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Wolfgang-Ritter-Preis
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Den Markt vor lauter Produkten nicht sehen

Jean-Pierre Fellmer 09.05.2019 0 Kommentare

So vielfältig wie kurzlebig: Ausrangierte Elektrogeräte in einem Recycling-Zentrum.
So vielfältig wie kurzlebig: Ausrangierte Elektrogeräte in einem Recycling-Zentrum. (UNC)

Bremen. Wer bei Amazon nach einem Toaster sucht, der bekommt mehrere Hundert Modelle angezeigt – von teuer bis günstig, in vielen Formen und Farben. Das gilt aber nicht nur für Toaster: Laut Statistischem Bundesamt bot der Onlineversandhändler im Jahr 2017 insgesamt 229 Millionen Produkte an. Die Auswahl macht den Verbrauchern die Entscheidung nicht einfacher. Aber auch die Verkäufer sind oft ratlos, welche Produkte sie angesichts der Warenflut anbieten sollen und mit wem sie konkurrieren.

Preis mit 20 000 Euro dotiert

Abhilfe schafft der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Daniel M. Ringel, der sich in seiner Dissertation mit dem Thema Marktanalyse beschäftigt. In seiner Doktorarbeit „Creating Insights in Large Markets“ – zu deutsch: Wie man Einblick in große Märkte erhält – hat er neue Methoden zur Wettbewerbsanalyse entwickelt. Dafür hat er am Donnerstag in Bremen den Wolfgang-Ritter-Preis im Rathaus erhalten. Mit dem 20 000 Euro dotierten Preis zeichnet die Wolfgang-Ritter-Stiftung außergewöhnliche Leistungen der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre aus.

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„Es gibt heutzutage Märkte mit über 1000 Produkten“, sagt Ringel. Wo sich Chancen in Märkten ergäben, lasse sich mit der klassischen Marktforschung heutzutage nicht mehr herausfinden. Ringel nutzt deshalb eine riesige Mengen an Online-Daten, die er systematisch siebt. „In meiner Dissertation gehe ich neue Wege: Ich nutze den digitalen Fußabdruck von Verbrauchern auf Preisvergleichsseiten, natürlich in anonymisierter Form.“ So könne er Schlüsse ziehen, was die Kunden suchen und bei welchen Produkte sie den Kauf erwägen. Mit Methoden aus den Neurowissenschaften, der Physik und der Informatik erstellt er eine einfache, visuelle Repräsentation der Marktstruktur.

So könnten Unternehmen mittels eines Werkzeuges einfach ablesen, wer die Konkurrenten seien. Auch ob sich unterschiedliche Produkte des gleichen Unternehmens kannibalisieren, also gegenseitig Konkurrenz machen: „Häufig wird bei neuen Produkten der hohe Marktanteil gelobt, dabei graben Unternehmen oft die Hälfte des Anteils von eigenen Produkten ab.“ Mit der neuen Wettbewerbsanalyse lasse sich auch vergleichen, ob ein Produkt in unterschiedlichen Märkten vertreten sei. Produkte ließen sich schließlich oft nicht eindeutig einer Gruppe zuordnen. „Der Turnschuh zum Beispiel gilt heutzutage ja nicht nur als Sportschuh, sondern auch als Modeaccessoire.“

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Für den Kleinunternehmer seien die neuen Erkenntnisse aber nur bedingt anwendbar, so Ringel. Die Methoden ließen sich natürlich nachlesen, könnten teilweise sogar aus dem Internet heruntergeladen werden. Die Datensätze für die Analyse könne man kaufen. Allerdings müssten die Methoden und ihre Anwendung auch verstanden werden. Zugänglich seien die Methode dennoch, er selbst wende sie auch an und entwickle sie weiter.

Daniel M. Ringel ist Professor an der Kenan-Flagler Wirtschaftsschule in North Carolina in den Vereinigten Staaten. Zuvor promovierte er an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Für seine Dissertation hatte er zuvor schon den Deutschen Wissenschaftspreis 2017 des Deutschen Marketingverbands (DMV) sowie den Dissertationspreis 2018 der EHI-Stiftung erhalten.


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Leserkommentare
alterwaller am 22.10.2019 10:39
Da sollen also die, die sich Privatschule nicht leisten können die Schulen der "FDP-Klientel" pampern ? Passt zu Bremen und der Partei.
Neal am 22.10.2019 10:36
Parken und fahren wie es dem/der Fahrer/in gerade in den Sinn kommt, ist ja nicht nur zum Freimarkt ein Problem.
Wir brauchen a) eine besser ...
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