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Bremer Daimler-Leiharbeiter verlieren Job

Peter Hanuschke 26.10.2018 0 Kommentare

Nach Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Werksleitung verlieren weniger Leiharbeiter als geplant ihre Jobs.
Nach Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Werksleitung verlieren weniger Leiharbeiter als geplant ihre Jobs. (Carmen Jaspersen/dpa)

Wäre es nach der Geschäftsleitung gegangen, dann hätten 560 Leiharbeiter ihre Beschäftigung im Bremer Mercedes-Werk verloren. Das war der Stand Ende September und seitdem wurde darüber verhandelt – und das aus Sicht des Betriebsrats erfolgreich: „Wir haben diese Zahl zumindest wesentlich reduzieren können“, sagte Betriebsratsvorsitzender Michael Peters auf Nachfrage des WESER-KURIER. Eine genaue Zahl wollte er nicht nennen. Laut der Gewerkschaft IG Metall haben sich beide Seiten auf 240 Stellen geeinigt. 20 bis 30 Leiharbeiter sollen demnach auch von alleine gegangen sein, weil sie woanders eine Arbeit gefunden haben.

„Natürlich versuchen wir immer, das Maximum herauszuholen“, sagte Peters. Das zu erreichen sei aber eben leider nicht die Regel, weil ganz unterschiedliche Interessen aufeinander treffen. „Wenn Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, fällt uns das immer schwer“ – insofern sei das Verhandlungsergebnis zwar erfolgreich, aber kein Grund zum Feiern. Die Vereinbarung für die Leiharbeiter, die nicht von dem Abbau betroffen sind, gilt bis Ende dieses Jahres.

Kein Grund für Personalabbau

Derzeit gibt es im Bremer Mercedes-Werk in Sebaldsbrück eine Stammbelegschaft von etwa 12.500 Beschäftigten und etwas mehr als 800 Leiharbeiter. Bei den 240 Stellen handelt es sich nach Angaben der Gewerkschaft um Leiharbeiter, die in der sogenannten Poolschicht tätig waren. Sie arbeiten vornehmlich am Wochenende und montags und dienstags in der Spätschicht. Daimler wollte diesen Pool komplett auflösen, weil nun weniger Autos produziert werden – was sich vor allem auf die Arbeit am Wochenende auswirkt.  Doch der Betriebsrat habe argumentiert, so die IG Metall, dass die Kollegen trotz des Produktionsrückgangs benötigt würden, weil die Belastung unter der Woche zunehme werde.

Aus Sicht der Gewerkschaft gibt es trotz des Produktionsrückgangs keinen Grund für den Personalabbau. Das hatte die IG Metall bereits Ende September deutlich gemacht: „Der Mercedes-Standort benötigt ab 2019 jede Arbeitskraft“, sagte Volker Stahmann, Erster Bevollmächtigte der IG Metall. Zwar soll die Produktion in Bremen von 428 000 auf in diesem Jahr 408 000 Autos heruntergefahren werden, aber damit bewege man sich von einem ganz hohen auf ein noch immer hohes Niveau. Ausgelegt ist das Werk eigentlich auf 320 000 Fahrzeuge.

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Dass die IG Metall schon jetzt Bedarf an Arbeitskräften sieht, hängt auch mit dem Tarifvertrag zusammen, der zum Jahresanfang ausgehandelt wurde. Der sichert Schichtarbeitern und Mitarbeitern, die etwa kleine Kinder haben oder einen Familienangehörigen pflegen, eine tarifliche Freistellungszeit von acht Tagen pro Jahr zu statt eines Zusatzgeldes. Der Antrag für 2019 muss bis Ende Oktober gestellt werden. Bislang gebe es mehr als 2600 Anträge. „Wenn man das umrechnet, entspricht dies allein 100 Arbeitsplätzen“, sagte Stahmann. Auch Schichten am Sonnabend seien für 2019 wieder geplant. Dazu kommt noch die Einführung des ersten vollelektrischen Autos von Mercedes, dem EQC.

Dass Mercedes nach Jahren des Aufschwungs die Produktion etwas drosselt, liegt an sinkenden Absatzzahlen. Dafür sorgen unter anderem Auslieferungsstopps von Dieseln sowie Verzögerungen bei der Zertifizierung nach dem neuen Abgastestverfahren WLTP. Wie berichtet, rutschte im dritten Quartal der auf die Aktionäre entfallende Gewinn im Vorjahresvergleich um 21 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ab, wie der Autokonzern am Donnerstag mitgeteilt hatte. Der Umsatz stagnierte bei 40,2 (Vorjahr: 40,7) Milliarden Euro. Bereits ein paar Tage zuvor hatte der Konzern vorläufige Zahlen vorgelegt und zum zweiten Mal in diesem Jahr die Gewinnprognose zurückgenommen. 2018 soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) nun „deutlich“ unter dem Wert des Vorjahres in Höhe von 14,3 Milliarden Euro liegen.

Mitarbeiter spielen wichtige Rolle 

Im Bremer Werk wird in den nächsten Wochen auf jeden Fall zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat weiter verhandelt: „Wir steuern auf die übliche Jahresendrallye zu“, sagte der Betriebsratsvorsitzender Peters. „Im Mittelpunkt steht dabei das kommende Jahr.“ Dabei spiele die Produktionszahl natürlich eine Rolle. Es gehe unter anderem um die Anzahl der Sonderschichten und darum, möglichst viel Personal für den Produktionsprozess zu bekommen, um dadurch auch möglichst viel Entlastung zu erzielen. „In diesem Zusammenhang spielen alle Mitarbeiter eine wichtige Rolle, egal ob sie zur Stammbelegschaft gehören oder Leiharbeiter sind.“

Unabhängig von den Folgen des Dieselskandals und dem Produktionsrückgang verfolgt der Konzern weiter den geplanten Umbau: Daimler will in Zukunft eine Holding sein mit drei rechtlich eigenständigen Sparten: Für Autos und Vans soll es von 2020 an die Mercedes-Benz AG geben, für Lkw und Busse die Daimler Truck AG. Hinzu kommt die Finanzdienstleistungssparte, die 2019 in Daimler Mobility AG umbenannt werden soll. Dem muss im Mai die Daimler-Hauptversammlung allerdings noch zustimmen. Was das für die Mitarbeiter bedeutet, sagte ein Daimler-Sprecher: „Sie werden mit der Mercedes-Benz AG künftig einen neuen Arbeitgeber und damit neue Arbeitsverträge bekommen, deren tariflichen Bestandteile bleiben aber unverändert.“ Damit verbunden ist eine Job-Garantie bis Ende 2029. 


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Leserkommentare
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
HB-Maennchen am 23.10.2019 09:23
Da möchte man als schlichter Leser des Weser-Kuriers der jetzt wieder doch etwas deutlicher wahrnehmbaren schreibenden Stimme der Chefredakteurin ...
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