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Aus Angst vor möglichem Stellenabbau
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Airbus-Angestellte protestieren in Bremen

Peter Hanuschke 23.11.2018 0 Kommentare

Grund für den befürchteten Stellenabbau ist laut IG Metall unter anderem eine Herabsenkung der Produktionszahlen beim Militärtransporter A400M. In Bremen wird der Rumpf für dieses Flugzeug gefertigt und ausgestattet.
Grund für den befürchteten Stellenabbau ist laut IG Metall unter anderem eine Herabsenkung der Produktionszahlen beim Militärtransporter A400M. In Bremen wird der Rumpf für dieses Flugzeug gefertigt und ausgestattet. (Christina Kuhaupt)

150 Arbeitspakete in Form von Umzugskarton, die von den Beschäftigten ins Airbus-Werk getragen wurden – mehr als 400 Mitarbeiter der insgesamt knapp 5000 Airbus-Angestellten am Bremer Standort nutzten am Freitag die Mittagspause für eine symbolische Aktion. Die Kundgebung der Gewerkschaft IG Metall vor dem Airbus-Hauptgebäude sollte zeigen, dass sie in der Lage sind, alle Arbeitspakete abzuarbeiten.

Nur müsse dafür gesorgt werden, dass sie auch nach Bremen kommen, so die Forderung der Gewerkschaft und der Betriebsräte von Airbus Operations, Airbus A400M, Defence and Space, Premium Aerotec sowie der Ariane-Group. Befürchtet wird nach derzeitigem Stand ein massiver Personalabbau. Grund dafür sind laut IG Metall abgesenkte Produktionszahlen beim Militärtransporter A400M und die schwierige Wettbewerbssituation am Markt für Trägerraketen.

Die ergibt sich vor allem deswegen, weil Europa Startaufträge für Satelliten auch an nicht-europäische Anbieter vergibt und dadurch die „eigene“ Ariane-Rakete benachteiligt wird. Denn die institutionellen Märkte in den Vereinigten Staaten oder in China sind von ausländischer Konkurrenz abgeschottet. Außerdem warnten die IG Metall und die Betriebsräte davor, dass sich weitere Produktionsschwerpunkte nach Frankreich verschieben.

Abbau bei der Ariane-Group

Vom Personalabbau sind laut IG Metall in den nächsten Jahren zunächst zwei der fünf Bremer Airbus-Betriebe betroffen: die Ariane-Group und die A400M-Fertigung. Beim A400M werden von ehemals über 20 Maschinen im Jahr die Raten stufenweise auf nur noch acht Maschinen im Jahr 2020 reduziert. Bis vor kurzem waren in Bremen noch über 1000 Beschäftigte für das Modell tätig.

300 Jobs sind bereits weggefallen, um über 600 soll es insgesamt gehen, wobei es nach Angaben der Gewerkschaft vor allem Leiharbeitnehmer trifft. Von den über 500 Stellen im Stamm sollen fast 100 abgebaut oder verlagert werden. „In der Konsequenz verliert der Standort Bremen damit Kompetenzen und Perspektive“, so Frank Axonoff, Betriebsratsvorsitzender von A400M in Bremen. 

Bei der Ariane-Group – der Konzern gehört je zur Hälfte Airbus und der französischen Safran-Gruppe – sollen von 9000 Jobs 2300 konzernweit abgebaut werden, insbesondere im Bereich Engineering. Herruntergebrochen auf den Bremer Standort könnten das nach Schätzungen der Gewerkschaft mindestens ein Viertel der Belegschaft betreffen, also ungefähr 130 Beschäftigte.

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Grund sei die aktuell schwierige Situation am Raketenmarkt. „Einerseits muss die Politik nun handeln. Die EU muss Ariane mehr Aufträge erteilen, um die europäische Raumfahrt nicht nachhaltig zu beschädigen“, fordert Judith Bohl, Betriebsrats- und Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Ariane-Group. Andererseits müsse auch das Unternehmen Energie in neue Zukunftsthemen stecken. „Personalabbau ist da der falsche Weg.” 

Es gebe am Bremer Standort bereits leer stehende Hallen und Büroräume, heißt es von Seiten der Betriebsräte. Das wirke sich negativ auf die Kostenstruktur insgesamt aus und verschlechtere im internen Vergleich der Konzernstandorte die Wettbewerbsfähigkeit.

Bei dem bundesweiten Aktionstag der IG Metall unter dem Motto „Zukunft gemeinsam gestalten. Jetzt“ an deutschen Airbus-Standorten sei der Eindruck erweckt worden, „dass die Verantwortlichen der deutschen Standorte an Einfluss verlieren und Entscheidungen allein in Toulouse getroffen würden“, heißt es in einer Stellungnahme der Airbus-Konzernleitung. Beispielhaft werden die Verhandlungen zur Ratenanpassung beim A380 sowie beim A400M genannt.

Abschluss eines Sozialplans

„Es ist sehr bedauerlich, dass deutsche Airbus-Betriebsräte 2018 immer noch die Schlachten der Vergangenheit schlagen“, sagte dazu Airbus-Konzernchef Tom Enders. „Statt in den Rückspiegel zu schauen, sollte unsere gemeinsame Sorge vielmehr dem Verlust von Wettbewerbsfähigkeit an unseren deutschen Standorten gelten. Das ist eine Entwicklung, die Betriebsräte und Management gemeinsam dringend adressieren sollten.“ 

Im Hinblick auf die Ratenanpassung beim A400M sowie auch beim A380 seien in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen und Maßnahmen zur Sicherung der Beschäftigung bestätigt worden, teilte die Konzernleitung mit. Darüber hinaus seien neue Arbeitspakete an die Standorte geholt worden, „die einem Teil der betroffenen Beschäftigten eine neue Beschäftigungsmöglichkeit bieten. Im Übrigen wurde der Abschluss eines Sozialplans mit Vorruhestands- und Abfindungsregelungen angeboten.“ Beispielhaft nannte Airbus den Standort Hamburg: Dort seien Beschäftigte aus dem A380-Programm in andere Flugzeugprogramme wie A320 eingesetzt worden.

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Betriebsräte und IG Metall fordern zusätzliche Arbeitspakete für den Standort, um Arbeitsplätze zu erhalten. „Personalabbau trifft auf fehlende Einflussnahme Deutschlands auf das deutsch-französische Unternehmen Airbus”, sagt Ute Buggeln, Geschäftsführerin der IG Metall. Nachdem Guillaume Faury als Nachfolger von Tom Enders bereits angekündigt wurde, stehen nun die weiteren Neubesetzungen an der Spitze des Unternehmens fest: Dominik Asam wird neuer Finanzchef und Michael Schöllhorn Leiter des operativen Geschäfts.

Damit sei ein Gleichgewicht zwischen Frankreich und Deutschland im Topmanagement wiederhergestellt. “Doch haben unsere Geschäftsführungen noch genügend Entscheidungskompetenzen, um über wichtige Themen am Standort mitzubestimmen?“, so Ute Buggeln.

Alle fünf Betriebe sind einer Bedrohung ausgesetzt

Für die IG Metall steht zudem fest, dass die Bundesregierung im Vergleich mit anderen Ländern zu wenig Einfluss auf die künftige Entwicklung der Luft- und Raumfahrt nehme: Sei es in der Förderung von Querschnittsfähigkeiten, bei der Neuansiedlung von Systemkompetenzen oder in der Stärkung der Zulieferindustrie. „Das muss sich ändern“, fordert Buggeln.

Es dürfe auch nicht vergessen werden, dass der Bund noch elf Prozent am Airbus-Aktienpaket besitze und gerade im Bereich Raumfahrt Milliarden Euro öffentlicher Gelder insbesondere in die Entwicklung gesteckt würden. „Wenn ein Betrieb am Standort in die Schieflage kommt, betrifft das alle“, sagt Jens Brüggemann, Betriebsratsvorsitzender beim Flugzeugbauer Airbus Operations.

„Aber jetzt haben wir eine Situation, wo alle fünf Betriebe am Standort einer Bedrohung ausgesetzt sind“, so Brüggemann. Wenn Ariane in die Krise stürze, habe das auch Konsequenzen für Airbus Defence and Space und den Bremer Raumfahrtstandort insgesamt. Und wenn im Flugzeugbau abgebaut werde, habe das auch negative Folgen für den Teilehersteller Premium Aerotec.

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„Bundesregierung und der Airbus-Konzern sind nun gefordert, für mehr Arbeitspakete in Bremen zu sorgen, um hier die Arbeitslätze zu sichern“, fordert Brüggemann im Namen der insgesamt fünf Bremer Belegschaften von Airbus. Dem Airbus-Konzern geht es insgesamt gut: Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) hat sich nach dem dritten Quartal auf 2,74 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt, hieß bei der Vorlage der  Neun-Monatszahlen Ende Oktober. Grund dafür: Es wurden vor allem mehr Jets der Modellreihen A320 und A350 ausgeliefert als 2017.

Dass in Bremen im Bereich ziviler Flugzeugbau vor allem auch für die Erfolgs-Modellreihe A320 gebaut wird, schützt aber offensichtlich nicht davor, dass auch in diesem Geschäft Arbeitspakete abgezogen werden. Laut Betriebsrat findet beispielsweise die Fertigung von Landeklappen inzwischen auch schon im arabischen Raum statt. Zuvor war sie ausschließlich in Bremen beheimatet.


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Leserkommentare
Wesersteel am 23.10.2019 10:50
Klimanotstand...................sind den ALLE nur noch ganz viel Bluna ?
WESER-KURIER_Onlineredaktion am 23.10.2019 10:44
Danke für den Hinweis. Das Gelände wurde vor 14 Jahren erworben. Die Fläche ist elf Hektar groß. Wir haben das korrigiert.
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