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Bremer Mittelstand skeptischer

Lisa Boekhoff 04.01.2018 2 Kommentare

Max Müller
Der Geschäftsführer Oliver Weiß blickt für sein Unternehmen Max Müller sehr positiv in die Zukunft. Doch am Standort Bremen sieht er viele Probleme. (Karsten Klama)

Die Zufriedenheit im Mittelstand ist groß und bricht sogar Rekorde. In der Umfrage des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) zeigt sich das deutlich. 60 Prozent der befragten 2000 Unternehmen geben demnach an, dass ihre Geschäftslage gut ist. Das ist der höchste Wert seit dem Start des Mittelstandsbarometers in 2004. Doch die Zuversicht ist nicht überall gleich groß. Im Bundesländervergleich trübt sich der Blick für Bremen.

Das Geschäftsklima fällt hierzulande stark zurück auf einen Wert von 43,5. Damit liegt Bremen auf dem letzten Platz. Das scheint vor allem an den Geschäftsprognosen zu liegen: Der Bremer Mittelstand blickt mit Abstand am skeptischsten in die Zukunft. Nur 16 Prozent der insgesamt 40 befragten Unternehmen in Bremen erwarten bessere Geschäfte, bundesweit sind es 39 Prozent.

Für die Erhebung von EY im November und Dezember sind Unternehmen mit mindestens 30 und höchstens 2000 Mitarbeitern befragt worden. Das Geschäftsklima, berechnet aus Geschäftslage und Erwartung, erreicht demnach in Deutschland mit 54,3 zugleich einen neuen Höchstwert. Außer der Zufriedenheit zeigt das Stimmungsbarometer auch die Zuversicht der Unternehmen.

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Demnach gehen fast 40 Prozent der Befragten davon aus, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten verbessern wird. Nur vier Prozent befürchten eine Verschlechterung. Diese Erwartungen spiegeln sich in der Investitionsbereitschaft wider. Mehr als jeder dritte Mittelständler will weitere Mitarbeiter einstellen. Besonders optimistisch sind die Hamburger, Berliner und Niedersachsen. Das unterstreicht die Investitionsbereitschaft.

Niedersachsen belegt dort den zweiten Platz mit 35 Prozentpunkten, Bremen liegt ganz hinten mit 19 Prozentpunkten. Mit zehn Prozent prognostizieren überdurchschnittlich viele Bremer eine schlechtere Entwicklung. Positiv steht das Bundesland jedoch da, geht es um die Beschäftigungsprognose. Dort erreicht Bremen ein ähnliches Niveau wie Hamburg und Niedersachsen: 41 Prozent der Betriebe am Standort wollen mehr Mitarbeiter einstellen. Damit liegen die drei Länder ganz vorne.

Außenhandel hat eine herausragende Bedeutung

Die Zahlen bestätigen nach Friso Schlitte, Referent für Volkswirtschaft und Statistik der Handelskammer Bremen, andere Konjunkturumfragen. In denen habe sich gezeigt, dass die Erwartungen der Wirtschaft sehr gut seien, aber unter dem Bundesschnitt liegen. Dass Bremen im Vergleich schlechter abschneide, könne mit den globalen Risiken zusammenhängen: Brexit und zunehmender Protektionismus ließen die Sorgen in der Vergangenheit wachsen.

Gerade weil der Außenhandel eine herausragende Bedeutung für den Standort hat, spielten diese Unwägbarkeiten eine besondere Rolle. Schlitte sieht noch andere Gründe: „Außerdem kann es an den Standortfaktoren liegen wie der Erhöhung der Gewerbesteuer. Wir weisen ganz klar darauf hin, dass die Gewerbesteuererhöhung eine negative Signalwirkung hat – gerade für Unternehmen, die sich hier ansiedeln wollen.“

Dennoch deute sich in der aktuellen Trendumfrage der Handelskammer eine Verbesserung der Einschätzung an. „Wir bekommen positivere Rückmeldungen. Die Erwartungen sind optimistischer und werden sich aufhellen. Die Stimmung in der bremischen Wirtschaft verbessert sich.“ Dynamik sei bei der Investitionsbereitschaft festzustellen.

Suche nach geeigneten Auszubildenden

Allerdings sei anzunehmen, dass der Fachkräftemangel zunehmend ein Thema sei: „Das ist konstant eine Sorge. Tendenz steigend.“ Das zeigten bereits die jüngsten Konjunkturumfragen – auch die aus dem Herbst. Der Fachkräftemangel ist denn auch die Gefahr, vor der der deutsche Mittelstand sich laut Barometer am meisten fürchtet.

Überhaupt geeignete Auszubildende zu finden, dieses Problem beschäftigt Oliver Weiß. Der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens Max Müller, das Druck-, Scan- und Archivierungslösungen anbietet, sieht viele Standortnachteile und kann nachvollziehen, warum der Mittelstand in Bremen skeptisch ist: „Wir haben eine ganz schlechte Basis.

Bremen ist in vielen Punkten massiv abgehängt.“ Das liege an der Situation am Arbeitsmarkt, der Verwaltung, der Bildung, der Kinderarmut: „Und, und, und.“ Weiß befürchtet, dass Bremen am weltweiten Wachstum in Zukunft nicht mehr teilhaben könnte, wenn sich nichts ändert. Die Situation für seinen Betrieb schätzt er dennoch positiv ein.

Stichprobe ist nicht aussagekräftig

Das Unternehmen Max Müller in Habenhausen beschäftigt 72 Mitarbeiter und hat Kunden in Bremen und der Region. In den vergangenen Jahren konnte Oliver Weiß Ausbildungsplätze nicht besetzen, weil es keine geeigneten Kandidaten gegeben habe. Im Verfahren stelle er immer wieder fest: „Durch die Bank haben die Schüler aus dem niedersächsischen Umland bessere Ergebnisse.“

Die Gewerbegebiete seien ein weiteres Sorgenkind Bremens: Als Weiß ein Tochterunternehmen gründete, musste er damit nach Achim umziehen, obwohl er in Bremen bleiben wollte. Kritisch sieht das Mittelstandsbarometer dagegen Hans-Georg Tschupke, Leiter der Abteilung Industrie und Innovation im Bremer Wirtschaftsressort: „Die Stichprobe ist für Bremen statistisch nicht aussagekräftig.“ 

"Das ist merkwürdig"

Die Konjunkturumfrage der Handelskammer komme zu anderen Ergebnissen und befrage mit 350 deutlich mehr Unternehmen. „Das hat eine andere Substanz. Die Gefahr der Verzerrung ist bei dieser Datenlage sehr groß. Gerade bei den kleinen Bundesländern sind die Ergebnisse volatil.“ Es passe nicht zusammen, dass Bremen im Vergleich zwar weniger investieren, aber mehr Personal einstellen wolle. „Das ist merkwürdig.“

Warum Bremen bei den Erwartungen weiter hinten liegt, könne er sich nicht erklären. Dag-Stefan Rittmeister, Sprecher von Ernst & Young, sieht die Zahlen für Bremen aber als repräsentativ. Die Aussichten seien zudem nicht schlecht: "Die Zufriedenheit bewegt sich insgesamt auf einem hohen Niveau. Nur im Vergleich sind die anderen Bundesländer optimistischer gestimmt."


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Leserkommentare
rondon am 21.10.2019 17:06
und da liegt der Vorteil, wenn er den Partei-Vorsitz hat, kann (sollte) er nicht mehr im TV auftreten.
Fr. Merkel spielt ja auch nicht im ...
suziwolf am 21.10.2019 17:03
„BummelabummeLaterne“ ... 🔮

Das Leuchten der Magie ... 💫🤹🏻‍♂️
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