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Café auf drei Rädern

Marc Hagedorn 05.05.2019 0 Kommentare

Viel Holz, historische Anmutung: Das Coffee-Bike ist eine Eigenentwicklung des Unternehmens.
Viel Holz, historische Anmutung: Das Coffee-Bike ist eine Eigenentwicklung des Unternehmens. (Coffee-Bike)

Dass er ein Händchen dafür hat, unternehmerisch erfolgreich zu sein, merkt Tobias Zimmer zum ersten Mal, als er noch ein Kindergartenkind ist. Er ist vier Jahre alt, als seine Schwester eine Katze geschenkt bekommt. Der kleine Tobias ist traurig. Ein Haustier, das will er auch haben. Als sich seine Eltern bereit erklären, ihm den Wunsch zu erfüllen, bittet er um zwei Wochen Bedenkzeit und verkündet dann seine Entscheidung: Er möchte ein Huhn. Da Hühner nicht gern allein leben, schenken ihm seine Eltern zwei. Umso besser, denkt sich der Junior: Nun kann er täglich mit doppelt so vielen Eiern kalkulieren.

Schließlich kommt es ihm genau darauf an: Er will mit den Tieren Geld verdienen. Die Eierpaletten schnallt er auf den Gepäckträger und radelt die Nachbarschaft ab. Er lebt in Bissendorf im Osnabrücker Land. Weil das Geschäft bald brummt, schafft er sich nach und nach mehr Hühner an, 50 Stück sind es, als er mit sieben Jahren eingeschult wird. Das Futter für die Tiere muss er zu diesem Zeitpunkt längst selbst bezahlen, „mein erster Kostenblock“, wie er heute sagt, beim Bau des Stalls hilft der Vater mit.

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25 Jahre später ist Zimmer immer noch als Unternehmer tätig. Von seinen Hühnern hat er sich zwar während der Schulzeit getrennt, „die galten irgendwann als uncool“. Geblieben aber sind sein Geschäftssinn und der Gründergeist. Gemeinsam mit seinem Freund und Studienkollegen Jan Sander bildet er seit sieben Jahren die Geschäftsführung von Coffee-Bike in Osnabrück. In 17 Ländern dieser Welt schicken die beiden heute 250 Coffee-Bikes auf die Straße, rollende Cafés auf drei Rädern. Eine abgemachte Sache war die Erfolgsgeschichte nicht von Anfang an. „Wir hatten zwar immer eine Vision, und Optimisten sind wir auch“, sagt Zimmer, „aber wir haben auch verdammt viel Lehrgeld bezahlt.“ Im Prinzip vom ersten Tag an.

Geschäftsführer Tobias Zimmer
Geschäftsführer Tobias Zimmer (Gert Westdörp)

Die Kaffeemaschine ist eingefroren

Ein Wochenmarkt Anfang Januar 2011 in Hannover. Zimmer und Sander, damals noch BWL-Studenten, wollen ihr erstes selbstgebautes Coffee-Bike ausprobieren. Sie warten eine Stunde: kein Kunde. Sie warten weiter: immer noch kein Kunde. Dann, nach fast zwei Stunden, der erste Kunde. Er bestellt einen Cappuccino – und bekommt ihn nicht, weil die Kaffeemaschine in der Zwischenzeit eingefroren ist. „Das würde uns heute nicht mehr passieren“, sagt Zimmer. Er kann längst darüber lachen.

Das Coffee-Bike des Jahres 2019 ist dem ersten Coffee-Bike von 2011 technisch weit überlegen. Die Räder werden in Eigenregie produziert, einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag hat das Unternehmen laut Zimmer bis heute in die Weiterentwicklung investiert. Die Coffee-Bikes sehen elegant aus, historisch in der Anmutung, etwas Chrom, viel Mahagoni. Kaffee in allen erdenklichen Variationen, zum Beispiel Lebkuchen-Macchiato oder Schwarzwälder-Kirsch-Latte, schenkt der Barista aus, der auch der Fahrer ist. Der gepresste Orangensaft ist frisch, und dazu gibt es eine Auswahl an Teesorten, Paninis, Cookies, Muffins und Bagels.

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Coffee-Bikes fahren in Bukarest, Wien, Istanbul, London oder Madrid. In Bremen sind die Räder von Dirk Steilen seit knapp vier Jahren ein vertrauter Anblick auf Messen, Straßenfesten und Flohmärkten in der Stadt. Steilen ist 58, ein Vegesacker Jung, der mit 21 aus Bremen weggezogen ist. „Das Coffee-Bike“, sagt er, „hat mich nach Bremen zurückgebracht.“ Das ist nicht wortwörtlich gemeint, sondern im übertragenen Sinne. Nach Jahren der Selbstständigkeit in der IT-Branche wollte sich Steilen noch einmal verändern. Etwas in Richtung Espresso-Bar machen, das wäre doch was, dachten sich Steilen und seine Ehefrau. Als die beiden „den besten Cappuccino“ ihres Lebens an einem Coffee-Bike trinken, steht fest: Sie werden Franchisenehmer.

Große Ketten funktionieren nach dem Prinzip des Franchising

An diesem Punkt trifft das Geschäftsmodell von Tobias Zimmer und Jan Sander mit den Ambitionen von Dirk Steilen zusammen. Das Prinzip des Franchising hat sich in der Wirtschaft etabliert. Große Ketten wie McDonalds, Burger King, Nordsee, Subway funktionieren nach diesem Prinzip, aber auch Tui, die Schülerhilfe, Tchibo oder Quick Schuh. Es ist nicht unkritisch, aber es bietet unter dem Strich beiden Seiten einige Vorteile. Der Franchisegeber, also Coffee-Bike, verteilt zum Beispiel das unternehmerische Risiko, denn der Franchisenehmer, Dirk Steilen, arbeitet rechtlich und finanziell selbstständig. Heißt für Coffee-Bike, dass es kein aufwendiges Filialsystem aufbauen und unterhalten muss.

Der Franchisenehmer wiederum profitiert davon, auf ein erprobtes Konzept setzen zu können. Die Marke ist etabliert, und die Erstinvestitionen sind vergleichsweise überschaubar. Rund 24 000 Euro kostet ein vollausgestattetes Coffee-Bike, 13 500 Euro, wenn der Franchisenehmer es mietet. Anschaffungs- und Fixkosten bei einem Ladenlokal samt Innenausstattung dürften um ein Vielfaches höher liegen. Bei der Preisgestaltung ist Steilen frei, lediglich ein paar Cent an jeder verkauften Kaffeespezialität fließt an die Zentrale.

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Bei Dirk Steilen, der regelmäßig für Geburtstagsfeiern und Hochzeiten gebucht wird, ist alles bio, Zucker, Zimt, sogar der Rum und der Glühwein. Das hat seinen Preis, aber Steilen hat festgestellt, dass die Kunden bereit sind, ihn zu zahlen. Wenn er sein Rad auf dem Flohmarkt parkt, links und rechts die Konkurrenz, die den Kaffee günstiger anbietet, dann macht er trotzdem die besten Umsätze. „Weil die Kunden Wert auf Qualität legen“, sagt er. „Dafür nehmen sie sogar Wartezeiten in Kauf.“ Steilen bereitet jedes Getränk frisch zu. Gern würde er in der Bremer Innenstadt zwei, drei feste Standorte etablieren, eine entsprechende Straßenlizenz hat er, nur nicht fürs Zentrum. Zum Schutz der ansässigen Gastronomie tun sich viele Städte noch schwer, Coffee-Bikes mitten in der City zuzulassen.

Fahrende Händler produzieren viel Müll

Dabei ist Streetfood in Deutschland seit ein paar Jahren mächtig angesagt, in Asien gehört es seit Jahrzehnten zum Lebensgefühl und zur Landeskultur. Unumstritten ist Streetfood nicht. Die fahrenden Händler produzieren viel Müll, Pappteller, Servietten, Trinkbecher, und mit der Sauberkeit ist das in den Gassen der Metropolen mitunter auch so eine Sache. Coffee-Bike will damit nichts zu tun haben. „Wir setzen auf höchste Hygienestandards und Nachhaltigkeit“, sagt Zimmer. Das Fahrrad ist CO2-neutral, Strom spendet eine Batterie. Die Bohnen sind biozertifiziert und die Kaffeebecher kompostierbar.

Coffee-Bike will weiter wachsen. Vor zwei Jahren hat es das Waffel-Bike eingeführt. Eine neue App gibt Auskunft darüber, wo in der Nähe gerade ein Coffee-Bike unterwegs ist. In Großbritannien hat die Firma eine Tochtergesellschaft gegründet. Sogar am Persischen Golf sind Coffee-Bikes unterwegs. Ein Scheich war vor ein paar Jahren so angetan von der Idee, dass er zwei Exemplare bestellte. Inzwischen sind es sechs in Dubai und sechs in Saudi-Arabien.


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Leserkommentare
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...
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