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Rotkäppchen-Mumm kauft Eggers und Franke
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Ein prickelndes Geschäft

Stefan Lakeband 09.03.2018 6 Kommentare

Christoph Meier, Geschäftsführender Gesellschafter, hat bestätigt, dass der Weinhandel den Besitzer wechselt.
Christoph Meier, Geschäftsführender Gesellschafter, hat bestätigt, dass der Weinhandel den Besitzer wechselt. (Leona Ohsiek)

Einen Tag bevor Napoleon Bonaparte sich am 2. Dezember 1804 selbst zum Kaiser der Franzosen krönte, legten 650 Kilometer entfernt zwei Kaufleute den Grundstein für ihr Unternehmen. Georg Heinrich Eggers und Johann Heinrich Franke gründeten in Bremen ihren Weinhandel. Sie nannten ihn: Eggers und Franke – ein Name, der noch heute Bestand hat.

Raths-Apotheke
Traditionsreich und nicht wegzudenken aus Bremen: die Raths-Apotheke auf dem Bremer Marktplatz. Sie ist fast 500 Jahre alt und war in den ersten 100 Jahren ihres Bestehens ohne Konkurrenz. 
 Am Markt 11, 28195 Bremen
Ludwig von Kapff
Das Weinkontor Ludwig von Kapff blickt auf eine lange Geschichte im Bremer Weinhandel zurück: das Traditionsgeschäft feierte 2017 sein 325-jähriges Bestehen. 
Wachmannstraße 16, 28209 Bremen/ Konsul-Smidt-Straße 8 J, 28217 Bremen
 Schreibkultur 
Das Schreibwarengeschäft in der Bremer Innenstadt blickt auf ein 157-jähriges Bestehen zurück, eröffnet wurde der Laden von Georg Adam Dörrbecker in der Sögestraße. 1997 musste der Vertrieb in die Domshof-Passage umziehen, von wo er seit 2015 von der Dortmunder Pro Büro & Kopier GmbH geführt wird. Der Laden muss Ende des Jahres schließen.
Domshof-Passage, 28195 Bremen
Cigarren Niemeyer
Vom einstigen Tabakstandort Bremen ist nicht mehr viel übrig geblieben. Den Einzelhändler Cigarren Niemeyer aber gibt es seit nunmehr eineinhalb Jahrhunderten. Martin Niemeyer eröffnete sein Geschäft 1864 gegenüber der alten Börse, heute wird es in der vierten Generation familiengeführt. 
Domshofpassage 21 A, 28195 Bremen
Fotostrecke: Diese Bremer Traditionsgeschäfte gibt es noch

In den mehr als 200 Jahren Geschichte hat das Unternehmen viel mitgemacht. Kriege, wirtschaftliche Hoch- und Tiefphasen, Währungsreformen. Nun steht der nächste Einschnitt für das Traditionshaus an. Zum 1. Mai wird die Rotkäppchen-Mumm Sektkellerei es übernehmen. Das bestätigte Christoph Meier, geschäftsführender Gesellschafter von Eggers und Franke, dem WESER-KURIER am Freitag.

„Wir können uns für unser erfolgreiches Unternehmen keinen besseren Partner für die Zukunft wünschen. Wie Eggers und Franke steht Rotkäppchen-Mumm für nachhaltiges Unternehmertum mit Augenmaß und Kontinuität“, sagt Meier. Der Schritt, das Unternehmen überhaupt zu verkaufen, sei persönlich motiviert. „Manchmal hat man das Gefühl, dass man etwas anderes machen möchte“, sagt er.

Meier arbeitet seit 21 Jahren für Eggers und Franke, das mittlerweile einer der führenden Händler von hochwertigen Weinen und Spirituosen in Deutschland ist und vielen Bremern vor allem für die Weinläden unter dem Namen Ludwig von Kapff bekannt sein dürfte. Auch Marken wie Malteser Aquavit, Sherry und Brandy von Osborn oder Bushmills Whiskey aus Irland vertreibt das Unternehmen in Deutschland.

Rotkäppchen-Mumm aus Freyburg in Sachsen-Anhalt

2001 übernahm Meier die Geschäftsführung des Familienunternehmens, dessen Mehrheitsanteile allerdings bei einem anderen Unternehmen lagen. Das geriet wiederum in Schieflage und Meier stand vor der Entscheidung: Kaufe ich die Firma, die mein Urgroßvater nach dem Ersten Weltkrieg übernommen hat, zurück? Oder gründe ich etwas Eigenes? Das Unternehmen sei damals in keiner guten Verfassung gewesen. „Ich habe die Firma trotzdem zurückgekauft. Das war ein großes Risiko. Heute kann ich sagen, dass meine Entscheidung richtig war“, sagte Meier vor etwa einem Jahr dem WESER-KURIER.

Unter Meiers Führung ist die Eggers-und-Franke-Gruppe stark gewachsen: 2001 lag der Umsatz bei 20 Millionen, zuletzt bei etwa 175 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren hat sich das Unternehmen auch durch viele Zukäufe vergrößert: 2003 hat Eggers und Franke die Namensrechte am Bremer Weinhandelshaus Joh. Eggers Sohn gekauft und anschließend den Spezialisten für Winzerweine wiederbelebt; zwei Jahre später übernahm das Unternehmen seinen langjährigen Konkurrenten Redemeister und Ulrichs sowie dessen Versandhandelstochter Ludwig von Kapff. Letztere hat zudem mehrere Filialen in Norddeutschland und geht auf einen Weinhandel zurück, der schon 1692 in Bremen gegründet wurde.

"Es geht nicht um Synergien, sondern um Ergänzungen"

„Hier ist alles gut aufgestellt“, sagt Christoph Meier. Die etwa 200 Mitarbeiter müssten sich keine Sorgen machen, dass sich unter dem neuen Eigentümer etwas ändern wird. Es habe auch andere Interessenten gegeben, von Rotkäppchen-Mumm sei jedoch das beste Angebot gekommen. „Bei dem Geschäft geht es nicht um Synergien, sondern um Ergänzungen zwischen beiden Unternehmen“, sagt Meier. Zu weiteren Details haben beide Seiten allerdings Stillschweigen vereinbart.

Hinter dem Käufer steckt einer der weltweit größten Produzenten von Sekt und Spirituosen. Das Familienunternehmen aus dem sachsen-anhaltinischen Freyburg ist vor allem für die Sektmarken Rotkäppchen und Mumm bekannt und hatte 2016 einen Jahresumsatz von fast einer Milliarde Euro. Anders als Eggers und Franke stellt Rotkäppchen-Mumm die Getränke selbst her – vor allem für den Massenmarkt.

Das Bremer Unternehmen handelt wiederum mit hochwertigen Fremdmarken. „Beide Familienunternehmen ergänzen sich perfekt“, sagt Christof Queisser, Vorsitzender der Geschäftsführung von Rotkäppchen-Mumm. Die Eggers-und-Franke-Gruppe soll zu einem weiteren wichtigen Standbein im nationalen Kernmarkt werden und den Weg in ein neues Geschäftsfeld bereiten.

Jobs seien nicht in Gefahr

Die 200 Mitarbeiter der Eggers-und-Franke-Gruppe, die aus fünf Unternehmen besteht, wurden am Donnerstagabend von dem Verkauf informiert. „Natürlich bewegt sie diese Nachricht“, sagt Meier. Er betont aber auch: Der Standort Bremen sei auch mit dem neuen Eigentümer nicht infrage gestellt. Jobsorgen müsse daher niemand haben.

Sich komplett vom Unternehmen trennen werde Meier vorerst nicht. Bislang sei geplant, dass der geschäftsführende Gesellschafter den neuen Eigentümer und die Entwicklung der Firma beratend begleiten wird. Seinen Führungsposten legt er allerdings nieder. Die Unternehmensgruppe solle dann vom bisherigen Managementteam geleitet werden und weiterhin eigenständig am Markt agieren. Der Übernahme muss allerdings noch das Kartellamt zustimmen.

Trotz des Rückzugs von Christoph Meier sollen nicht nur die Geschäfte bei Eggers und Franke wie gewohnt weiterlaufen. Auch Ludwig’s Weinbar und die Bar Bobby Lane in Schwachhausen sollen fortgeführt werden. Gleiches gilt für das französische Honorarkonsulat, das seinen Sitz bei Eggers und Franke hat.

+++ Zuletzt aktualisiert am 9. März um 19.39 +++

Photo Dose
Über vier Generationen war Photo Dose seit 1898 eine Institution in Bremen. Bereits im März wurde das Onlinegeschäft von einem Fotounternehmen aus Sachsen-Anhalt gekauft, sechs Filialen an ein Kölner Unternehmen verkauft, fünf weitere Filialen wurden geschlossen. In der Spitzenzeit gab es 120 Läden.
Bäcker Hellweg
Die Firmengeschichte der Nordbremer Traditionsbäckerei Hellweg begann 1908 mit Konditoreiwaren, einige Jahre später wurde das Angebot dann auf Brot und Brötchen erweitert. Seit dem 1. Juni 2018 ist jedoch Schluss. 
 
Konditorei Heinemann:
Ebenfalls geschlossen: Das Konditorei-Café Heinemann an der Stader Straße 77. Es hätten Investitionen angestanden, er habe sieben Tage die Woche gearbeitet und in den vergangenen Jahren nur ein paar Wochen Urlaub gehabt, schildert der langjährige Inhaber Ingo Broekmann die Gründe. 
Der Familienbetrieb wurde im Jahr 1950 durch seine Großeltern gegründet, später dann, 1968, an ihre Tochter und deren Mann übergeben. 30 Jahre später hat Ingo Broekmann das Konditorei-Café von seinen Eltern übernommen und es fast zwei Jahrzehnte mit großem Einsatz geführt.
Roland-Kleidung: 
Ende 2018 wird das Fachgeschäft für Herren- und Damenmode an der Sögestraße Ecke Lloydpassage schließen. Das Geschäft habe keinen Gewinn mehr erwirtschaftet, teilte der Geschäftsführer Joachim Hauser unserer Zeitung mit. Den Artikel lesen Sie hier.
Fotostrecke: Diese Bremer Traditionsläden mussten schließen

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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...
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