400 Kilometern ausgelegt ist. Die maximale Passagierzahl liegt bei 240, wenn nur Economy-Klasse geflogen wird. Airbus zielt mit dieser Version auf ein Marktsegment ab, das in der Vergangenheit Boeing mit der 757 dominiert hat, die seit dem Jahr 2004 nicht mehr gebaut wird.

70 Bestellungen für die Langstreckenversion

Das A320-Programm – die kleinste Flugzeugfamilie von Airbus mit ihren vier unterschiedlichen Größen – stand bislang nur für Kurz- und Mittelstrecken. Über 6100 Bestellungen liegen für die erfolgreichste Airbus-Modellreihe vor. „Dieser hohe Auftragsbestand ist erfreulich für alle Airbus-Standorte, Bremen ebenso wie Finkenwerder, Stade, Toulouse oder St. Nazaire“, so ein Sprecher. Die längste Version, die A321, machen laut Airbus etwa 40 Prozent aus. Für die LR-Langstreckenversion liegen bereits über 70 Bestellungen vor – unter anderem von TAP Air Portugal, Norwergian, SAS, Aer Lingus, Jet Blue, Air Transat und Azores Airlines.

Das Airbus-Werk in Bremen ist mit mehr als 3000 Angestellten das zweitgrößte in Deutschland. Für die Sparte der zivilen Luftfahrt werden hier hauptsächlich Hoch-Auftriebs-Systeme für die Tragflächen aller Airbus-Flugzeuge entwickelt und hergestellt. 
Beispielsweise werden die Tragflächen für die Langstreckenflugzeuge A330, A340 und A350 mit allen elektronischen und hydraulischen Elementen und Systemen zur Flugsteuerung ausgestattet. Außerdem werden alle beweglichen Teile wie Vorflügel, Landeklappen, Querruder und Spoiler montiert, bevor sie zur Endfertigung nach Toulouse gebracht werden. 
Für die militärische Sparte, die von den Stellenstreichungen betroffen ist, wird in Bremen am Rumpf für das Transportflugzeug A400M gebaut und komplett mit allen Systemen ausgestattet. Bis zum Ende 2014 sollen die Arbeiten am militärischen Transporter in den Bereich „Airbus Defence and Space“ umgesiedelt werden.
In Spanien wird er mit anderen Teilen zum fertigen A400M zusammengefügt. 
Fotostrecke: Was Airbus in Bremen produziert

„Unsere Kunden können die A321LR dank ihrer ausgezeichneten Leistung und unschlagbaren Effizienz für Flüge mit bis zu 4000 nautischen Meilen einsetzen, um neue Routen zu eröffnen – etwa über den Atlantik – und neue Märkte zu erobern“, sagt Klaus Röwe, Chef der A320-Programme. Ein wesentliches Merkmal der A321LR sei die Möglichkeit zur Installation von bis zu drei Zusatztanks im Rumpf. Bisher gebe es schon Varianten mit bis zu zwei Zusatztanks.

Wer nach New York fliegen möchte, ist momentan auf eines der drei deutschen Drehkreuze Frankfurt, München und Düsseldorf oder auf einen der anderen europäischen Flughäfen wie Amsterdam oder Paris angewiesen. Von dort starten die großen Maschinen. Voll werden sie nicht nur mit Passagieren aus dem direkten Einzugsgebiet dieser Airports, sondern vor allem auch mit Reisenden, die von Zubringerflughäfen kommen. Bei Transatlantikflügen stamme im Schnitt nur ein Viertel der Passagiere aus dem Einzugsgebiet des Airports,  sagte der Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg dem „Hamburger Abendblatt“.

Mit dem A321neoLR böte es sich für Fluglinien an, stärker auf Direktverbindungen zwischen Flughäfen der zweiten Reihe zu setzen, so Schellenberg. Das Streckennetz in den Regionen könnte sich spürbar verändern. Die neue Maschine könnte mit ihrer kompakten Größe Flughäfen wie Hamburg die Chance eröffnen, auch Langstreckenflüge mit der vorhandenen Nachfrage aus der Region voll zu bekommen.

Von Berlin nach Washington

Norwegian habe bereits angekündigt, von Deutschland aus Washington anfliegen zu wollen, sagte der Flugexperte Heinrich Großbongardt dem WESER-KURIER. Als Abflughafen laufe es wahrscheinlich auf Berlin hinaus. Diese Verbindung hatte früher bereits Lufthansa angeboten, allerdings mit einer A340. Der Jet sei aber nicht ausgelastet gewesen und die Route damit nicht wirtschaftlich genug, so Großbongardt.

Der A321neoLR mache es möglich, die großen Drehkreuze zu umgehen, sagte der Experte. Es habe bereits einige Verbindungen zwischen Europa und der US-Ostküste gegeben, wofür in diesem Passagier-Segment in der Regel eine modifizierte 757 von Boeing zum Einsatz kam. Dazu habe es in der Vergangenheit kein Äquivalent gegeben, mit der A321LR nun allerdings schon. Und diese Maschine sei moderner und verbrauche wesentlich weniger Treibstoff. Das bedeute, dass Airlines mit diesem Modell auch auf einigen Langstrecken wirtschaftlich fliegen können, die sonst von Großflugzeugen wie dem Dreamliner von Boeing oder der A330 dominiert werden.

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Neben Berlin sieht Großbongardt auch Hamburg als Kandidat für Transatlantikflüge. Dort bietet United Airlines normalerweise eine tägliche Verbindung von Fuhlsbüttel nach New York-Newark an, aber diese Verbindung wird seit Mitte Oktober nicht mehr bedient. Die Strecke soll erst ab dem 5. Mai wieder in den Flugplan aufgenommen werden. United Airlines spricht von saisonalen Anpassungen. Geflogen wird die Strecke mit einer 757-200.

Dass Bremen auch ein Flughafen für Transatlantikrouten sein könnte, daran glaubt Großbongardt nicht. „Ich denke, für eine tägliche Verbindung würde es nicht genügend Passagiere geben – aber Hamburg ist ja dicht dran und sicherlich

Keine Verbindung von Bremen nach New York

Auch Bremens Airport-Sprecherin Andrea Hartmann zeigt sich auf Nachfrage skeptisch. „Vorausgesetzt, dass der neue Airbus A321LR auf unserer Runway vollgetankt und vollbeladen überhaupt Richtung New York starten kann, so würden Airlines sicherlich nicht mehr als zwei bis drei Flüge pro Woche anbieten“, so Hartmann. „Dies würde leider eine gewisse Inflexibilität für Passagiere mit sich bringen, die beispielsweise nicht nur montags, mittwochs oder samstags fliegen wollen oder können.“ Derzeit reisten jährlich etwa 6000 Passagiere ab Bremen über die vorhandenen Drehkreuz-Anbindungen nach New York. Eine Direktverbindung von Bremen nach New York würde sich für die Airlines wahrscheinlich nicht rechnen – „die Auslastung der Maschine wäre viel zu gering.“

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Deswegen setzt der Bremer Flughafen auf seine bestehenden Drehkreuz-Verbindungen. Der Bremer Airport habe eine hervorragende Anbindung an die wichtigen europäischen Drehkreuze wie München, Frankfurt, Amsterdam, Paris und Istanbul mit einen hohen Aufkommen an Business-Reisenden, so Hartmann. „Von dort haben Passagiere die Möglichkeit, nicht nur nach New York oder Boston zu fliegen, sondern in die ganze Welt und das zu vielen Zielen sogar mehrmals täglich.“

Unabhängig davon, welche Airline den neuen Airbus-Langstreckenflieger von welchem Flughafen abfliegen lässt, ist der Flugzeugbauer vom Erfolg dieser Variante überzeugt. „Die A321LR vereint die Effizienz eines Standardrumpfflugzeuges mit den Fähigkeiten einer Langstreckenmaschine“, sagte A320-Programm-Chef Röwe beim Jungfernflug, den die erste A321LR Ende Januar in Hamburg von Finkenwerder aus absolvierte. Der Flug des Single-Aisle-Jets – ein Flugzeug mit nur einem Mittelgang – dauerte zwei Stunden und 36 Minuten. Die Maschine hat insgesamt eine fast 100-stündige Flugerprobung vor sich, die auch Transatlantikflüge umfasst. Ziel ist die Musterzulassung durch die Europäische Agentur für Flugsicherheit der Europäischen Union und die Federal Aviation Administration –die Bundesluftfahrtbehörde der USA – im zweiten Quartal. Die Indienststellung ist für das vierte Quartal 2018 geplant.

Triebwerksprobleme beim A320neo

Die neu entwickelten Motoren von Pratt & Whitney machen der A320neo laut "Handelsblatt" erneut Probleme: Danach soll der Hochdruckverdichter zuweilen blockieren, was zu einem kompletten Ausfall des Motors führen kann - auch in der Luft.  Die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA hat deshalb unter anderem angeordnet, dass Flieger mit zwei Triebwerken aus der betroffenen Motorencharge noch drei Flüge absolvieren dürfen - dann müssen die Triebwerke getauscht werden. Betroffen sein sollen 40 Jets. 


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Leserkommentare
peteris am 20.10.2019 10:00
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elfotografo am 20.10.2019 09:56
Was bezeichnet es denn, wenn der Kultursenator auf eine ihm gestellte Frage antwortet?
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