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Bremer Betriebe suchen Nachwuchs

Jean-Pierre Fellmer 19.05.2019 0 Kommentare

In der Gastronomie sind noch etliche Ausbildungsplätze zu vergeben. Im vergangenen Jahr blieben bundesweit mehr als 2200 Nachwuchsstellen für Köche unbesetzt.
In der Gastronomie sind noch etliche Ausbildungsplätze zu vergeben. Im vergangenen Jahr blieben bundesweit mehr als 2200 Nachwuchsstellen für Köche unbesetzt. (Sebastian Gollnow /dpa)

„Wir können nicht viel. Aber dafür besonders gut: die Verarbeitung von Reis für gute Lebensmittel.“ Rickmers Reismühle tritt in ihrer Stellenausschreibung selbstbewusst auf. 30 Millionen Kilogramm Reis verarbeitet das Bremer Traditionsunternehmen jährlich. Damit das auch so bleibt, sucht die Reismühle jemanden, den sie zum Maschinen- und Anlagenführer ausbilden und später vielleicht übernehmen kann. Am 1. August soll es in der Überseestadt an der Weser losgehen. Die Stelle ist noch vakant – es ist bei Weitem nicht die einzige.

In Bremen gibt es noch viele unbesetzte Jobs: 1803 Ausbildungsstellen waren laut Arbeitsagentur im April noch frei – ein Drittel mehr als im Vorjahr. Auf der anderen Seite waren der Arbeitsagentur 1378 Bewerber gemeldet, die bisher noch keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben hatten. Das Verhältnis ist im Ungleichgewicht: Auf jeden Bewerber kommen derzeit mehr als eineinhalb Stellen. 863 Bewerber, die der Arbeitsagentur gemeldet sind, haben seit dem 1. Oktober vergangenen Jahres eine Stelle gefunden.

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„Der Ausbildungsmarkt scheint sich ungefähr wie im Vorjahr zu entwickeln“, sagt Karlheinz Heidemeyer, Geschäftsführer im Bereich Aus- und Weiterbildung bei der Handelskammer Bremen. Mit einer Prognose ist er jedoch vorsichtig, da sich auf dem Ausbildungsmarkt noch viel tun könne: Im Juli und August würden noch viele Verträge abgeschlossen. „Früher sind die meisten abgeschlossenen Verträge bei uns im Mai und Juni eingegangen. Heutzutage hat sich das deutlich nach hinten rausgeschoben.“

Sogar im September oder gar im Oktober würden bei der Handelskammer noch Ausbildungsverträge eingetragen. „Der 1. August ist zwar noch immer der Start für die Ausbildung, aber öfter beginnen Auszubildende auch mit einer Verspätung.“ Optimal sei das für die Berufsschulen nicht, da sie ihre Lehrpläne auf den 1. August ausrichteten. Allerdings gebe es in den vergangenen Jahren vermehrt Nachzügler, der spätere Start sei meistens kein Problem.

Weniger Schulabgänger, die seltener eine Ausbildung machen

Knapp ein Viertel der ausgeschriebenen Lehrstellen in Bremen seien zum Start des Lehrjahres 2018/2019 noch unbesetzt gewesen, sagt Jan-Gert Kröger, Inhaber von Kröger Bau und Präses der Handwerkskammer (HWK). Die Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bestätigt das: Bei einer Befragung der Unternehmen gaben im Jahr 2007 noch 85 Prozent an, alle ihre Ausbildungsstellen besetzt zu haben. 2017 waren es nur noch 66 Prozent. Gründe dafür sind laut Kröger die rückläufiger Zahl der Schulabgänger, die zudem seltener eine Ausbildung machten.

Das Studium sei beliebter geworden, aus Krögers Sicht ein fataler Trend in doppelter Hinsicht: Er bedeute höhere Ausbildungskosten für den Staat und weniger Nachwuchs für die Betriebe. Nach Angaben des DIHK bekommt jedes vierte Unternehmen keine Bewerbung auf seine Ausschreibung. Besonders die Lebensmittelbranche einschließlich Handel, der Hoch- oder Tiefbau, die Sanitär-, Heizungs-, und Klimatechnik, der Metallbau sowie die Gastronomie und Hotellerie haben laut Kröger Probleme, Auszubildende zu finden.

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Um etwas dagegenzusetzen, investiere das Handwerk jährlich Millionen Euro in seine Imagekampagne, sagt Kröger. Betriebe würden sich außerdem neue Modelle einfallen lassen wie etwa die Ausbildung in Teilzeit. Das ist laut Jobbörse der Arbeitsagentur etwa bei der Arbeiterwohlfahrt Bremen mit einer Ausbildung zur Altenpflegerin möglich. Hilfreich findet Heidemeyer auch Jobmessen wie die Job4u.

Betriebe könnten in Zukunft weniger ausbilden

Die Gehälter sind laut Kröger zudem in den vergangenen Jahren gestiegen, es würden Führerscheine und Prämien gezahlt. Einen gesetzlichen Mindestlohn in der Ausbildung sieht er kritisch: Es sei ein Eingriff in die Autonomie des Betriebes und losgelöst von der wirtschaftlichen Entwicklung. Kröger schließt nicht aus, dass Betriebe dadurch künftig weniger ausbilden könnten.

Rickmers Reismühle ist nur ein Beispiel von vielen. Das Lokal Ständige Vertretung in der Böttcherstraße sucht noch einen Koch oder eine Köchin, im Restaurant auf dem Schiff „Alexander von Humboldt“ ist eine Stelle als angehender Restaurantfachmann oder -frau frei. Wer also noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, hat gute Karten. Heidemeyer empfiehlt: Suchende sollen sich bei der Arbeitsagentur informieren oder bei den Kammern melden. Hauptsache, sie meldeten sich. Und wer bei der Berufswahl noch nicht sicher ist, kann es mit einem Praktikum in den Ferien versuchen – ein solches bietet zum Beispiel auch die Reismühle an.

Zur Sache

Nützliche Adressen

Wer noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, kann dafür die Online-Jobbörsen der Handelskammer, Handwerkskammer oder der Arbeitsagentur nutzen: www.jobboerse.arbeitsagentur.dewww.ihk-lehrstellenboerse.dewww.hwk-bremen.de

Die Stadt Bremen bietet ein eigenes Informationsportal für eine Ausbildung im öffentlichen Dienst an und informiert über Berufe bei der Polizei, Feuerwehr, in der Justiz und mehr: www.ausbildung.bremen.de

Die nächste Job4u ist in Bremen am 6. und 7. September im Weser-Stadion. Alle Informa­tionen zur Messe gibt es im Internet unter: www.job4u-ev.de


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Leserkommentare
peteris am 23.10.2019 11:44
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