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Raumfahrtechnik aus Bremen
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Bremer Roboter hilft Astro-Alex auf der ISS

Peter Hanuschke 05.09.2018 0 Kommentare

Alexander Gerst bei einem seiner Experimente an Bord der Internationalen Raumstation. Ob Oktober wird er Kommandant der ISS sein – als erster Deutscher.
Alexander Gerst bei einem seiner Experimente an Bord der Internationalen Raumstation. Ob Oktober wird er Kommandant der ISS sein – als erster Deutscher. (ESA)

Er ist Astronaut, promovierter Geophysiker, hochqualifizierter Laborant, manchmal auch selbst Versuchskaninchen für die Wissenschaft und nicht zuletzt Handwerker. Gerade Letzteres musste der deutsche Astronaut Alexander Gerst in diesen Tagen zusammen mit seinen fünf Kollegen auf der Internationalen Raumstation (ISS) unter Beweis stellen: An der Sojus-Kapsel, die derzeit an der ISS angedockt ist, war in der vergangenen Woche ein etwa zwei Millimeter großes Leck entdeckt worden, das zum Druckabfall auf der ISS führte. Gerst und seine Kollegen dichteten das Leck zunächst mit einem klebstoffgetränkten Spezialtuch ab. Unterstützung könnte die Crew demnächst von "Cimon" erhalten – einem fliegenden und autonom agierenden Astronauten-Assistenten, der mit Technik aus Bremen ausgestattet ist.

Astronaut Alexander Gerst macht von der Internationalen Raumstation ISS aus immer wieder Bilder von der Erde – so wie hier von den Nordlichtern.
Alexander Gerst ist seit Mai einer der Astronauten auf der ISS.
Dieses Bild schickte er der Welt vom
Die Insel Guadalupe, aus dem Weltraum aus zwischen Wolken zu sehen.
Fotostrecke: Der Blick von Alexander Gerst auf die Erde

Ob er das kann, was er machen soll und welche Eigenschaften ihm fehlen, um daraus Cimon 2.0 zu entwickeln, das wird sich erst ab der zweiten Oktoberhälfte zeigen: Erst dann starten die Versuche mit der wassermelonengroßen und fünf Kilogramm schweren Kugel mit freundlichem Gesicht. Partner von Cimon auf der in 400 Kilometern Höhe um die Erde kreisenden ISS ist Alexander Gerst. "Cimon ist nur ein Technologie-Demonstrator", sagt Valerie Schröder vom Projektpartner Airbus Defence and Space in Bremen. "Wir wollen Daten sammeln, um herauszufinden, was Cimon noch benötigt, um wirklich eine Hilfe für längere Missionen zu sein", so die promovierte Entwicklungsingenieurin bei einem Institutsseminar zu den Bremer Experimenten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Standort.

Vollgestopft mit künstlicher Intelligenz

Allerdings kann Cimon schon jetzt erstaunlich viel: Er ist vollgestopft mit sprachgesteuerter künstlicher Intelligenz (KI), die über die sogenannte Watson-KI-Technologie aus der Cloud von IBM gesteuert wird. "Wir haben zumindest in zahlreichen Simulationsverfahren viele Funktionen testen können", sagt Schröder, die zu einem 50-köpfigen Projektteam gehört. Er arbeitet seit August 2016 daran, dass Cimon nicht nur autonom und nach Vorgaben der Astronauten im ISS-Forschungslabor Columbus herumfliegen kann, sondern neben einer gehörigen Portion an Wissen und Intelligenz auch menschliche Züge hat. Dafür haben Wissenschaftler des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München gesorgt, die neben Airbus, dem DLR und IBM am Projekt Cimon beteiligt sind. 

Es könne durchaus aufgrund von Verbindungsproblemen zur Cloud mal sein, dass Cimons Antwortzeit vielleicht bei 800 Millisekunden liege, was in der Regel langsamer sei als bei einer normalen Unterhaltung, so die Airbus-Wissenschaftlerin. "Deshalb haben wir ihm dafür zum Überbrücken auch ein paar menschliche Verlegenheitsfloskeln wie Hmmh öder Äh eingebaut." 

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Dass Cimon schwerelos Orientierung, Navigation und Lenkung beherrscht, "das haben meine Kollegen und ich bereits vor ein paar Monaten erfolgreich bei einem DLR-Parabelflug erfolgreich testen können", so Valerie Schröder. Im Vorfeld der Mission sind sich Astronaut Gerst und Astronautenassistent Cimon auch bereits begegnet. "Cimon wurde auf die Stimme von Alexander Gerst trainiert, das hat über zwei Stunden gedauert."

Cimon soll zu einem wichtigen Crewmitglied werden

Wenn alles so funktioniert, wie sich das Projektteam es vorstellt, wird Cimon oder spätestens Cimon 2.0 einmal zu einem wichtigen Crewmitglied entwickeln. Er soll es dem Astronauten ermöglichen, beide Hände frei zu haben und zum Beispiel keinen Computer mehr manuell bedienen zu müssen. Durch den vollständig sprachgesteuerten Zugriff auf Dokumente und Medien soll der Astronaut bequem durch Bedienungs-, Reparaturanleitungen und Prozeduren für Experimente und Anlagen navigieren können. Cimon dient somit als komplexe Datenbank mit allen notwendigen Informationen für Arbeiten auf der ISS und kann zeitgleich als mobile Kamera für Dokumentationszwecke genutzt werden.

Das ist der deutsche Astronaut Alexander Gerst.
Er wurde am 3. Mai 1976 in Künzelsau in Baden-Württemberg geboren.
Sein Abitur legte er 1995 am Technischen Gymnasium Öhringen ab
Da er auf einer Weltreise beeindruckt war von den Vulkanen Neuseelands, entschloss er sich, Geophysik zu studieren.
Fotostrecke: Das ist Alexander Gerst

Dabei verfügt der intelligente künstliche Assistent bei seiner Premiere im All noch nicht über alle denkbaren und von seinen Entwicklern angedachten Fähigkeiten. "Mittelfristig wollen wir uns auch Gruppen-Effekten widmen, die sich bei kleinen Teams über lange Zeit hinweg entwickeln und bei Langzeitmissionen zu Mond und Mars auftreten können", zitiert das DLR Till Eisenberg, den Cimon-Projektleiter bei Airbus, auf seiner Internetseite. Denn die soziale Interaktion zwischen Mensch und Maschine, zwischen Astronaut und mit emotionaler Intelligenz ausgestattetem Flugbegleiter, könnte eine wichtige Rolle für den Erfolg dieser Missionen spielen. Man wolle mit dem Projekt die aktuellen Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz in einem komplexen Umfeld wie der Internationalen Raumstation untersuchen, "um die Menschen in solchen Umgebungen bestmöglich zu unterstützen", so Matthias Biniok von IBM.

Der Fehler wurde in einer russischen Fabrik gemacht

Wäre Cimon bereits seit ein paar Tagen aktiviert gewesen, dann hätte er sicherlich dabei helfen können, die Ursachen für das Leck an der Sojus-Kapsel zu finden – vorausgesetzt er hätte Zugriff auf die Medien gehabt. Laut Nachrichtenagentur RIA Nowosti wurde der Fehler in einer russischen Fabrik gemacht: Dort hatte ein Monteur während der Fertigung der Kapsel zwar das zwei Millimeter große Loch entdeckt, es aber nicht gemeldet, sondern einfach mit einem Kleber zugeschmiert. 


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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