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Borgward verwirft Carsharing-Konzept in Bremen

Stefan Lakeband 04.10.2019 4 Kommentare

Borgward hat in der Nähe von Peking eine moderne Fabrik errichtet. In Deutschland baut das Unternehmen nun etliche Stellen ab.
Borgward hat in der Nähe von Peking eine moderne Fabrik errichtet. In Deutschland baut das Unternehmen nun etliche Stellen ab. (Borgward)

Der Autobauer Borgward hat sich offenbar von einem Großteil der Mitarbeiter in seiner Deutschlandzentrale in Stuttgart getrennt. Das hat der WESER-KURIER aus mehreren Quellen erfahren. Demnach soll nur noch eine Handvoll Mitarbeiter übrig sein, der Großteil im Designzentrum. Dem Rest sei Ende September gekündigt worden.

Das Unternehmen teilt auf Anfrage mit: "Aufgrund strategischer Änderungen der Firma Borgward hat die Borgward Group GmbH mit einigen Mitarbeitern vereinbart, sich im gegenseitigen Einvernehmen voneinander zu trennen.“ Gleichzeitig gibt das Unternehmen zu, das lediglich die Fachbereiche Design und Entwicklung noch in Stuttgart bleiben sollen. Bereits im Frühjahr hatte sich der deutsch-chinesische Hersteller von Mitarbeitern getrennt. Auch Führungskräfte sollen darunter gewesen sein. Dass weitere Beschäftigte gehen müssten, sei abzusehen gewesen, heißt es aus Mitarbeiterkreisen.

Zu niedrige Verkaufszahlen

Die genauen Gründe für die Kündigungen sind unklar. Dass sie aber mit den Verkaufszahlen zusammenhängen, ist nicht unwahrscheinlich. Nach WESER-KURIER-Informationen wurden seit Markteintritt im Juni 2018 in ganz Europa Autos im dreistelligen Bereich verkauft. Ursprünglich soll das Ziel im vierstelligen Bereich gelegen haben. Was mit den bereits ausgelieferten Fahrzeugen passiert, sei auch noch nicht final geklärt. Offenbar gibt es Überlegungen, dass der Luxemburger Generalimporteur sich weiter um den Service kümmern soll. Zudem soll Borgward seinen Kunden angeboten haben, die Fahrzeuge zurückzukaufen. Darauf sollen aber nur wenige eingegangen sein.

Diesen Juli war bekannt geworden, dass das Unternehmen doch kein Werk in Bremen bauen wird. Bis dato hatte Borgward immer wieder bekräftigt, mit seiner Fertigung in der Hansestadt, den europäischen Markt beliefern zu wollen. Stattdessen kündigte ein Unternehmenssprecher an, man wolle Borgward zu einer neuen „Art von Automobilunternehmen“ machen, etwa durch „Mobilitätsdienstleistungen“. Konkreter wurden die Pläne nicht erläutert.

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Jetzt zeigt sich: Offenbar hatte Borgward darüber nachgedacht, ein Carsharing-System mit Elektroautos in Bremen anzubieten. Darauf deutet unter anderem eine Aktualisierung des Eintrags im Handelsregister hin. Seit Ende Juni findet sich der Hinweis auf den „Betrieb eines automatisierten Autovermietsystems („car sharing“). Um das vorzubereiten, sollen bereits Umfragen in Bremen geführt worden sein; auch Gespräche mit den Behörden habe man geführt. Der Bremer Carsharing-Anbieter Cambio bestätigte dem WESER-KURIER zudem, dass Borgward seine Autos dem Unternehmen zu Kauf angeboten habe. Cambio habe jedoch kein Interesse gehabt: Die SUVs der Firma seien schlicht zu groß.

Der Auftrag, ein Carsharing-Konzept zu prüfen, kam offenbar direkt aus China. Im Dezember 2018 hatte das chinesische Unternehmen Ucar den Autobauer übernommen. Ucar selbst ist ein seit Jahren in China etablierter Fahrdienstleister, der einen ähnlichen Service wie das US-Unternehmen Uber anbietet. Das Carsharing sei daraufhin einige Monate energisch verfolgt worden – letztendlich wurde es aber fallengelassen. Das Konzept sei nicht ausgereift gewesen, heißt es nun.

Zukunft des Autobauers noch unklar

Den Sommer über hatte es noch weitere interne Veränderungen gegeben, wie Unterlagen aus dem Handelsregister zeigen. Nachdem im Mai zwei neue Vorstände eingesetzt wurden, gab es wenige Monate später schon wieder einen Wechsel an der Spitze: Baiyin Wang wurde zum Geschäftsführer ernannt, da Borgward in der Zwischenzeit seine Rechtsform geändert hatte. Aus der Aktiengesellschaft wurde eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Warum sich Borgward zu diesem Schritt entschieden hat, ist unklar.

Auch wie es mit dem Autobauer weitergeht, ist nicht bekannt. Das man sich nun von Mitarbeitern getrennt habe, sei ein Teil der „Organisationsoptimierung“, wie das Unternehmen mitteilt, und „im Sinne der weiteren Entwicklung von Borgward“. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Firma aus Europa zurückziehen und sich auf den chinesischen Markt und andere Auslandsmärkte konzentrieren könnte. Design und Entwicklung könnten immer noch aus Deutschland kommen, der Bau – wie bislang – in der modernen Fabrik in Miyun bei Peking stattfinden. Laut der Plattform carsalesbase.com sind die Verkaufszahlen der drei Borgward-Modelle BX7, BX5 und BX6 in China zuletzt gestiegen – nachdem sie 2018 eher schwach waren.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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