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Bremer KI-Forscher Frank Kirchner
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"Die Erziehung und Bildung unserer Kinder ist entscheidend"

Patrick Reichelt 15.12.2018 0 Kommentare

Frank Kirchner ist einer der führenden KI-Forscher in Norddeutschland und leitet das Robotics Innovation Center am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Bremen.
Frank Kirchner ist einer der führenden KI-Forscher in Norddeutschland und leitet das Robotics Innovation Center am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Bremen. (dpa)

Herr Kirchner, Tesla-Gründer Elon Musk glaubt, dass eine KI die Menschheit auslöschen wird. Ist das realitisch?

Die fortschreitende Automatisierung in der Gesellschaft birgt immer eine gewisse Gefahr. Dass Maschinen eine eigene Intelligenz entwickeln und entscheiden, die Menschheit auszulöschen, halte ich aber für sehr unwahrscheinlich. Das ist eher Science-Fiction. Und keine besonders gute.

Ein Forschungsteam an der Universität von Oxford hat prognostiziert, dass 47 Prozent aller Jobs binnen der kommenden 20 Jahre von KI übernommen werden könnten. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht von 25 Prozent aus. Halten Sie diese Schätzungen für realistisch?

Die Prognosen sind durchaus realistisch. Es kommt immer auf den Zeitraum und vor allem auf die Gegenrechnung an. Bei jeder technologischen Revolution waren am Ende mehr Menschen in Arbeit, als es davor der Fall war.

Welche Berufe werden überleben? Welche nicht?

Es werden besonders Jobs wegfallen, die körperlich, stupide, gefährlich oder repetitiv sind. KI-Systeme können mittlerweile nicht nur schwere Lasten anheben, sie übernehmen auch ein Stück weit kognitive Fähigkeiten. Eine KI kann etwa schon riesige Texte nach nicht nur nach bestimmten Schlagwörtern und  sondern auch nach Inhalten durchforsten. Diese lästige Arbeit muss dann in Zukunft kein Mensch mehr machen. Die Leute, die dort nicht mehr benötigt werden, werden dann an aber an anderer Stelle gebraucht.

In Deutschland wurde vor kurzem eine Enquete-Kommission eingerichtet, um Leitlinien für den Umgang mit KI zu entwickeln. Brauchen wir eine starke Regulierung durch die Politik?

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass solche Leitlinien wichtig sind. Vor 125 Jahren wurde das Auto erfunden und am Anfang gab es keine Regulierung. Mit der Zeit wurden befestigte Straßen, Verkehrsschilder, Ampeln oder der Führerschein eingeführt. Ähnlich wird es bei der Künstlichen Intelligenz passieren.

Brauchen wir einen hypokratischen Eid für Programmierer, ähnlich wie es bei Ärzten der Fall ist?

Mit einem Eid möchte man eine gewisse Moralvorstellung verbreiten und Standards setzen. Das ist erst mal eine gute Idee, dadurch wird aber nicht verhindert, dass Einzelne trotzdem dagegen verstoßen. Auch heute gibt es Mediziner, die schreckliche Dinge tun. Bestimmte ethische Grundsätze und Werte sollten gerade bei Programmierern und Ingenieuren selbstverständlich sein. In diesen Berufen haben die Menschen immer schon Dinge entwickelt und gebaut, bei denen kleinste Fehler zu einer Katastrophe führen und Menschenleben gefährden können – etwa bei Flugzeugen oder Brücken.

Müssen Entscheidungen, die von Maschinen getroffen wurden, transparenter kommuniziert werden?

Ja. Heute kann man bei vielen Systemen noch relativ leicht erkennen, dass es sich um eine KI handelt, etwa bei Sprachassistenten. In Zukunft wird die Kennzeichnung aber noch wichtiger und sie könnte sich sogar zu einem Qualitätsmerkmal entwickeln. KI-Systeme sind zum Beispiel oft objektiver.

1950
Alan Turing, britischer Mathematiker: „Ich glaube, dass Ende des 20. Jahrhunderts der Gebrauch von Wörtern und die allgemeinen Ansichten der Gebildeten sich so sehr geändert haben werden, dass man ohne Widerspruch von denkenden Maschinen wird reden können.“
1955
Es hat einen Namen: Der Informatiker John McCarthy erfindet den Begriff der künstlichen Intelligenz (KI) für eine wissenschaftliche Konferenz am Dartmouth College in Hanover, USA. Es ist die Geburtsstunde der KI als eigenständiges Forschungsfeld.
1957:
Es beginnt zu lernen: Der amerikanische Psychologe und Informatiker Frank Rosenblatt legt den Grundstein für künstliche neuronale Netze. Auf Basis des Prinzips von Versuch und Irrtum (trial and error) entwickelt er ein erstes lernfähiges System im Computer Mark I.
1966
Es spricht: Der erste Chatbot heißt Eliza. Erfinder ist der deutsch-amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum. Das Programm gibt vor, ein Therapeut zu sein, und reagiert auf Schlüsselwörter mit einfachen Gegenfragen oder allgemeinen Sätzen.
Fotostrecke: Die Geschichte der künstlichen Intelligenz

Braucht es mehr Frauen bei der Entwicklung von KI?

In der Wissenschaft ist es egal, wo die Menschen herkommen, ob sie weiblich, männlich oder etwas anderes sind. Es geht in erster Linie um Kompetenz und darum, eine gewisse Ethik und Moral mitzubringen. Klar gibt es ein großes Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Studierenden. Dieses Phänomen ist aber nicht neu und wir versuchen schon seit Jahren das zu ändern. Wir können die Frauen aber nicht zwingen, Informatik oder Maschinenbau zu studieren. Da müsste sich in der Gesellschaft etwas ändern und das passiert ja bereits. Auf die Studienplatzwahl hat sich das aber bislang nicht ausgewirkt.  

Wird es zu einer Spaltung des Arbeitsmarkts in Hoch- und Niedrigqualifizierte kommen?

Es wird die nächste große gesellschaftliche Herausforderung sein, das zu verhindern. Besonders die Erziehung und Bildung unserer Kinder ist entscheidend. Hier muss massiv investiert werden. Da reden wir nicht über das Doppelte an neuen Lehrkräften, sondern vielleicht über das Zehnfache.

Wie sieht es bei den Berufstätigen aus?

Es gibt einen Unterschied zu den bisherigen industriellen Revolutionen: Technologien wie KI, maschinelles Lernen oder Robotik entwickeln sich rasend schnell. Diese Umwälzungen werden auch Menschen treffen, die heute noch ganz normal in ihrem Beruf arbeiten. Weiterbildungen, Umschulungen und Qualifizierungen spielen zukünftig eine zentrale Rolle. Auch hier muss seitens der Politik nachgebessert werden. Sonst könnten wir in Zukunft eine Art Paria-Klasse haben, die ins Abseits gerät. Das Wissen um die Technologie kann viele Vorurteile nehmen. Vor Dingen, die ich verstehe, habe ich weniger Angst.

Die großen Digitalkonzerne Google, Facebook oder Amazon haben bereits einen großen Vorsprung bei den Technologien. Ist deren Dominanz nicht gefährlich?

Diese Firmen haben sich Positionen erarbeitet, die zumindest zu Missbrauch verführen. Die Diskussion darüber ist mittlerweile in der Gesellschaft angekommen, es formieren sich erste Gegenbewegungen und es gibt Kritik. In einigen Bereichen wird es sehr schwer, den Vorsprung dieser Konzerne aufzuholen, es ist aber nicht unmöglich. In Deutschland haben wir eine sehr starke Wirtschaft mit kleineren und mittleren Unternehmen. Auch dort werden KI-Technologien verstärkt benötigt, um weiter Marktführer zu bleiben. Das ist eine große Chance, denn die Amerikaner schauen eher auf den Massenmarkt.

++ Lesen Sie hier alles zur Zukunft der Arbeit in unserem Dossier. ++


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...
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